Die höchste Weyhe


[102]

Die höchste Weihe.

Wer, als Melpomen’ ihn weihte,
     Heilig ihr Veredlung schwur,
Selbstgefühl der Götter leite
     Den durch Wüst’ und Blumenflur!

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Mild und segnend, gleich Auroren,

     Wann der Lenz der Erde naht,
Wallt die freundlichste der Horen
     Treu mit ihm des Daseyns Pfad.

Wo Vernunft und Hochsinn wohnen

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     Glüht sein Herz von Sympathie;

Rein erklingt in allen Zonen
     Ihm des Weltalls Harmonie.

Ihn entzückt der Meere Spiegel
     Und die Silberperl am Kraut,

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Die Viol’ am Todtenhügel

     Und die Ros’ im Kranz der Braut;

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Ihm erhebt der Katarakten
     Donnersturz den trunknen Geist,
Ihm das Bächlein, so vom nakten

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     Klippenabhang niederfleußt.


Er vernimmt der Hoffnung Wehen
     Hoch vom lichten Sternenraum,
Hebt, wo Blumen auferstehen,
     Ihres Schleiers goldnen Saum;

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Trinkt auf hoher Alpenweide

     Mit dem Adler Himmelsglanz,
Windet auf beschneiter Haide
     Dunkles Immergrün zum Kranz;

Sieht um Platons Kelch die Rosen

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     Heitrer Weisheit wieder glühn,

Roms Ruinen sich entmoosen,
     Und Athens Gefilde blühn.

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Beßrer Zukunft Bilder schweben
     Wo Gewölk’ ihn trüb’ umzieht,

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Und harmonisch, wie sein Leben,

     Tönt im Volk sein höhres Lied.

Stät, wie Vestas Flamme, lodert,
     Troz der Erdenstürme Wuth,
Bis die schwarze Bark’ ihn sodert,

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     Seines Geistes reine Gluth.
Matthisson.