Gebet (Christian Morgenstern)


[55] Gib mir den Anblick deines Seins, o Welt…
Den Sinnenschein laß langsam mich durchdringen…
So wie ein Haus sich nach und nach erhellt,
bis es des Tages Strahlen ganz durchschwingen –
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und so wie wenn dies Haus dem Himmelsglanz
noch Dach und Wand zum Opfer könnte bringen –
daß es zuletzt, von goldner Fülle ganz
durchströmt, als wie ein Geisterbauwerk stände,
gleich einer geistdurchleuchteten Monstranz:
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So möchte auch die Starrheit meiner Wände
sich lösen, daß dein volles Sein in mein,
mein volles Sein in dein Sein Einlaß fände –
und so sich rein vereinte Sein mit Sein.