Ein letztes Wort


[705]

Copyright 1895 by Franz Hanfstaengl in München.
Ein letztes Wort.
Nach dem Gemälde von M. Lautenschlager.

[708] Ein letztes Wort. (Zu dem Bilde S. 705.) Ob bittere Notwendigkeit diese kurzen Zeilen diktierte oder der eigene freie Wille des Schreibers – sie haben eine tiefe Wunde gerissen, die, am Tage unter Lächeln und Gesellschaftstreiben versteckt, nur in stiller Nacht bluten darf. Kein fremder Blick dringt dann störend in das für behagliches Ausruhen eingerichtete Gemach, wo die verwöhnte Schöne traurig und still in ihrer Diwanecke lehnt, den oft gelesenen Brief in der Hand, mit den großen schwermutsvollen Augen unverwandt vor sich hinstarrend, einen tief schmerzlichen Ausdruck auf dem schön geschnittenen Gesicht. – Die Malerin des anziehenden Bildes stellt mit Vorliebe solche reizvoll melancholische Frauengestalten dar: sie vereinigen zarte Empfindung mit vortrefflich realistischer Technik und haben auf den verschiedenen Ausstellungen verdienten Erfolg gefunden. Bn.