Erdenleben


[118]
Erdenleben.

O blühende Erdenherrlichkeit,
     Dir sei mein Herz ergeben,
Bis mich entrafft, den Sohn der Zeit,
     Dein endlos wirkendes Leben. –

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Auf deinen Wegen lernte ich

     Zu hassen und zu lieben;
In Glück und Unglück irret mich
     Kein Droben und kein Drüben.

Du giebst mir Leid und giebst mir Trost:

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     Ich habe zu allen Stunden,

Ob der Himmel geblaut, ob der Donner getost,
     Deines Waltens Segen empfunden.

Das Unvergängliche seh’ ich steh’n
     In der Dinge Wechsel und Schwanken,

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Und durch das Streben der Menschheit geh’n

     Unsterbliche, hohe Gedanken.

[119]

Du giebst mir den Trotz der männlichen That
     Und freien Sinn im Genießen;
Ich pflücke die Frucht und streue die Saat,

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     Daß auch Anderen Früchte ersprießen.


So schaffet treulich für’s Ewige fort,
     Doch umarmt noch die eilende Stunde;
Denn spurlos schwinden wir selbst, wie ein Wort
     Der Liebe aus rosigem Munde.

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Und ein Schall ist des Namens Unsterblichkeit,

     Was bleibt vom mächtigsten Schalle?
Es brausen die Fluthen der Ewigkeit, –
     Und vergessen werden wir Alle.

Versenkt ihr mich einst hinab in den Staub,

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     So frömmelt nicht über mein Streben,

Deckt schweigend das Grab mit sprossendem Laub,
     Und wandelt zurück in das Leben! –

Und die Lenze kommen, die Lenze zieh’n,
     Und die Wetter des Himmels erkrachen;

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Jahrhunderte schwinden, Jahrtausende flieh’n,

     Und die Tage der Freiheit erwachen.

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Sie senden zur dunkelsten Tiefe hinab
     Des Lichtes flammenden Segen,
Und streuen auf mein vergessenes Grab

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     Ihrer Früchte goldenen Regen.