Die Wasserleitungen

[144]

Thonfliesen, jetzt in der städtischen Alterthümer-Sammlung.


VII. DIE WASSERLEITUNGEN.
Von W. Schnell.

Die jetzt noch bestehende Brunnenleitung aus dem sogenannten Möslewalde, deren Wasserfassungen bei 15 Meter Höhenunterschied etwa 1½ Kilometer oberhalb der Schwabenthorbrücke liegen, reicht bis in die Anfänge unserer Stadt zurück. Im Jahre 1318 schon finden wir einen laufenden Brunnen vor dem Rathhause erwähnt, und 1535 bestanden 20 öffentliche und 11 Privatbrunnen mit zusammen 40 Röhren. Das Wasser wurde durch zwei hölzerne »Deichelfahrten« zur Stadt geleitet. Mit der Zeit vermehrten sich die Brunnen wesentlich. So waren deren im Jahre 1732 bereits 57 mit 70 Röhren vorhanden, heute befinden sich neben der Versorgung fast sämmtlicher Häuser mit Wasser 91 öffentliche Brunnen in der Stadt.

Wiederholt wurden an der Möslewasserleitung Erweiterungen und Aenderungen vorgenommen; nicht immer mit gutem Erfolg. Der wesentlichste Umbau fand im Jahre 1842 statt. Man entschloss sich damals, an Stelle der einzelnen Brunnenstuben eine zusammenhängende Sammelanlage zu bauen, und die Holzdeichel durch eiserne Röhren zu ersetzen. Im Wesentlichen blieb diese Leitung seither unverändert, und sie versorgt heute neben 71 Privatbrunnenrechten die meisten laufenden Brunnen der Altstadt bis an die Bahnlinie. Als kleinste Menge liefert die Mösleleitung etwa 18 Secundenliter oder täglich 1500 m³ Wasser.

[145] Anfangs der 60er Jahre trat das Bedürfniss einer vermehrten Wasserzufuhr hervor. Es wurden Gutachten von dem Sachverständigen Dr. Bruckmann in Stuttgart und später von Baurath Gerstner in Karlsruhe eingeholt, welche beide neue Wassergewinnungs-Anlagen aus dem Diluvium des Dreisamthales empfahlen. Der Letztere entwarf einen Plan, der in den Jahren 1872–76 zur Ausführung kam.

Nachdem durch Voruntersuchungen nachgewiesen war, dass dem Grundwasserstrom der starken Kiesbänke wirklich Wasser von vorzüglichen Eigenschaften in genügender Menge entnommen werden konnte, wurde oberhalb des Dorfes Ebnet, 5 km vom Schwabenthor entfernt, eine Sammelanlage erstellt. Zwei gabelförmig angeordnete Sickerkanäle von 90 cm lichter Höhe aus Cementbeton führen 6–7 m unter dem Boden das Wasser in einen Sammelbrunnen von 4 m lichtem Durchmesser. Von da geht ein Gussrohrstrang von 450 mm Lichtweite an dem Dorfe Ebnet vorbei, dann durch die Karthäuser- und Schwabenthorstrasse nach dem Hochbehälter auf dem Schlossberg. Der Auslauf dieses Behälters von 4000 m³ Rauminhalt liegt 307,5 m über N.-Null, was einen durchschnittlichen Wasserdruck von 3 Atmosphären in der Stadt ergiebt. Ein ebenfalls 450 mm weites Rohr führt das Wasser von hier in das weitverzweigte Stadtrohrnetz. Die kleinste Menge Wasser, welche diese Anlage lieferte, war 6250 m³ in 24 Stunden (= 73 Secundenliter), eine Versorgung, die mit dem Möslewasser zusammen für die damaligen Verhältnisse als recht reichlich bezeichnet werden muss, da sie mindestens 200 Liter für den Kopf und Tag betrug.

Das starke Wachsen der Bevölkerung und die über Erwarten erfreuliche Zunahme der Privatanschlüsse an die neue Wasserversorgung hatten aber einen so stark wachsenden Verbrauch zur Folge, dass schon nach zwölf Jahren ernstlich an eine weitere Wasserzufuhr gedacht werden musste. Ende der 80er Jahre wurden desswegen Untersuchungen vorgenommen und auf Vorschlag des Ingenieurs Prof. Lueger in Stuttgart, der vor einem Jahrzehnt die Anlage ausgeführt hatte, zur weiteren Wassergewinnung eine Stelle auf dem linken Dreisamufer bei Neuhäusel ausgewählt. Die Hoffnung, hier einen reichen Grundwasserstrom zu finden, ging in Erfüllung. Der Bau wurde nun in ganz ähnlicher Weise wie die bewährte Leitung auf dem rechten Dreisamufer eingerichtet. Durch Ausdehnung der gabelförmigen Sickeranlage auf eine Breite von nahezu 300 m wurde eine kleinste Wassermenge von reichlich 17,000 m³ in 24 Stunden (200 Secundenliter) erschlossen. Im Jahre 1891 wurde das Wasser vorerst nur mit dem älteren Sammler auf der rechten Flussseite [146] verbunden, und das nunmehr stets voll laufende Zuleitungsrohr führte täglich 12–13,000 m³ Wasser in die Stadt.

Inzwischen war aber die Schwemmkanalisation in der Stadt eingeführt worden, was neben der stetig wachsenden Bevölkerung abermals eine wesentliche Steigerung des Wasserbedarfes zur Folge hatte. So beschloss denn die Stadtgemeinde, das bereits erschlossene Wasser durch einen zweiten Rohrstrang in die Stadt zu führen, bevor Mangel eintrat, und im Anschluss daran auch einen zweiten, wenngleich noch nicht dringend nothwendigen Behälter zu bauen. Als Platz für diesen wurde eine Stelle gegenüber dem schon bestehenden Behälter auf der anderen Thalseite in gleicher absoluter Höhe gewählt.

Hochbehälter der städtischen Wasserleitung im Sternenwald.

Dieser 1895 ausgeführte zweite Rohrstrang von ebenfalls 450 mm lichter Weite läuft dem älteren parallel bis zum Schieberhaus bei der Karthause, wendet sich hier, die Dreisam kreuzend, südlich durch die Schwarzwaldstrasse und Sternwaldstrasse dem neuen Behälter auf der kleinen Glümershöhe am Sternwald zu. Dieser Behälter von vorderhand 3500 m³ Inhalt, ganz aus Stampfbeton erbaut, ist gleich dem älteren [147] am Schlossberg in zwei Theile getheilt, die einzeln ausser Betrieb gesetzt werden können.

Der massive, nach einem Entwurfe des Hochbauamtes architectonisch schön ausgestattete Vorbau mit seinen drei Thürmchen, der die Abschlussvorrichtungen u. s. w. wie auch den Aufgang in die Gewölbe enthält, ist eine Nachbildung der Thorburg in dem alten städtischen Siegel und gewährt eine hübsche Aussicht auf die Stadt.

Durch diese Bauten ist nun die städtische Wasserversorgung Freiburgs zu einem vorläufigen Abschluss gelangt, und eine so vorzügliche geworden, wie sie andere deutsche Städte kaum aufweisen können. Die drei Hauptsammelstellen liefern – abgesehen von zwei kleinen Quellen, die den Vororten Herdern und Güntersthal dienen – täglich das übrigens sehr selten erreichte Mindestmaass von 25,000 m³ Wasser, also auf den Kopf der Bevölkerung beinahe 500 Liter. Dabei ist das Wasser, das weder gepumpt noch filtrirt zu werden braucht, von unübertroffener Reinheit. Es enthält keinerlei organische Substanzen, hat nur etwa 1½ deutsche Härtegrade, und die regelmässigen bakteriologischen Untersuchungen durch das Hygienische Institut weisen im Durchschnitt nur 5 bis 10 keimfähige Spaltpize im Cubikcentimeter nach.

Vorbau des Hochbehälters im Sternenwald.

Die Wohlthat dieses Wassers wird auch in umfangreicher Weise ausgenützt. Ausser den bereits erwähnten 91 öffentlichen Brunnen sind gegenwärtig 3300 Grundstücke mit Wasser versorgt, und diese Zahl nimmt jährlich um mehr als 100 zu. 470 Feuerhydranten sind in der Stadt vertheilt, und nicht zu vergessen ist die grosse Anzahl von Spring- und Laufbrunnen, die die öffentlichen Anlagen beleben, Erwähnenswerth sind hier namentlich: der dreitheilige Wasserfall am Alleegarten, eine symbolische Darstellung der Dreisam, der Springbrunnen auf dem Fahnenbergplatz mit vier Wasserspeiern aus Bronce, Originalfiguren aus der Königl. Erzgiesserei F. v. Miller in München [148] und der Wasserfall gegenüber der Herz-Jesu-Kirche in den Anlagen der Clarastrasse im Stadttheile Stühlinger.

An Private wird das Wasser auf Grund von Einschätzungen abgegeben. In allen Fällen, in denen ein mehr als gewöhnlicher Wasserverbrauch angenommen werden kann, sind zur Controlle Wassermesser eingesetzt.

Das Stadtrohrnetz, in einer Gesammtlänge von 65 km und rund 1000 m³ Inhalt, ist nach dem sogenannten Circulationssystem angelegt. Durch diese Anlage und durch die zwei gleichwerthigen Zuleitungsröhren, die, mit dem beträchtlichen Behälterinhalt zusammen, einzeln auf einige Zeit die ganze Stadt zu befriedigen vermögen, erscheinen nennenswerthe Unterbrechungen der Wasserversorgung beinahe ganz ausgeschlossen.