Flüsse und Bäche

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Entwurf der neuen Kaiserstrassen-Brücke.


III. FLÜSSE[WS 1] UND BÄCHE.
1. Die Dreisam.
Von J. Rosshirt.

Die Dreisam entsteht aus der Vereinigung dreier Bäche aus dem Ibenthal, der Wagensteig und dem Höllenthal, und führt daher ihren Namen. Der letztere, der Rothbach, ist in geographischem Sinne als der eigentliche Oberlauf der Dreisam anzusehen; er fliesst nordwestlich durch das enge, streckenweise schluchtartige Höllenthal und tritt bei Kirchzarten in das weite, hier mehrere Kilometer breite, nach Westen sich öffnende Thal. Unterhalb Freiburg setzt die Dreisam den nordwestlichen Lauf in die Rheinebene fort; bei Neuershausen wendet sie sich gegen Norden und behält diese Richtung bis zur Einmündung in die Elz bei Riegel, mit welcher vereint sie den Leopoldskanal, einen künstlichen Wasserlauf zum Rhein bei Oberhausen, bildet.

Die Länge der Dreisam, im Oberlaufe dem Rothbach nach gemessen, beträgt bis Riegel 47,7 km.

Von Zuflüssen sind ausser den oben genannten Quellbächen zu erwähnen von links: der Krummbach oder Zastlerbach und der Bruggabach; von rechts: der Eschbach und die unmittelbar oberhalb der Dreisammündung einfallende Glotter.

Das Flussgebiet der Dreisam von den Quellen bis zum Kronenmühlebach in Freiburg umfasst 267 qkm, bis zur Mündung 302 qkm [110] (mit Ausschluss der Glotter). Der überwiegende Theil des Dreisamgebietes entfällt auf Gebirgsland, von dem rund 91 qkm bewaldet sind und das neben ziemlich ausgedehnten welligen Hochflächen im oberen Gebiet des Rothbaches auch einige nicht unbeträchtliche Torf- und Moorbildungen umfasst.

Während das Hauptthal der Dreisam das weiteste sämmtlicher Schwarzwaldthäler ist – bei Kirchzarten etwa 3,5 km breit – sind die Seitenthäler fast durchweg eng, vielerorts schluchtähnlich.

Die geologische Verhältnisse des Gebiets sind im Ganzen einfache, da der gesammte gebirgige Theil aus Gneis besteht, der an wenigen Stellen von einigen älteren uder jüngeren Felsarten durchsetzt ist. Der weite Thalgrund von Kirchzarten abwärts, in dem die Dreisam ihr Bett eingegraben hat, wird in unbekannter, aber zweifellos bedeutender Mächtigkeit von diluvialen Gneisgewölben gebildet, unter denen sich im oberen Thale abgerundete Stücke bis zu 1 m Durchmesser finden. Diese Geröllmassen setzen sich als fächerförmig gestalteter Schotterkegel in die Rheinthalebene fort, 5 km über Freiburg hinaus und im Ganzen 45 m abfallend.

Das natürliche Ueberschwemmungsgebiet – oberhalb Freiburg nur etwa 10 ha umfassend – dehnt sich im Unterlaufe bei einer durchschnittliche Breite von 2 km über 3799 ha aus. Die Gesammtfläche setzt sich nach den Anbauverhältnissen zusammen aus:

Wiesen 2516 ha
Ackerfeld 630 »
Wald 604 »
Ortsetter 59 »
zusammen 3809 ha.

Dabei liegen die Ortschaften Betzenhausen, Lehen, Hugstetten, Buchheim und Neuershausen zum Theil, Umkirch vollständig im Ueberschwemmungsgebiet.

Die Dreisamsohle liegt an der Gemarkungsgrenze Zarten–Ebnet (beiläufig 5,5 km oberhalb Freiburg) 333 m, bei der Mündung in die Elz 101 m über dem Meer. Das Gefälle dieser 26,75 km langen Strecke beträgt daher 232 m und im Mittel 1:115. Im Innern der Stadt Freiburg ist das Gefälle 1:100.

Die Wassermenge ist im Sommer oft so gering, dass sie wochenlang von den Bewässerungs- und Gewerbskanälen vollständig aufgenommen wird und das Flussbett trocken liegt; bei Schneeabgang und heftigen Regengüssen aber zeigt die Dreisam reissend schnelle und starke Anschwellungen. Die bedeutendste, welche bekannt ist, erreichte [111] im März 1896 in der Stadt eine Wasserhöhe von 2,4 m. Die Hochwassermenge betrug damals bei Freiburg 260 cbm in der Secunde, entsprechend einer secundlichen Abflussmenge für 1 qkm des Niederschlagsgebietes von nahezu 1 cbm.

Die Dreisam bei der Karthausbrücke im Hochwasser.

In flussbaulicher Hinsicht ist zu bemerken:

Während in früherer Zeit oberhalb Freiburg der meist tief in den Thalboden eingeschnittene Fluss trotz des starken Gefälles Beschädigungen von grossem Belang nur bei ausserordentlichen Hochwasserereignissen verursacht hat, waren die Zustände unterhalb des Austrittes der Dreisam aus dem Thal sehr schlimme und Vorkehrungen zum Schutze gegen Uferangriff und Ueberschwemmung haben sich hier als dringendes Bedürfniss fühlbar gemacht. Es wurde desshalb bereits zu Anfang dieses Jahrhunderts ein Correctionsentwurf aufgestellt und mit dessen Durchführung im Jahre 1817 der Anfang gemacht. Dem Flusse wurde hiernach von Freiburg abwärts ein ganz neuer Lauf angewiesen und dieser nach symmetrischem Doppelprofil mit beiderseitigen Hochwasserdämmen ausgebaut.

[112] Die Correctionsarbeiten fanden anfänglich mancherlei Schwierigkeiten und machten daher nur stückweise Fortschritte, so dass sie erst Ende der 40er Jahre im Wesentlichen beendet waren.

Es wurden dabei jeweils in erster Linie die neuen Ufer befestigt – fast durchweg mittelst Faschinenbau – und aus dem Aushub des Flussbettes die beiderseitigen Dämme erstellt. Ebenso wurden nach Erforderniss die Vorländer durch Faschinentraversen verstärkt. Die im neuen Flusslauf rasch eingetretenen Vertiefungen der Sohle machten schon bald eine künstliche Befestigung der letzteren nothwendig, welche durch Faschinenquerschwellen erzielt wurde.

Am Dreisamlauf oberhalb Freiburg wurden in den 50er Jahren dieses Jahrhunderts ebenfalls die nöthigsten Sicherheitsarbeiten vollzogen, nicht sowohl durch durchgreifende Correctionen, als vielmehr, unter Beibehaltung des bestehenden Flusslaufes, im Wesentlichen durch Herstellung eines regelmässigen Flussprofils und Befestigung der Ufer.

Diese Arbeiten erlitten mannigfache Störungen namentlich durch Hochwasser. Andererseits gaben die bei solchen Gelegenheiten gemachten Erfahrungen Veranlassung zu Verbesserungen und Verstärkungen, insbesondere zur Abflachung der Ufer. Auch erwiesen sich die anfänglich aus Faschinen erstellten Sohlenschwellen nicht als widerstandfähig genug, wesshalb sie durch hölzerne, auf starken eingerammten Pfählen befestigte Holme ersetzt wurden, an deren flussaufwärts gerichteter Seite eine dichte Reihe von Pfählen aus Schäleichenholz eingetrieben ist. Innerhalb der Stadt Freiburg sind sie noch weiter befestigt: flussaufwärts durch einen Pflasterstreifen und flussabwärts durch eine Abfallpritsche aus Felsstücken. Solche Schwellen sind in Abständen von je 15 m vorhanden vom Schwabenthorwehr zu Freiburg bis Hugstetten auf rund 8,5 km. Auf der Flussstrecke oberhalb Freiburg tragen zur Festlegung der Sohle eine Anzahl von Wehren für die seitliche Wasserableitung in Bewässerungs- und Gewerbekanälen bei, nämlich drei auf der Gemarkung Zarten, eines bei Ebnet und dann die Freiburger Wehre: das Beurbarungswehr, Karthäuserwehr, Dillenmühlenwehr und Schwabenthorwehr (bezw. Kronenmühlenwehr). Unterhalb Freiburg befindet sich ein Wehr zwischen Lehen und Hugstetten, sowie eine Stauschleuse bei Neuershausen zur Ueberleitung des Wassers der alten Dreisam durch das Bett des corrigirten Flusses bei Niederwasser.

Ueberbrückt ist die Dreisam bei Zarten, Ebnet, bei der Karthaus oberhalb Freiburg, in Freiburg selbst durch drei Strassenbrücken, eine Eisenbahnbrücke und einen Steg, weiter bei Betzenhausen, Lehen, Hugstetten (eine Strassen- und eine Eisenbahnbrücke), Buchheim, Neuershausen [113] (zwei Strassenbrücken), Nimburg, Bahlingen, sowie unmittelbar an der Mündung bei Riegel. Von der Gemarkungsgrenze Zarten–Ebnet abwärts gehört die Dreisam dem staatlichen Flussbauverband an und untersteht bis zur Gemarkungsgrenze Neuershausen–Eichstetten der Aufsicht der Grossh. Rheinbau-Inspection Freiburg, von dort abwärts der Grossh. Wasser- und Strassenbau-Inspection Emmendingen.

Die sehr grossen Zerstörungen und Beschädigungen durch die Hochwasserkatastophe vom 7. und 8. März 1896 gaben, neben der Wiederherstellung, Veranlassung zu umfassenden Verstärkungen und Verbesserungen am ganzen Flusslauf durch fast durchweg neue kräftige und ausgedehnte Uferpflasterungen, verstärkte Sohlenbefestigung und Erweiterung des Hochfluthprofils an hervorragend bedrohten Stellen.

Besondere Verstärkung erfuhr die Strecke innerhalb der Stadt Freiburg, wo die Böschungen und Vorländer bis auf 1,2 m über den höchsten beobachteten Wasserstand mit schweren Felsblöcken, zum Theil in Cement versetzt, abgepflastert wurden. Oberhalb des Schwabenthorwehrs ist in Verbindung mit dem Neubau der bei jener Hochwasserkatastophe eingestürzten Brücken eine Verlegung der Flussrichtung und beiderseitige Befestigung des Ufers durch hochwasserfreie Mauern vorgenommen.

Ausser der Schwabenthorbrücke werden noch die Kaiserstrassen- und die Gartenstrassenbrücke zur Erweiterung des Fluthprofils umgebaut.

Gänzlich zerstört waren ferner die Strassenbrücken bei Betzenhausen, Lehen, Hugstetten, Buchheim und Neuershausen, welche alle unter Erweiterung des Fluthprofils ohne Zwischenpfeiler wiederhergestellt sind.

Endlich haben auch die sämmtlichen mehr oder minder stark beschädigt gewesenen Wehre bei der Wiederherstellung kräftige Verstärkungen erfahren.

(Weiteres s.: »Binnenflussbau im Grossherzogthum Baden«, Beiträge zur Hydrographie des Grossherzogthums Badens, herausgegeben vom Centralbureau für Meteorologie und Hydrographie [Heft 5, Karlsruhe 1887]).

2. Der Hölderlebach.
Von M. Buhle.

Verlässt man Freiburg in südlicher Richtung durch die Kaiser- und Güntersthalstrasse, so gelangt man in ein Thal, das einerseits vom [114] Bromberg, Kybfelsen, Schauinsland, andererseits vom Gerstenhalm, Illerberg, Kreuzkopf und Josephsberg begrenzt ist.

Die Berghänge sind grösstentheil bewaldet, nur auf wenigen Stellen mit Matten und Aeckern bedeckt; in der Thalsohle liegen vorzugsweise Wässerwiesen, die sich bis an die Stadt hinanziehen, nur unterbrochen durch die inmitten des Thales gelegene Ortschaft Güntersthal.

Die an den Berghängen entspringenden Quellen vereinigen sich in der Thalsohle zu einem Bachlauf, der im oberen Theile des Thales, dem Bohrerthal, der Bohrerbach genannt wird und im unteren Thalgebiet, dem Hölderle, den Namen Hölderlebach führt. Er hat den Charakter eines Gebirgsbaches. Sein Gebiet umfasst eine Fläche von etwa 9 km Länge bei 2½ km mittlerer Breite, also rund 22 qkm. Den grössten Theil des Jahres ist seine Wassermenge nicht bedeutend. Ist der Schnee von den umgebenden Höhen abgegangen, so wird er einige Zeit durch die Quellen gut gespeist, geht aber auf ein Minimum von etwa 100–150 Litern oder weniger zurück, wenn längere Trockenheit eintritt.

Sein Wasser ist für gewöhnlich klar wie Krystall, doch schnell ändert sich das Bild, wenn starke Gewitter niedergehen, oder wenn ein Föhn den Schnee rasch zur Schmelze bringt; dann ist der reissende, braungelbe Strom wohl im Stande, Verwüstungen anzurichten.

In seinem Oberlauf folgt der Bach der Thalsohle. Jenseits Güntersthal fliesst er entlang der westlichen Thalsohle in einem wohl schon vor Jahrhunderten geschaffenen künstlichen Bett.

Eine grosse Menge von Wehren sind angebracht, um das Wasser der Landwirthschaft und der Industrie nutzbar zu machen. Umfangreiche Wiesen werden daraus gewässert, Mühlen und andere Werke von ihm getrieben; auch sind Stauweiher zum Betrieb von Schlittschuhbahnen, zur Eisgewinnung und zu anderen Zwecken angelegt.

Die Lage des Baches unterhalb Güntersthal an der Thallehne birgt eine Gefahr in sich, falls ungewöhnliche Anschwellungen des Baches eintreten. Das enge, zur Zeit sehr unregelmässige Bett kann das Wasser nicht fassen, und dieses tritt über in die Thaltiefe, wo das alte Bachbett noch theilweise erkennbar ist.

Da sich bei der Ausdehnung der Stadt die Bebauung allmählich vor die Thalmündung schiebt, so können hier bei aussergewöhnlichem Hochwasser Verwüstungen angerichtet werden, wenn nicht dem Wasser ein in jeder Beziehung genügender Weg offen gelassen oder geschaffen wird. Pläne hierfür befinden sich in Arbeit, bei denen darauf Bedacht [115] genommen ist, dass das Hochwasser des Hölderlebaches auf kurzem Wege dem nächstgelegenen grösseren Wasserlauf, der Dreisam, zugeführt wird.

Bei der Lorettostrasse tritt der Bach in die Ebene und behält noch eine kurze Strecke seinen vorwiegend nördlich gerichteten Lauf bei. In der Schwimmbadstrasse nimmt er den Silberbach auf, welcher ihm das in dem alten Hölderle-Bett angesammelte Wasser zuführt, und wendet sich dann westlich. Zunächst heisst er noch Hölderlebach, von Haslach ab Dorfbach, dann, nach seiner Vereinigung mit dem Kronenmühlebach, einem aus der Dreisam stammenden künstlichen Bachlauf, Dietenbach.

Auch im Unterlaufe des Baches befinden sich viele Wehre, um ihm das Wasser für die Wiesenwässerung zu entziehen.

Die Nützungsberechtigungen am Bache sind nicht genossenschaftlich geregelt. Jeder nützt das Wasser ohne Rücksicht auf den Nachbar aus, und nicht selten kommt es vor, dass die Wiesenbesitzer am unteren Laufe Wochen und Monate lang vergeblich nach Wasser ausschauen. Es zeigt sich desshalb auch eine gewisse Gleichgültigkeit gegen den Zustand der Wässerungseinrichtungen. Hoffentlich wird die angestrebte genossenschaftliche Regelung der Wasserbenützung auf Grund des Wassergesetzes in nahegelegener Zeit hier Abhilfe schaffen.

Nachdem die Ableitung des Hochwassers nach der Dreisam ermöglicht ist, wird der gegen Haslach ziehende Bachlauf in seinen Abmessungen eingeschränkt werden können, da er dann nur noch bestimmte, verhältnissmässig geringe Höchstwassermengen zu führen hat.

Der Dietenbach, die unterste Strecke des Hölderlebaches, verzweigt sich später und andere Quellenwasserläufe fliessen diesen Verzweigungen zu, so dass sich das Ganze in ein Netz von Wasserläufen auflöst, die in gleicher Weise wie die oberen genützt werden.

Freiburg wird jedenfalls bestrebt sein, seinen alten Ueberlieferungen gemäss, bei der Ausdehnung der Stadt auch den Hölderlebach als eine Zierde zu erhalten und auszubilden.

Stadtbäche und Gewerbekanäle.
Von M. Buhle.

Die Dreisam würde nicht so wasserarm sein, wie sie während eines grossen Theiles des Jahres thatsächlich ist, wenn ihr Wasser nicht an vielen Stellen abgeleitet und dem Gewerbe und der Landwirthschaft nutzbar gemacht würde.

[116] Schon weit oben an den Quellläufen beginnt die Ausnützung des Wassers. Die Wiesen an den Berghängen werden damit gewässert und nur ein Bruchtheil kehrt in die Wasserläufe zurück. Aus denselben werden andere Wasserläufe mit geringem Gefälle abgezweigt, und die gewonnenen Gefälle werden zum Betrieb von Sägen etc. ausgenutzt.

So geschieht es auch auf dem weiteren Laufe und in der Gemarkung Freiburg gibt es eine ganze Anzahl von Bächen, die aus der Dreisam abgeleitet sind, und nicht in sie zurückfliessen. Dies sind nördlich der Karthausbach und die mit dem allgemeinen Namen »Gewerbebach« bezeichneten Wasserläufe, von denen wieder die Stadtbäche abgezweigt sind, südlich der Dillenmühlebach und der Kronenmühlebach.

In wasserarmer Zeit scheint jeder dieser Bäche den unterhalb gelegenen allen Zufluss aus der Dreisam zu nehmen; das ist aber nicht der Fall. Die Dreisamsohle reicht bis unter die tiefsten Grundwasserstände des benachbarten Geländes hinab und von Einlaufstelle zu Einlaufstelle sammelt sich daher immer wieder etwas Wasser im Flussbette.

Wann die Stadtbäche und die Gewerbebäche entstanden sind, darüber besteht eine sichere Kunde nicht. Anzunehmen ist, dass sie schon bei der Gründung der Stadt im 12. Jahrhundert hergestellt wurden und dass auch der Gewerbebach bereits im 13. Jahrhundert vorhanden war.

Ursprünglich sind die Anlagen wohl vorwiegend im landwirthschaftlichen Interesse, zur Wässerung von Wiesen ausgeführt worden. Das gilt im Besonderen für die Stadtbäche.


1. Die Stadtbäche.

Wer als Fremder Freiburg betritt, wird angenehm überrascht durch die vielen offenen Wasserläufe, welche krystallklar in den Strassen fliessen. Wie das Bild des Münsters, pflegen auch sie als angenehme Erinnerung dauernd im Gedächtniss dessen zu haften, der einmal unsere Stadt gesehen hat. Der Freiburger aber liebt seine Stadtbäche nicht minder, wenn sie auch nicht mehr wie früher praktischen Zwecken dienen. Sie sind jetzt in der Hauptsache nur noch eine Strassenzierde.

Bei heisser Zeit benutzt man sie auch wohl, um die Strassen reichlich zu netzen; im Winter wird der Schnee in sie hineingekehrt und von ihnen abgeschwemmt.

Ursprünglich lieferten sie den Ortseinwohnern das Brauchwasser und dienten zur Wässerung der Ländereien. Die jetzt in Steinrinnen dahinfliessenden Bäche waren ehemals Wässergräben. Diesen Gräben entlang zogen sich die Feldwege.

[117] Mit Ausdehnung der Besiedelung jedoch wurden die Feldwege zu Ortsstrassen und statt der bisherigen Gräben stellte man nun in der Strassenmitte gepflasterte Rinnen her. Der frühere Wässerungsgraben diente jetzt dazu, allerlei Unrath, Schmutzwasser und Kehricht aus der Ortschaft zu entfernen.

Bei dem wachsenden Verkehr wurden die Bachläufe in der bisherigen Gestalt als ein Hinderniss empfunden. In der 2. Hälfte dieses Jahrhunderts hat man sie in Steinrinnen gefasst, um den von ihnen in Anspruch genommenen Raum einzuschränken, und so durchfliessen sie noch heute die Stadt.

Leider führte das Verkehrsbedürfniss dazu, eine Reihe von Stadtbächen ganz zuzudecken oder gar zu entfernen, doch sind im letzten Jahrzehnt manche wieder offengelegt worden. Einzelne sind mit durchbrochenen Eisenplatten bedeckt worden, um sie sichtbar zu erhalten und trotzdem Raum für den Verkehr zu gewinnen.

Der Zweck ist dadurch jedoch nur unvollkommen erreicht. Man sieht nur wenig von dem Wasser, und die Platten sind unbequem zu begehen, besonders bei Glätte im Winter.

Bei allen Strassenregulirungen, auch bei Anlage von neuen Gehwegen in der Altstadt, wird äusserste Rücksicht auf die Erhaltung der Stadtbäche genommen, ja das Bestreben der Stadtverwaltung geht dahin, das Bachnetz auszudehnen, und es werden seit einiger Zeit besondere Mittel dafür durch alljährliche Ratenbewilligung gesammelt.

Einiges ist in dieser Beziehung schon geschehen.

So wurde bei der Regulirung der Stadtstrasse in Herdern ein allerdings bescheidenes Stadtbächlein angelegt, welches durch den aus dem Immenthal kommenden Quellwasserlauf gespeist wird. Früher wurde dieser zum Wässern der Weiherhofmatten benützt, welche jedoch nunmehr als künftiges Baugelände anzusehen sind.

Bei Herstellung der unteren Tivolistrasse ist das Stadtbächlein der Stadtstrasse in diese eingeleitet, fliesst um das Halbrund an der Jacobistrasse und wird später von da bis zum Herderner Dorfbach in der Hauptstrasse geleitet werden.

Von grösserer Ausdehnung ist der an der Thennenbacherstrasse hergestellte Bachlauf, der ein Wasserquantum von etwa 125 Secundenliter zu führen pflegt. Früher ausschliesslich Wassergraben, verliert er diese Bedeutung durch die Ausdehnung des Baugebiets; zunächst ist er nur auf der Strecke zwischen der Sautier- und Hebelstrasse in Steinkanälen gefasst. Dort verschwindet er im Boden, da die Thennenbacherstrasse hier unter der Eisenbahn hindurch geführt werden musste. Auf [118] der anderen Seite, an der Kreuzung der Thennenbacher- und Beurbarungsstrasse kommt er nach Durchfliessen eines Rohrdückers in Form eines Springquells wieder zum Vorschein, der sich in ein Becken inmitten von Anlagen ergiesst. Das abfliessende Wasser wird, soweit es nicht zur Wässerung dient und Verwendung zum Schmuck des Friedhofes findet, neben der Thennenbacherstrasse, der Friedhofstrasse und dem Rennweg grösstentheils in offenen Gräben bis in den Wasserlauf am Mooswald geleitet.

Beabsichtigt ist ferner, dasjenige Wasser, welches zur Zeit aus dem Stadtbach in der Kasernenstrasse in die Kanalisation fliesst, und früher zum Wässern von Wiesen in der Gegend der Albertstrasse gedient hat, um die Kaserne am Karlsplatz herum, und durch die Friedrichstrasse bis in den Gewerbebach an der Bismarckstrasse zu führen.

Nach einem anderen Plane sollen die Wallstrasse, der südliche Theil der Kaiserstrasse und die Schreiberstrasse mit einem kleinen Stadtbach versehen werden.

Abgesehen von den Wasserläufen in der Stadt- und Thennenbacherstrasse und von denen, die noch geplant sind, liegen alle Stadtbäche in dem Theile der Stadt, der früher von Festungswerken umschlossen war, im Stadtkern.

Die etwa 200 Liter, welche diese Bäche speisen, werden oberhalb der Stadt bei der Fabrik von Karl Mez & Söhne an der Karthäuserstrasse aus dem Gewerbebach entnommen, fliessen etwa 400 m weit durch einen Tunnel im Schlossberg bis in die Nähe des Schwabenthores; hier tritt das Wasser wieder zu Tage, und vertheilt sich weiterhin in eine grosse Zahl kleinerer Bäche, die schliesslich dort, wo früher die westliche Umwallung der Stadt lag, bei der Rotteckstrasse und am Rottecksplatz in den Gewerbebach wieder einmünden, mit Ausnahme einer kleinen Wassermenge, welche bei der Kasernenstrasse in die Kanalisation fliesst.

Hoffen wir, dass auch künftige Geschlechter in gleicher Weise bestrebt sein werden, der Stadt Freiburg den schönen Schmuck, welchen sie in den Stadtbächen besitzt und der als ein Wahrzeichen der Stadt angesehen werden kann, zu erhalten, selbst wenn daraus für den Verkehr kleine Unbequemlichkeiten erwachsen sollten!


2. Die Gewerbekanäle.

Die Gewerbebäche dienen, wie gesagt, der Industrie und der Landwirthschaft.

[119] Für die Industrie ist das Gefälle zur Anlage von Triebwerken ausgenützt und die Landwirthschaft zieht ihren Nutzen aus den Bächen durch Wässerung sehr umfangreicher Wiesengelände.

Die Rechte und Pflichten der Interessenten an diesen Gewerbebächen, den Runzen (d. h. »Rinnen«, »Rinnsalen«) sind durch die Ordnungen der Runzgenossenschaften zum grössten Theile geregelt. Jede Runzgenossenschaft hat als Vorstand einen von ihren Mitgliedern erwählten Runzmeister.

Wann und von wem die Gewerbebäche hergestellt sind, darüber bedarf es noch geschichtlicher Untersuchungen. Im Allgemeinen spricht die Stadt das Besitzrecht an den Bachläufen an, jedoch ist es ihr nicht allerseits frei zugestanden. Jedenfalls darf nur mit Zustimmung der Stadtgemeinde an die Bäche und über sie gebaut werden.

Man ist übrigens bestrebt, auch diese Bachläufe möglichst offen zu halten.

Die Stadtgemeinde bestimmt die Zeit der Bachabschläge, die alle Jahr einmal für kurze Zeit stattfinden, damit die Pflichtigen die Räumung des Bachbettes von allerlei Unrath, die Erneuerung oder Ausbesserung der Trieb- und Uferwerke vornehmen können.

Der Stadtgemeinde gehören die Schlüssel zu den Einlaufstellfallen desjenigen Gewerbebaches, der einfach den Namen »Gewerbebach« führt. Ein von ihr dazu erwählter Runzgenosse ist Schlüsselbewahrer und hat durch sein Personal entsprechend den Weisungen der Stadtgemeinde, den Einfluss in den Bach zu regeln.

In früherer Zeit wurde auch die Runzordnung für den Gewerbebach von der Stadtgemeinde erlassen, wovon die älteste bekannte Runzordnung vom Jahre 1544 Zeugniss gibt; der von den Runzgenossen gewählte Runzmeister hatte dem Rathe ordnungsgemässe Handhabung der Runzordnung zu geloben. Der Einfluss der Stadtgemeinde auf Runzen war also früher jedenfalls umfangreicher als er jetzt ist.


Der Karthausbach.

An der Gemarkungsgrenze von Freiburg gegen Ebnet liegt in der Dreisam das Beurbarungswehr. Durch dieses wird links Wasser auf die anstossenden Wiesen der städtischen Beurbarung geleitet, rechts, also nördlich, wird der Karthausbach gespeist.

Der Karthausbach führt seinen Namen von dem früheren Karthäuserkloster, zu dem eine Säge und eine Mahlmühle gehörten, die durch den Bach getrieben wurden; heute ist die Karthause nebst Zubehör, nachdem [120] sie mehrfach die Besitzer gewechselt hat, in den Händen der städtischen Heiliggeistspital-Stiftung.

Gleich Anfangs trennt der Karthausbach sich in zwei Arme, von denen der eine die abwärts vom Wehr zwischen Dreisam und Karthäuserstrasse belegenen Wiesen der Beurbarung bis zur Karthäuserbrücke wässert, während der andere Arm sein Wasser den Triebwerken der Karthause zuführt.

Heute werden die im Karthausbach eingerichteten Gefälle nicht ausgenützt, da die Säge, als nicht mehr lohnend, abgerissen wurde und die Mühle abgebrannt ist. Ueber die Verwendung der Wasserkräfte für einen anderen Zweck ist Bestimmtes noch nicht beschlossen.

Die Wassermengen, welche der Karthausbach führt, sind, wie bei den anderen Gewerbebächen, recht schwankende, je nachdem eben die Dreisam reichlich oder wenig Wasser hat. Bei genügendem Wasserstande in der Dreisam wird der Karthausbach etwa 1½ cbm Wasser führen.

Der Karthausbach, welcher sich hauptsächlich neben der Karthäuserstrasse hinzieht, hat bei 1200 m Länge etwa 12 m Gefälle, von dem nur etwa 3 m für die vorerwähnten Triebwerke bei der Karthause ausgenützt waren.

Dicht oberhalb der Karthäuserbrücke kann der Bach durch seinen Leerlauf in die Dreisam zurückgeführt werden. Gewöhnlich fliesst er aber bei der Karthäuserbrücke in den Bachlauf, welcher einfach »Gewerbebach« benannt ist, weil er für die frühere Stadt Freiburg, die nicht die jetzige Ausdehnung hatte, der einzige Gewerbebach war.


b) Der Gewerbebach.

Der Gewerbebach beginnt bei der Karthäuserbrücke, oberhalb welcher in die Dreisam eine Stauschwelle eingelegt ist.

Er ist der bedeutendste von allen Gewerbekanälen Freiburgs.

An seinem Ursprung nimmt er das Wasser des Karthausbaches in sich auf. Nach kurzem Lauf durch einen Tunnel fliesst er neben der Karthäuserstrasse, kreuzt kurz oberhalb der Fabrik von Mez Vater & Söhne unter dem Heinrichs-Brückchen die Strasse, fliesst dann am Fusse des Schlossberges bis zum Schwabenthorplatz, und gibt unterwegs bei der Fabrik von Carl Mez & Söhne Wasser für die Stadtbäche ab. Am Schwabenthorplatz durch ein Gewölbe verdeckt, tritt er an der Gerberau wieder zu Tage und nimmt seinen Lauf, theilweise über- und eingebaut, zwischen dieser Strasse einerseits, der Insel und der Fischerau andererseits bis zur Kaiserstrasse.

[121] Hier theilt er sich in zwei gleich starke Arme. Der nördliche Arm folgt der Nordseite der Schlachthausstrasse, kreuzt die Belfortstrasse, tritt neben der Löwenstrasse wieder zu Tage, kreuzt diese und fliesst in einem Gewölbe parallel zur Werder- und Rotteckstrasse, und unter dem Rottecksplatz hindurch, nimmt dann seinen Lauf, theils offen, theils gedeckt, durch die Baublöcke zwischen Rosa- und Friedrichstrasse bis zur Bismarckstrasse, wo er überwölbt im Gehweg liegt und fliesst dann offen, die Baublöcke durchschneidend, bis an die Südostecke des Landesgefängnisses, Ecke der Johanniter- und Sautierstrasse, von wo ab er die Grundstücke der Zähringerstrasse an ihrer Rückseite begrenzt. An der Kreuzung der Zähringerstrasse mit der Eisenbahn verlässt er das Weichbild der Stadt und dient auf der Freiburger Gemarkung nur noch Wässerungszwecken. Sein Hauptlauf geht von dort am Rossgässle und Mooswald entlang gegen Vörstetten und weiter, wo wiederum die Ausnützung zu Wasserkräften erfolgt.

Der südliche Arm des Gewerbebaches folgt von der Kaiserstrasse der Nordseite der Blumenstrasse, nimmt seinen Lauf unter dem Alleegarten hindurch bis zur Fabrik von Philipp Anton Fauler und kommt an der Faulerstrasse wieder zum Vorschein. Er durchquert dann den Bahnhof und ergiesst sich jenseits desselben neben der Gasfabrik in die Dreisam, wenn das Wasser nicht in den Wiesen unterhalb des Stadttheils Stühlinger bis gegen Betzenhausen zur Wässerung benutzt wird, was allerdings während des grösseren Theiles des Jahres geschieht. In der Fauler’schen Fabrik nimmt dieser Bachlauf einen Quellwasserlauf auf, der bei dem Baublock zwischen Schwabenthorstrasse, Wall-, Dreisam- und Marienstrasse entspringt.

Das Gefälle des Gewerbebaches von der Karthausbrücke ab, sowie seiner beiden Arme bis zur Eisenbahn bei der Zähringer- und bei der Faulerstrasse ist fast vollkommen zur Gewinnung von Wasserkräften ausgenützt.

Das Gefälle von der Einlaufschwelle bei der Karthausbrücke bis zur Zähringerstrasse bei der Eisenbahn beträgt auf ungefähr 5200 m Länge etwa 38 m, dasjenige von der Einlaufschwelle bis zum Bahnhof bei der Faulerstrasse auf ungefähr 3200 m Länge etwa 29 m. Der Gewerbebach führt, wenn er seine volle Wassermenge hat, etwa 2500 Liter; bei sehr trockener Zeit sinkt er aber gelegentlich bis auf etwa 1000 Liter herab.

26 industrielle Unternehmungen der verschiedensten Art, Papier- und Seidenfabriken, Spinnereien, Mühlen etc., erhalten durch ihn einen Theil ihrer Betriebskraft; bei den meisten muss eine Ergänzung durch Dampfkraft stattfinden.

[122] Der nördliche Bacharm gibt zeitweise für die Wiesen zwischen Lehener- und Hugstetterstrasse und zwischen Hugstetterstrasse und Friedhof an der Friedrich- und Albertstrasse Wasser ab. Am Rottecksplatz nimmt er die Stadtbäche wieder an sich auf; bei der Johanniterstrasse hinter der Kuenzer’schen Cichorienfabrik wird der Stadtbach abgezweigt, der durch die Thennenbacherstrasse gegen den Friedhof und von da gegen den Mooswald fliesst, und in seinem unteren Lauf zeitweise wieder die benachbarten Wiesen wässert.

Grosse Wiesengebiete, auf der Gemarkung Freiburg allein gegen 300 Hectar, erhalten von dem Hauptbach am Rossgässle ihr Wasser.

Die Werkbesitzer, welche am Gewerbebach und seinen beiden Abzweigungen betheiligt sind, bilden die Runzgenossenschaft der Werkbesitzer. Die Wiesenbesitzer, welche ihr Wasser aus dem nördlichen Bacharm erhalten, bilden die untere Runz, jene, denen das Wasser des südlichen Bacharms zufliesst, die obere Runz der Wiesenbesitzer.


c. Der Dillenmühlebach.

700 m unterhalb der Stauschwelle des Gewerbebaches in der Dreisam liegt das Dillenmühlewehr, durch welches das Wasser des Dillenmühlebaches abgezweigt wird. Er fliesst südlich der Dreisam zwischen dieser und der Schwarzwaldstrasse bis zur Schwabenthorbrücke. Das Gefälle, welches im Gesammten etwa 10 m auf 1100 m Länge beträgt, wird von vier Fabrikbetrieben genutzt, das Wasser theilweise auch zu Wässerungszwecken verwendet. Eine Runzgenossenschaft vereinigt die Betheiligten.

Der Dillenmühlebach führt höchstenfalls 500 Liter Wasser, vielfach erheblich weniger. Er ergiesst sich bei der Schwabenthorbrücke in den Kronenmühlebach.


d. Der Kronenmühlebach.

Der Kronenmühlebach erhält, wie oben gesagt, bei der Schwabenthorbrücke das Wasser des Dillenmühlebaches und zu diesem Wasser aus der Dreisam, welches mit Hilfe einer dicht oberhalb der Brücke eingelegten Schwelle abgeleitet wird. Er durchfliesst die zunächst der Dreisam gelegenen Baublöcke des Stadttheils Wiehre, geht unter den Bahn her und nimmt seinen weiteren Lauf durch den Vorort Haslach, wo er, mit dem Hölderlebach zum Dietenbach vereint, die Gemarkung Freiburg verlässt.

Auch dieser Bachlauf, der auf ungefähr 3500 m Länge bis zum Dietenbach 31 m Gefälle hat, wird an 13 Stellen zu Wasserkräften für die verschiedenartigsten Unternehmungen ausgenützt und wässert [123] ausserdem zwischen Dreisam und Hölderlebach ungefähr 75 Hectar Wiesen.

Die Wasserführung des Kronenmühlenbaches schwankt zwischen 1000 und 400 Liter.

Werk- und Wiesenbesitzer sind in der Kronenmühle-Runzgenossenschaft vereinigt.

So ziehen grosse Bevölkerungskreise erheblichen Nutzen aus diesen Wasserläufen und ihrer lebendigen Kraft. Ein solcher Gedanke aber vermag das Bedauern darüber zu lindern, dass die Dreisam vielfach im Jahre so ausserordentlich wasserarm ist.

Die Interessen der Stadtgemeinde und der Runzen decken sich in manchen Punkten nicht, und da überdies die Rechtsverhältnisse nicht klar abgegrenzt sind, so fehlt es gelegentlich nicht an Streitigkeiten. Auch in den Runzen selbst, zumal soweit sie aus Werk- und Wiesenbesitzern zugleich bestehen, sind die Interessen der verschiedenen Gruppen oft einander widersprechend. Mehrere Runzgenossenschaften wollen desshalb sich zu wassergesetzlichen Genossenschaften umgestalten und ihre Rechtsverhältnisse ordnen.

Bis jetzt waren die Runzen Vereinigungen, denen die Eigenschaft einer juristischen Person abging, wesshalb es für sie sehr umständlich, ja fast unmöglich war, genossenschaftliche Klagen durchzuführen.

Mit der Umbildung in wassergesetzliche Genossenschaften werden sie nun zwar juristische Personen, büssen aber andererseits – wenigstens scheinbar – von ihrer Selbstständigkeit ein, da im Falle von Uneinigkeiten über Genossenschaftsstatut, Wasserbenützungsordnung und Anderes die Staatsbehörde entscheiden kann, falls eine Einigung nicht erzielt wird.

In Wirklichkeit wird dieser gesetzliche Zwang, den der unparteiische Dritte, die Staatsbehörde, ausübt, zur Wohlthat, die das Gedeihen der Runzen fördert.



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: FLUSSE