Ein Idyll

[327]

Ein Idyll.

Sie fuhren zusammen im warmen Coupé –
Es war eine mollige Reise!
Es flogen die Felder … Im ersten Schnee
Lag rings die Welt, die weisse …

5
Er spann ein Gerede ziemlich verworr’n

Vom Wetter und Sommer im Bade –
Sie warf in den Schoss ihren Engelhorn
Und knabberte Lindt-Chokolade.

[328]

Er sprach poetisch vom wehenden Rauch

10
Und wie die Zeiten brausen –

Sie hatte ’ne Tante, die »dichtete auch«
Und wohnte in Sangerhausen.

Und als die Sonne im Westen verschwamm,
Da pries er’s in köstlichen Worten –

15
Sie hatte ’nen Vetter in Heiligendamm,

Der beinahe Maler geworden.

Und als er vom Fahren ins Weite sprach,
Wie nickte am Hütchen die Feder!
Sie hatte ’nen Onkel in Offenbach,

20
Der reiste seit Jahren in Leder.


Die Sterne sandten vom Himmelszelt
Verwirrendes Schelmengefunkel –
Sie hatte die Heizung abgestellt,
Er schraubte die Lampe auf »dunkel«.

25
Sie sassen so dicht, und sie sagten kein Wort,

Und sie hörten die Herzen schlagen –
Der Schaffner qualmte geschenkte »Import«
Im Dienst-Abteil mit Behagen.

Sie dachten so viel, und sie sprachen’s nicht aus,

30
Sie sahen die Lichtchen blinken

Vorüberfliegend am Wächterhaus –
Die Linke ruht’ in der Linken.

Die Rechte hielten sie beide steif
Und den Handschuh darauf zur Verzierung –

35
Am vierten Finger der glatte Reif

Trug peinliche Innen-Gravierung …


Rud. Presber.