Die Stadtwaldungen

Die Waldungen der Stadt Freiburg bestehen aus Hoch- und Mittelwaldungen.
Die Hochwaldungen umfassen eine Gesammtfläche von etwa 2437 ha und bestehen aus den Districten:
I. Bohrer, mit dem durch Tausch gegen 7 kleinere, auf Gemarkung St. Märgen gelegene städtische Districte vom Grossh. Domänenärar erworbenen Kybfelsenwald (mit dem berühmten Aussichtspunkt Kybfelsen). Er beginnt bei Güntersthal und dehnt sich aus bis hinauf zum Schauinsland, die ganze westliche Gebirgswand des Bohrerthales bildend, mit verschiedenen von Ost nach West verlaufenden tiefeingeschnittenen Dobeln, dem Sägendobel, Diesendobel, Langenbachdobel und Sailendobel.
In diesem Districte befinden sich, ausser dem Kybfelsen, der Horberfelsen, der Prangenkopf, das Taubenköpfle, die Pflugsfelsen, der Wachtfelsen und der Schauinsland mit seinem Rasthause (1286 m über dem Meere).
II. Valentinswald, beginnt bei Littenweiler, den nördlichen Abhang des Dreisamthales bis nach Freiburg und von dort den westlichen Einhang des Thales bis nach Güntersthal bildend, woselbst er sich wieder an den Kybfelsenwald anschliesst. In diesem Districte liegen der herrliche Waldsee, die Franzosenschanze und der Brombergkopf mit dem so beliebten Ausblick über die Stadt Freiburg.
III. Illerberg-Kreuzkopf. Dieser District liegt zwischen Langackern und dem Rebhaus mit dem lieblichen Güntersthal zu seinen Füssen, und bedeckt so die ganze östlich Güntersthal steil abfallende [188] Bergwand. Zunächst auf der Höhe dieses Waldes liegt die erst 1897 eröffnete und schon sehr beliebt gewordene Sommerfrische Louisenhöhe mit ihren herrlichen Ausblicken in das Bohrerthal und andererseits nach dem Rheinthal und den Vogesen.
IV. Ottilienwald. Er bildet den Gebirgsstock vom Jägerhäuschen aus bis auf die Höhe des Rosskopfes mit seinem eisernen Thurme und seiner herrlichen Fernsicht (739 m über Meereshöhe) bis gegen Ebnet herab, die neue Besitzung der Stadt, die Karthause, umschliessend. An diesen District lehnt sich gegen Südwesten und Westen der Schlossberg, eines der Wahrzeichen Freiburgs, an. Oberhalb der Karthause liegt unter dem Rosskopfgipfel, ganz von Wald umrahmt, das allbekannte St. Ottilien mit seiner Wallfahrtskapelle und dem nicht weit davon entfernten St. Wendelinskapellchen, überschattet von einer mächtigen, nahezu 300jährigen Buche, die einer der ältesten Bäume des ganzen Stadtwaldes ist.

Wallfahrtskirche St. Ottilien und Wirthschaft.
V. Der Birkenreuthewald ist Bestandtheil eines der Stadt Freiburg gehörigen, getrennt vom übrigen Stadtwald befindlichen grossen Hofgutes, des Birkenreuthehofes, nahe bei dem Dorfe Kirchzarten.
[189] Ausser diesen Hochwaldungen besitzt die Stadt Freiburg noch einen ausgedehnten Mittelwald, den Mooswald (etwa 831 ha), eine Stunde von Freiburg im Westen und Nordwesten zwischen Lehen und Vörstetten gelegen.
Dieser Wald wird durch die Eisenbahn nach Breisach durchschnitten.
Sodann wäre hier noch als weiteren Waldbesitzes des sogen. Rieselfeldwaldes zu erwähnen, welchen die Stadt Freiburg zur Anlage des Rieselgutes angekauft hatte.
Nachdem der grösste Theil dieser erworbenen Waldungen bereits ausgestockt und zum jetzt bestehenden Rieselgut umgewaldet war, verblieb noch ein Rest von 179 ha Mittelwald, der jedoch früher oder später zur Vergrösserung des Rieselgutes Verwendung finden dürfte.
Dieser Rieselfeldwald liegt zu beiden Seiten der Strasse von Haslach nach Opfingen, sich an das Rieselgut hart anschliessend.
Von der gesammten Hochwaldfläche von rund 2437 ha liegen
| rund | 850 | ha | in | einer | Meereshöhe | von | 290–500 | m |
| » | 1300 | » | » | » | » | » | 500–1000 | » |
| » | 287 | » | » | » | » | » | 1000–1286 | » |
| 2437 | ha. |
Was die Bodenverhältnisse der Stadtwaldungen betrifft, so besteht für den ganzen Hochwald das Unterlagegestein, nur dann und wann im Ottilienwald von etwas Diorit durchsetzt, aus Gneis, der ortsweise in grösseren Felsmassen und Trümmerfeldern zu Tage tritt; vorherrschend erscheint es aber als Grus und Gerölle, mit seinen Zersetzungsbestandtheilen einen durchweg frischen und, mit Ausnahme von vorspringenden Rücken, ziemlich humosen Boden bildend, der dem Holzwachsthum grösstentheils sehr günstig ist.
Der Holzwuchs ist ferner nur dort ein kümmerlicher, wo die Waldtheile der freien Einwirkung der Stürme, wie in den höchsten Lagen des Schauinslands, ausgesetzt sind.
Von Holzarten sind Buchen und Weisstanen im Hochwalde vorherrschend; sie bestocken dortselbst für sich allein ¾ der Gesammtfläche. Grösstentheils treten sie untereinander gemischt, seltener jede für sich allein auf. Den beiden genannten Arten reihen sich hinsichtlich der Häufigkeit ihres Auftretens zunächst die Fichte (Rothtanne) und Eiche an, von denen erstere hauptsächlich in den höheren Lagen und hier vielfach in reinen, wenn auch kleineren Beständen, sodann aber auch in den jüngsten Beständen der übrigen Lagen als häufig verwendetes Kulturmaterial erscheint, während die Eiche in [190] den milderen Gegenden der Vorberge, so namentlich unterhalb des Rosskopfes im Ottilienwald und sodann auch sehr häufig da und dort als Einspringlinge und Ueberhälter, seltener dagegen und nur auf kleineren Flächen, in nahezu reinen Jungbeständen auftritt.
Da der grosse Schnee- und Eisbruchschaden von Weihnachten 1886 (es wurden im ganzen Stadtwald nahezu 60,000 Festmeter jeglicher Holzart theils entwurzelt, theils gebrochen) erwiesen hat, dass gemischte Bestände diesem Schaden besser als reine widerstanden haben, so soll auch in Zukunft bei den Kulturausführungen möglichst auf Erziehung gemischter Bestände (Buchen, Weisstannen, Eichen) Bedacht genommen werden.
Forlen und Lärchen, von denen der Hochwald vielfach sehr schöne Exemplare aufweist, sollen gleichfalls bei den Schlagausbesserungen Berücksichtigung finden, da sie namentlich werthvolle Nutzholzerträge liefern.
Ahorn und Eschen sind im Ganzen selten und sollen, weil sie nur langsam wachsen, im Hochwald nur da geduldet werden, wo sie sich von selbst einstellen. Das Auftreten der Hainbuche ist ohne wesentliche Bedeutung, auch soll sie ihres frühen Wachsthumsnachlasses wegen nur sehr beschränkt, höchstens an Waldrändern, als Schutzholz gegen Sturmschaden geduldet werden.
In den Mittelwandungen, im Mooswald und Rieselfeldwald (also 831 ha und 179 ha) bildet das Diluvium und Alluvium des Rheinthales die Unterlage, ein etwa 1 m tiefer, mit Sand und Gerölle vermengter Lehm- und Moosboden, der im grossen Ganzen dem Holzwuchse, mit Ausnahme auf den ganz vermoorten Stellen, günstig ist.
Nasse und versumpfte Stellen kommen häufig vor und kennzeichnen sich durch ortsweise ziemlich starkes Auftreten von Schilfgräsern und Binsen, wogegen auf mehr kiesigen, trockeneren Stellen das See- und Lieschgras vorherrschend ist, aus welchen Grassorten alljährlich hohe Erlöse erzielt werden. Da die Mooswaldungen, im Rheintheil gelegen, sich nur in einer Meereshöhe von circa 230 m befinden, ist das Klima dem Holzwuchs durchaus günstig.
Die Hauptholzarten in diesen Waldungen sind im Oberholzbestand: die Eichen, Eschen und Erlen, im Unterholzbestand: die Erlen, Weichhölzer, seltener Eschen und Hainbuchen. Der Ahorn und die Birke sowie auch die Rotheiche werden erst seit einigen Jahren bei den Schlagausbesserungen verwendet und werden desshalb auch erst später mehr in den Vordergrund treten.
Betriebsart und Umtriebszeit. In den Hochwaldungen [191] ist der 120jährige Umtrieb eingeführt und soll auch, als allen Anforderungen entsprechend, in Zukunft beibehalten werden, wobei das Ueberhalten von Eichen in dem zweiten Umtrieb nicht ausgeschlossen ist. In den Mittelwaldungen ist im Mooswald der 24jährige Umtrieb, im Rieselfeldwald der 20jährige eingeführt, wobei das Oberholz aber, die Eichen bis zu 120 Jahren, die Eschen und Erlen bis zu 80 Jahren, übergehalten werden.
Der Waldwegbau. Bis zum Jahre 1820 spielte die Flösserei bei der Holzausbringung in den Stadtwaltungen eine grosse Rolle. Insbesondere wurde das Holz aus den jetzt dem Domänenärar gehörigen, auf Gemarkung St. Märgen gelegenen Waldungen in eigens erbauten Flosskanälen nach Freiburg auf den Nägelesee geflösst, während für das Holz aus dem Bohrerthale der Hölderlebach durch Stauanlagen bis zur sog. Leime, flossbar gemacht war.
Wie überall, wurde jedoch mit dem Anfange dieses Jahrhunderts die Flösserei allmählig zu kostspielig, und man begann mit dem Bau geregelter Holzabfuhrwege, der jedoch erst im Jahre 1838 nach dem Dienstantritt des städtischen Bezirksförsters Näher hier in geordnete Bahnen geleitet wurde.
Bis zum Jahre 1874 wurden sämmtliche Holzabfuhrwege nur mit Rücksicht auf die Holzausfuhr angelegt; von diesem Zeitpunkte an hat man begonnen, bei dem Bau von grösseren Weganlagen gleichzeitig auch die Fahrbarkeit derselben für den öffentlichen Verkehr zu berücksichtigen.
Jedoch erst im Jahre 1891 wurde für den Bau der letztgenannten Waldfahrstrassen ein eigentliches Programm aufgestellt, das aber bis heute nur zum Theile seine Verwirklichung gefunden hat.
Für die nächste Zukunft sind zum Bau in Aussicht genommen:
1. eine Fahrstrasse vom Reservoir im Sternwald über St. Valentin nach der Kyburg im Bohrerthal.
2. Von der Kyburg durch District III Illerberg–Kreuzkopf nach dem Josephsberg.
3. Vom Hirzberg aus durch den District IV Ottilienwald nach dem Jägerhäuschen.
Die Waldseestrasse durch District III, vom Rebhaus bis gegen Langackern, wurde in den Jahren 1874, 75 und 76,
die Waldseestrasse von Villa Mitscherlich bis zum Waldsee im Jahre 1882,
die Fahrstrasse von Herdern über St. Ottilien nach der Karthaus in den Jahren 1878, 85, 88 und 96,
[192] die Strasse um den, in den Jahren 1879 und 80 angelegten Waldsee, im Jahre 1883,
der Fahr- und Reitweg im Möslepark im Jahre 1886 und
die 12,9 km lange Schauinslandstrasse in den Jahren 1894–96 erbaut.
Gleichzeitig mit dem Bau der Holzabfuhrwege wurde auch mit der Herstellung eines heute schon ausgedehnten Netzes von Forstwegen begonnen.
Diese durchziehen fast alle Waldabtheilungen mehrmals, da und dort herrliche Fernsichten gewährend, und haben heute eine Gesammtlänge von etwa 126,843 m, so dass in dieser Beziehung der Stadtwald von Freiburg vor allen Waldungen des Landes unbestritten die erste Stelle einnimmt.
Die Holzabfuhrwege nebst den Promenadefahrwegen haben gegenwärtig eine Gesammtlänge von rund 84,190 m, und sollen, wie oben angeführt, in den nächsten Jahren noch beträchtlich erweitert werden.
Eine besondere Würdigung verdienen auch die städtischen Waldjagden; wir lassen hier nachfolgende Tabelle sprechen:
| Jagdbezirke | Jährliche Pachtbeträge pro | |||
| 1862–1871 Mark |
1872–1881 Mark |
1882–1891 Mark |
1892–1901 Mark | |
| St. Valentinsjagd | 176.75 | 289.71 | 300.— | 700.— |
| Bohrerjagd | 188.57 | 205.71 | 341.— | 900.— |
| Kreuzkopfjagd | 58.28 | 61.71 | 62.— | 360.— |
| Ottilienjagd | 205.71 | 205.71 | 230.— | 600.— |
| Birkenreuthejagd | 12.— | 17.14 | 32.— | 70.— |
| Mooswaldjagd | 660.— | 1200.— | 1200.— | 2400.— |
| Rieselfeldwaldjagd | —.— | —.— | —.— | 1000.— |
| Kybfelsenjagd | —.— | —.— | —.— | 251.— |
| Summa | 1301.13 | 1979.98 | 2165.— | 6281.— |
In Bezug auf die Geschichte der Stadtwaldungen können wir hier, des beschränkten Raumes halber, nur anführen, dass der weitaus grösste Theil sich schon seit sehr langer Zeit im Eigenthum der Stadt befindet.
[193] Wenn auch im Archive der Stadt eigentliche Erwerbsurkunden über den grössten Theil der Stadtwaldungen fehlen, so geben doch andere Aktenstücke sicheres Zeugniss von ihrer langjährigen Zugehörigkeit zu Freiburg.
So wird der Besitz des Mooswaldes schon für das 13. Jahrhundert dargethan durch eine im städtischen Archiv befindliche Urkunde vom 21. December 1289, in welcher von Herrn Burchard dem Turner und Herrn Heinrich Wolleb 1300 Mark Silber für eine zehnjährige Holznutzung der Stadt gewährleistet werden.
Sodann bezeugen Aehnliches die Waldvermarkungsurkunden vom Jahre 1432, so bezüglich der Districte Bohrer, Valentinswald, und Ottilienwald; letzerer erhielt zu Folge einer noch vorhandenen Urkunde vom Jahre 1457 durch den Ankauf des Dorfes Herdern, welches sammt Feld, Waid und Wald von der Stadt Freiburg erworben wurde, einen weiteren Zuwachs.
Ebenso ist der District III Illerberg–Kreuzkopf seit uralter Zeit im Besitze der Stadt. Er vergrösserte sich jedoch erst durch einen im Jahre 1844 stattgehabten Tausch zwischen der Stadt und dem Grossh. Domänenärar um 8,3385 ha, da ein Theil des seiner Zeit städtischen Ohmenwaldes bei St. Märgen (12,1473 ha) an den Staat gegen den sog. Kunackerwald bei Güntersthal abgetreten wurde.
Der District V Birkenreuthewald war sammt den Wiesen und Aeckern des Birkenreuthehofes mehrmals im Besitze der Stadt; zuerst im Jahre 1462, zu welcher Zeit dieses Hofgut von dem Abte Johann von St. Märgen mit weiteren Gütern in der Wagensteig und im Zartner Thale (die letzteren wurden jedoch im Verlaufe der Zeit von der Stadt wieder veräussert) um 4800 Goldgulden an Freiburg verkauft wurde; letztmals ging das Birkenreuthegut, welches seit jener Zeit einigemale verkauft und wieder angekauft worden war, im Jahre 1740 bei einer Zwangsversteigerung von dem damaligen Besitzer, einem Herrn Oehninger, um 20,000 Gulden an die Stadt über.
Seit dieser Zeit bis heute ist es beständig ihr Eigenthum geblieben.
Wie und in welcher Weise die Stadtwaldungen von den ältesten Zeiten bis gegen den Anfang dieses Jahrhunderts bewirthschaftet wurden und welche Verordnungen in dieser Beziehung zu den verschiedenen Zeiten ergingen, kann hier, des beschränkten Raumes wegen, so interessant es auch wäre, leider nicht mitgetheilt werden.
Ebensowenig kann des Jahrhunderte langen Bestandes der städtischen [194] sieben Lehenshöfe und ihrer Geschichte gedacht werden, welche sich zerstreut im Bohrerwalde befunden haben und erst mit dem Jahre 1840 völlig wieder zum Stadtwald geschlagen wurden.
Nachdem im Voranstehenden, so weit es der Raum gestattete, in grossen Umrissen die Hauptmomente in Bezug auf den Besitz und den Bestand der Stadtwälder dargelegt wurden, erübrigt nur noch darauf hunzuweisen, dass die Waldungen von der grössten Bedeutung für das Aufblühen der Stadt und für die Annehmlichkeit des Wohnsitzes in Freiburg sind, was erst ihren vollen Werth erkennen lässt.
Ihnen verdankt die Einwohnerschaft nicht nur die gesunde, würzige Luft, die angenehme Kühle am Abend nach heissen Sommertagen, die Möglichkeit, sich unmittelbar bei der Stadt selbst den so sehr gesunden und von allen Aerzten empfohlenen staubfreien Aufenthalt im Nadelwalde leicht zu verschaffen, sondern der Stadtwald ist im Laufe der Zeit, sowohl für Fussgänger als für Reiter- und Wagenverkehr zu einem grossen Stadtpark geworden, der in allen seinen Theilen durch gut unterhaltene, nicht zu steile Fuss- und Fahrwege aufgeschlossen ist, welche überall hin bis zu den höchsten Punkten mit herrlichen Ausblicken in weite Fernen führen, bis zu dem Liebling der Einheimischen und Fremden, zu dem unvergleichlichen Schauinsland, 1286 m über dem Meere, der eine kaum von einem Schwarzwaldberge übertroffene grossartige Aussicht von seinem schmalen Gipfel ringsum nach den Alpen sowohl als nach dem lieblichen Rheinthale bietet, mit dem Kamm der Vogesen, der deutschen Grenzmarke, im Hintergrunde.
