Geschichtlicher Ueberblick

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Schmiedeisernes Oberlicht vom Hause No. 14. der Löwenstrasse.


II. GESCHICHTLICHER UEBERBLICK.
Von J. B. Fischer.

Freiburg, die Hauptstadt des Breisgau’s, zugleich die mit allen Reizen einer herrlichen Umgebung geschmückte Eingangspforte des Schwarzwalds, ist eine Schöpfung des Zähringer Fürstenhauses, und sie ist stolz darauf, dies zu sein. Das erste Jahrhundert ihrer altehrwürdigen wechselvollen Geschichte ist zugleich eine Geschichte der Herzöge von Zähringen. Da ist es wohl angezeigt, wenn wir dem Leser mit ein paar kurzen Zügen jene uns so sympathisch anmuthenden mannhaften Reckengestalten vor das Auge führen, als welche die Zähringer sich von dem Augenblicke an uns zeigen, in welchem sie aus dem Bereiche der Sage in das klare Licht urkundlich verbürgter Geschichte eintreten.

In den Zähringern haben wir zunächst dasjenige Fürstengeschlecht vor uns, dem in Bezug auf Alter und frühzeitige Macht und Bedeutung unter allen zur Zeit in Europa herrschenden Fürstenhäusern der Vortritt gebührt. Ursprünglich waren die Zähringer Grafen. In ihrer Hand vereinigte sich ein ausgedehnter Besitz in Schwaben sowohl als in der Schweiz, und ebenso eine Anzahl von höhern Reichsämtern. Der erste unter ihnen, der zur Herzogswürde gelangte, war Berthold I., der Bärtige. Heinrich III. hatte ihm die Belehnung mit dem Herzogthum Schwaben in Aussicht gestellt. Der Kaiser starb jedoch, bevor er seine Zusage erfüllen konnte. Seine Wittwe aber, die Kaiserin Agnes, betraute anstatt Berthold’s ihren Günstling und Schwiegersohn, den [024] Grafen Rudolf von Rheinfelden mit der schwäbischen Herzogswürde. Als Entschädigung wurde Berthold 1061 das Herzogthum Kärnthen zugesagt. Kärnthen befand sich aber damals in den Händen eines Usurpators, aus dem Eppensteiner Geschlechte und Berthold war nicht mächtig genug, diesem gegenüber seine Ansprüche mit dem Schwerte geltend zu machen. Doch nahm er von da ab den Titel „Herzog“ an, und verlieh gleichzeitig seinem Sohne Hermann die Markgrafschaft Verona, die zu Kärnthen gehörte. Damit begann die Scheidung des Zähringischen Hauses in eine herzogliche und eine markgräfliche Linie. Hermann wurde der Stifter des heute noch regierenden zähringisch-badischen Zweiges. In dem unheilvollen Streite zwischen Heinrich IV. und Rudolf von Schwaben stand Berthold I. auf Seite des Letztern und wurde desswegen auf dem Tage von Ulm 1077 seiner herzoglichen Würde und sonstigen Aemter verlustig erklärt. Er starb im November 1078 auf der Limburg bei Weilheim. Seine Angehörigen verbrachten den Leichnam nach dem Kloster Hirsau, woselbst er seine letzte Ruhestätte fand. Ein zeitgenössischer Nachruf rühmt von ihm alle jene Tugenden: christliche Frömmigkeit, ehrenvolle Lebensführung, weises Berathen, Uneigennützigkeit und Mannestreue, die heute noch das characteristische Merkmal des zähringischen Stammes sind. Auf ihn folgte sein Sohn Berthold II. Gleich seinem Vater war auch er ein hervorragender Führer der gregorianischen Partei. Als solcher wurde er sofort in einen schweren Kampf gegen den kaiserlich gesinnten streitbaren Abt Ulrich III. von St. Gallen verwickelt. Vor Veitheim stiessen 1079 die beiden starken Heerhaufen zusammen. Der ungemein blutige Kampf schwankte hin und her. Da erhielten die St. Gallischen unerwartet Hilfe. Die Gregorianer mussten weichen und erlitten, da sie zähen Widerstand leisteten, schwere Verluste. Aber Berthold II. verzagte nicht; er wusste seinen St. Gallischen Gegner an einer andern, sehr verwundbaren Stelle zu treffen. Unverzüglich führte er sein Heer über den Schwarzwald in den Breisgau. Auf diesem Zuge zerstörte er zunächst die an der Wagensteige gelegene Burg Wiesneck, welche in gegnerischer d. h. kaiserlich gesinnter Hand war und gleichsam ein Sperrfort bildete. Sodann bewerkstelligte er ungehindert seinen Einmarsch in die Rheinebene (1091), vor sich her nach damaliger Kriegsweise Alles verwüstend, was seinen Feinden, den Anhängern Heinrich’s IV., gehörte. Zugleich legte er seine Hand auf die im Breisgau gelegenen reichen St. Gallischen Güter und machte sich deren Erträgnissen zu Nutzen. Ebenso bemächtigte er sich auch des breisgauischen Grafenamtes wieder, das ihm vom Kaiser entzogen und dem Bischof Werner von Strassburg übertragen [025] war. Etwa von dieser Zeit an nannte sich Berthold II., der bis dahin den einfachen Titel „Herzog“ geführt, „Herzog von Zähringen“. Warum er bei seinem ausgedehnten Besitze an bedeutenden Edelgütern gerade den Namen der kleinen Burg Zähringen zur Bezeichnung seines Stammes wählte, wissen wir nicht. Seinen Wohnsitz konnte er keines Falls dort haben, denn der ganze Bau war für einen herzoglichen Hofhalt viel zu klein und ausserdem von einem Ministerialen bewohnt, der sich ebenfalls „von Zähringen“ benannte. Inzwischen dauerte der Krieg zwischen den beiden grossen Parteien, den Anhängern Heinrich’s IV. und jenen Gregor’s VII., unvermindert fort. Der Gegenkönig Rudolf von Schwaben war 1080 in der Schlacht bei Mölsen gefallen. An seine Stelle trat Hermann der Luxemburger. Zum Herzog von Schwaben wurde von den Gegnern des Kaisers nunmehr Berthold II. gewählt (1092). Doch endlich, nachdem man allseits des Krieges und der Verwüstung müde war, kam 1096 der Friede zu Stande. Herzog Berthold II. verzichtete auf das Herzogthum Schwaben, dagegen wurde ihm die herzogliche Würde über die Gebiete seines Hausbesitzes (Breisgau, Schwarzwald, Teck etc.) und ausserdem die Reichsvogtei über Zürich zuerkannt. Die Sage, dass Berthold es war, der um diese Zeit das Schloss auf dem Schlossberg zu bauen begann, ist nicht stichhaltig. Die unanfechtbaren Geschichtsquellen schweigen darüber gänzlich. Dagegen ist er unzweifelhaft der Erbauer des Klosters St. Peter auf dem Schwarzwald. Es wurde 1093 von Berthold’s Bruder, dem Bischof Gebhard von Konstanz, eingeweiht und diente fortan den Zähringern als Familienbegräbnissstätte. Berthold II. starb im Jahre 1111. Ihm folgte in der herzoglichen Würde sein Sohn Berthold III. Er war ein treuer Anhänger Kaiser Heinrich’s V. und begleitete denselben nicht nur zur Kaiserkrönung nach Italien, sondern stand auch 1114 in dem Feldzuge gegen die neuerdings aufrührerische Stadt Köln auf Seite des Kaisers. Bei diesem letztern Anlass gerieth er in die Gefangenschaft Dietrich’s von Are. Von langer Dauer scheint seine Haft nicht gewesen zu sein, denn schon im Jahre 1116 sehen wir ihn wieder frei an der Seite Friedrich’s von Schwaben. Aber dieser wenn auch unfreiwillige Aufenthalt in Köln gab ihm Gelegenheit, sich von der Tüchtigkeit, dem Reichthum und der Widerstandskraft eines städtischen Gemeinwesens zu überzeugen und es ist wohl anzunehmen, dass die Schilderungen, die er seinem Bruder Konrad hievon gab, diesen veranlassten, seinerseits ebenfalls zu einer Städtegründung zu schreiten. Auf diese Weise ward Konrad 1120 der Gründer Freiburgs. Berthold III. überlebte dieses Ereigniss nicht lange. Im Winter 1122 auf 1123 zog er dem Grafen [026] Hugo von Dachsburg gegen die aufrührerische Stadt Molsheim im Elsass zu Hilfe. Hiebei gerieth er in Gefangenschaft und wurde unter Zustimmung des Bischofs Kuno von Strassburg (wie es scheint meuchlings) um’s Leben gebracht. Seinen Leichnam brachte man in einem ausgehöhlten Baumstamm (Todtenbaum) nach St. Peter. Er hinterliess keine Nachkommen und so fiel das Herzogthum seinem jüngeren Bruder Konrad zu.

Die Burg Zähringen um 1500.

Schon vor Berthold’s III. Tode gründete Konrad, wie wir soeben gehört, die Stadt Freiburg, und zwar, wie die Stiftungsurkunde sagt, auf eigenem Grund und Boden. Diese Gründungsurkunde ist uns in ihrem vollen Wortlaute erhalten. Sie bezeichnet sich als eine Nachbildung des kölnischen Rechtes, das heisst, des allgemeinen deutschen Kaufmannsrechtes. So trug denn auch die neue Gründung vorwiegend den Character eines Marktes oder einer Handelsstadt (forum constitui). Den zuziehenden Kaufleuten und sonstigen Bürgern gewährleistete die Urkunde alle Freiheiten, deren sich die Kölner Bürger erfreuten. Eine dem jungen Gemeinwesen günstige Fügung war es, dass die Regierungszeit Konrad’s drei Jahrzehnte andauerte. So konnte sich Freiburg unter der weisen Obhut seines Gründers zu hoher Blüthe entwickeln. Inzwischen wurde Herzog Konrad 1127 von Kaiser Lothar zum Rector von Burgund ernannt, wie überhaupt unter ihm das Zähringische Haus zu seiner höchsten Macht gelangte. In der ersten Hälfte des Jahres 1146, und wie es scheint zu einer Zeit, als Herzog Konrad in Burgund weilte, fiel aus noch nicht ganz aufgeklärtem Anlass Herzog Friedrich von Schwaben, der spätere Barbarossa, in das Zähringische Gebiet ein, nahm mit Blitzesschnelle Zürich und drang dann, ohne Widerstand zu finden, nördlich bis Zähringen vor. Ein etwas dunkel gehaltener [027] Bericht Otto’s von Freising, des Geschichtsschreibers jener Zeit, erzählt uns, Friedrich habe bei dieser Gelegenheit nicht nur die Burg Zähringen, sondern auch ein auf hohem Felsen gelegenes, für uneinnehmbar gehaltenes Schloss, dessen Name aber nicht genannt wird, mit Hilfe seiner Verbündeten eingeschlossen und erobert. Daraus wollen manche herauslesen, dass dies die herzogliche Burg auf dem Schlossberg gewesen sei. Sie müsste demnach zu dieser Zeit schon erbaut gewesen sein, wovon uns indessen keine Urkunde irgend eine Silbe meldet. Dem Zwiste zwischen Konrad und dem Hohenstaufen Friedrich folgte indessen die Aussöhnung auf dem Fusse. In die zweite Hälfte desselben Jahres fällt ebenfalls ein wichtiges geschichtliches Ereigniss. Der hl. Bernhard von Clairvaux kam in den ersten Decembertagen 1146 hierher und predigte den Kreuzzug. Ausdrücklich sagt der betreffende Reisebericht, dass der Heilige die Messe in dem Oratorium, also in einem Betsaal oder Kirchlein gelesen habe. Eine Pfarrkirche oder gar ein Münster gab es also damals noch nicht[1]. Ende 1147 freite Heinrich der Löwe um Konrad’s einzige Tochter Clementia. Sie erhielt als Heirathsgut das Schloss zu Badenweiler nebst 100 Dienstleuten und 500 Mansen. Im December 1151 begleitete Herzog Konrad den König Konrad III. zu einem Fürstentage nach Konstanz. Dort starb er inmitten der Versammlung am 8. Januar 1152. Mit ihm schied ein Mann von ebenso grosser Weisheit als Thatkraft aus dem Leben. Um den Dahingeschiedenen zu ehren, zog der König sofort mit glänzendem Gefolge, darunter auch Friedrich von Schwaben, über Freiburg nach dem winterlichen St. Peter, woselbst die Leiche der herzoglichen Gruft übergeben wurde. Konrad hinterliess fünf Söhne und jene mit Heinrich dem Löwen seit 1147 vermählte Tochter. Während seiner dreissigjährigen Regierung war das Zähringische Haus zu seinem höchsten Ansehen gekommen. Durch die Gründung der Stadt Freiburg aber, deren Gedeihen er in väterlichem Geiste förderte und deren Aufblühen ihm noch bei Lebzeiten zu schauen vergönnt gewesen, hat er sich ein unvergängliches Denkmal geschaffen, das seinen Namen auch fernerhin der Nachwelt von Geschlecht zu Geschlecht überliefern wird.

Konrad’s ältester Sohn, Berthold IV., folgte dem Vater in seinen Würden und Aemtern. Gleich in die ersten Tage seiner Regierung fällt der Tod König Konrad’s III. Derselbe starb am 15. Februar 1152 zu Bamberg. Die Fürstenversammlung zu Frankfurt a. M. wählte hierauf am 5. März einstimmig den jugendlichen Friedrich I. von Hohenstaufen [028] zum Oberhaupte des Reiches. Bei ihm stand Berthold IV. in besonderer Gunst. Er machte an der Seite des hochstrebenden Kaisers mehrere Romfahrten mit, und half den Frieden mit dem Lombardenbunde einleiten und abschliessen, wohingegen Friedrich ihm kräftigsten Beistand gegen die widerstrebenden burgundischen Grossen zusagte. Zur besseren Sicherung seines burgundischen Besitzes erbaute nun Berthold, als Städtegründer seinem Vater nachahmend, im Uechtlande ein zweites Freiburg und verlieh diesem die Rechte des breisgauischen. Eine weitere Gründung Berthold’s sehen wir in der Stadt Neuenburg am Rhein. Vorwiegend aber scheint er für den Ausbau unseres breisgauischen Freiburg thätig gewesen zu sein. Seine lange Regierungszeit (1152–1186) war eine im Ganzen friedliche und es hat viele Wahrscheinlichkeit für sich, wenn angenommen wird, dass in dieser den Werken des Friedens besonders günstigen Periode mit dem Bau des romanischen Münsters begonnen worden sei. Berthold IV. starb den 8. December 1186 und wurde zu St. Peter beigesetzt. Er hinterliess zwei Töchter, deren eine mit Egeno dem Bärtigen von Urach vermählt war und einen Sohn, der als Berthold V. sein Nachfolger ward.

Berthold V. wurde, wie sein Vater und Grossvater, gleich bei Beginn seiner Regierung mit den burgundischen Grossen in schwere Kämpfe verwickelt. Sie hassten in ihm den Fremdling und nicht minder den sparsamen, strengen und entschlossenen Krieger. Mit eiserner Faust schlug er 1189–1190 ihren Aufstand nieder, und die stolze Inschrift, die er mit dem Rechte des Siegers an dem Thore seiner Residenz zu Burgdorf anbringen liess: „Bertholdus dux Zaringiae, qui vicit Burgundiones, fecit hanc portam“ verkündete deutlich genug, dass er ganz der Mann sei, den Rebellen gegenüber sich Gehorsam zu verschaffen. Zur besseren Sicherung seiner Herrschaft errichtete er nicht nur die Zwingburgen Burgdorf, Minden (Moudon), Ifferten, Morges etc., er schritt vielmehr zur Gründung seines Hauptwerkes, indem er auf der Halbinsel der Aar, bei der Burg Niedeck 1191 eine stark befestigte Stadt entstehen liess – die heutige schweizerische Bundeshauptstadt Bern.

Seines burgundischen Reiches war er nun versichert, dagegen drohte ihm eine andere Verwicklung. Kaiser Heinrich VI. war am 28. September 1197 in Messina gestorben. Dessen Bruder Philipp eilte nun alsbald aus Italien herbei, um seinem noch im Kindesalter stehenden Neffen Friedrich die diesem zugesagte Thronfolge zu sichern. Aber auf Drängen der Fürsten nahm, wenn auch widerstrebend, Philipp selbst die Königskrone an. Papst Innozenz III. wollte jedoch nur einen König [029] seiner Wahl auf dem deutschen Throne dulden. Auf seine Anordnung beriefen dann die Erzbischöfe von Köln und Trier zum 1. März 1198 eine Versammlung der päpstlich gesinnten Partei nach Andernach, bei welcher auch Herzog Berthold V. erschien. Hier einigte man sich dahin, Berthold zum Reichsoberhaupte zu erwählen. Nach langer entschiedener Abwehr sagte er endlich zu, und musste dabei versprechen, nicht nur gegen die Hohenstaufen ein Heer auszurüsten, sondern auch den beiden Bischöfen dafür, dass sie ihm ihre Stimme gaben, die bedeutende Summe von 1700 Mark Silber zu bezahlen. Berthold leistete zwar hierfür Bürgschaft in den Personen seiner beiden Neffen; als er jedoch dem Banne dieses hohenstaufenfeindlichen Kreises entronnen war, und als er einsah, dass mit seiner Wahl ein Bürgerkrieg unvermeidlich sei, verzichtete er nach kurzem Bedenken auf die Wahl. „Aus Geiz“ behaupteten die beiden Bischöfe, welche sich nun um ihren Gewinn betrogen sahen. Mögen auch die Ungeheuern Geldopfer, welche diese geistlichen Würdenträger von ihm verlangten, bei dem Entschlusse abzulehnen, einigermassen mitgesprochen haben, – denn Berthold war ein guter Haushalter – Thatsache ist, dass durch seinen Verzicht das Reich vor einem inneren Kriege mit all’ seinen Gräueln bewahrt wurde. Die letzten Jahre seines vielbewegten Lebens verbrachte Berthold V., von den öffentlichen Angelegenheiten sich müde zurückziehend, umgeben von einem heitern Kreise seiner Ministerialen, auf seinem oberhalb der Stadt auf dem Schlossberg gelegenen prächtigen Schlosse. Hier starb er, der letzte Zähringer, den 18. Februar 1218, und wurde, da er mit den Mönchen auf feindlichem Fusse stand, nicht in St. Peter, sondern in der Krypta des Münsters begraben. Als dann beim Umbau der romanischen Kirche in eine gothische die Krypta abgebrochen wurde, soll seine Gruft an die südliche Langseite des Münsters verlegt worden sein. Dort erhebt sich heute noch sein steinernes Standbild, welches ihn als gepanzerten Krieger von ungewöhnlicher Körpergrösse darstellt. Er hatte einer grossen Zeit angehört, in die er kräftig, manchmal auch gewaltthätig mit eingriff, gehasst von Manchen, geachtet und gefürchtet von den Fürsten des Reiches. Obgleich dreimal verheirathet, starb er ohne Leibeserben. Von seiner ersten Gemahlin, einer üppigen Französin, liess er sich sehr bald wieder trennen. Seine zweite Frau, eine Deutsche, gebar ihm zwei Söhne, starb aber bei der Geburt des zweiten. Hierauf schritt er zu einer dritten Ehe mit Clementine, Tochter des Grafen von Auxonne. Auf ihr ruht schwerer Verdacht, an der Vergiftung der beiden Söhne zweiter Ehe betheiligt gewesen zu sein; sie wurde desshalb nach Berthold’s Tode von dessen Schwager und Erben, dem Grafen Egon I. von Urach [030] 16 Jahre lang in Haft gehalten. Erst wiederholte kaiserliche Befehle konnten sie daraus befreien.

So ständen wir nun am Ende der herzoglichen Linie des Zähringischen Hauses. Eine Periode herrlichen Aufblühens und gesegneter Entwicklung, insbesondere unserer schönen Dreisamstadt, findet dadurch ihren allzufrühen Abschluss. Die Zähringer Herrscher ohne Ausnahme besassen alle jene hohen Regententugenden, die zur Förderung von Land und Volk unerlässlich sind. Um so bitterer wurde daher das Fehlen dieser Tugenden bei ihren Nachfolgern empfunden.

Das Zähringische Erbe ging nun an den Schwager Berthold’s, den Grafen Egon I. den Bärtigen von Urach über. Er scheint nie dauernd in Freiburg verweilt zu haben; dagegen finden wir schon 1220 seinen Sohn Egon II. als Herrn des Schlosses zu Freiburg. Er war ein eifriger Förderer der Klöster; vor allem wandte er der Abtei Tennenbach seine besondere Gunst zu und beschenkte sie reichlich. Dem Kaiser Friedrich II. stand er feindlich gegenüber, und betheiligte sich, während dieser in Palästina weilte, an den Umtrieben, die dessen Sohn König Heinrich im Bunde mit den Lombarden angezettelt hatte. Egon II. starb ruhmlos am 25. Juli 1236 und wurde im Klostergarten zu Tennenbach zur Erde bestattet. Ob er etwas Wesentliches für das Gedeihen Freiburgs gethan hat, darüber schweigen die Geschichtsquellen gänzlich. In Folge seiner Prachtliebe und Verschwendungslust hinterliess er seinen Erben eine drückende Schuldenlast. Noch bei seinen Lebzeiten gründete seine Gemahlin Adelheid von Neuffen das Dominikanerinnenkloster Adelhausen, in welches bald darauf (1236) Kunigunde, die Schwester Rudolf’s von Habsburg, damals schon verwittwet, eintrat. Die Kinder Egon’s, fünf Söhne und eine Tochter, waren sämmtlich beim Tode des Vaters noch unmündig. Bei der Theilung erhielt der älteste der Söhne, Graf Konrad I. die Herrschaft Freiburg und die Güter im Breisgau. Dem jüngeren Bruder Heinrich dagegen fielen die Besitzungen in der Baar und auf dem Schwarzwald zu. Er nahm seinen Sitz auf dem Schlosse Fürstenberg, und wurde so der Gründer des heute noch blühenden Fürstenberger Hauses. – Konrad I. zeigte sich, gleich seinem Vater, als eifriger Freund und Begünstiger der Klöster. Dass er auch den Ausbau des nunmehr in gothischen Formen weitergeführten und, wenigstens in der Hauptsache, unter seiner Regierung zu Ende gebrachten Münsters gefördert habe, ist wahrscheinlich, wenngleich nicht durch Urkunden ausdrücklich bezeugt. In den damaligen politischen Kämpfen stand Graf Konrad auf Seiten des sog. Pfaffenkönigs Heinrich Raspe. In dieser friedlosen Zeit schloss sich eine Anzahl Städte, darunter auch Freiburg,

[031] zur Wahrung des Landfriedens und zur Abwehr der Strassenräuberei des Adels zu einem mächtigen Bunde, dem Rheinischen Städtebund, zusammen. Unter Konrad’s Regierung vollzog sich auch eine Reform in der Verfassung der Stadt. Dem bisher ausschliesslich den patrizischen Geschlechtern entnommenen Rath der Vierundzwanzig traten weitere Vierundzwanzig aus den Kreisen der Bürger zur Seite. Noch sei erwähnt, dass etwa um’s Jahr 1250 der berühmte Dominikaner Albertus Magnus im hiesigen Dominikanerkloster seinen Aufenthalt genommen, wahrscheinlich nur auf kurze Dauer. Er soll den Chor der Dominikanerkirche erbaut haben. Daraus wollen nun Einzelne den Schluss ziehen, dass man in ihm auch den bis jetzt gänzlich unbekannten Planfertiger des gothischen Münsters und seines unvergleichlichen Thurmes zu suchen habe. Aber weder die Chroniken des Ordens noch irgend welche anderen Urkunden jener Periode wissen etwas davon zu erzählen. Graf Konrad fand seinen Tod 1271 in den Kämpfen zwischen Böhmen und Ungarn. –

Die Burg Zähringen von heute.

In der Regierung folgte ihm sein Sohn Egon III. Dieser war ein Gegner des neuerwählten Königs Rudolf von Habsburg, dem er wiederholt mit gewaffneter Hand entgegentrat. Faustrecht übend riss er auch die Bürger in sein böses Treiben mit hinein, denn sie halfen ihm die Reichsburg Zähringen zerstören. Rudolf erschien hierauf mit grosser Heeresmacht vor der Stadt, schloss dieselbe ein, wobei das Kloster Adelhausen zerstört wurde, und zwang den Grafen und die Bürger zum Frieden. Als Busse zum Wiederaufbau des Klosters musste ihm die Bürgerschaft dreihundert Mark Silbers bezahlen. Die kleine, vortrefflich geschnitzte Truhe, worin [032] das Geld übergeben sein soll, befindet sich noch im städtischen Alterthumskabinet. Ebenso musste die Stadt sich zum Wiederaufbau der Zähringer Burg verstehen. Inzwischen war Graf Egon mit den Bürgern selbst in Zerwürfniss gerathen und es kam zu Zusammenstössen. Der Anlass hiezu lag in der steten Geldnoth und ungezügelten Verschwendung des Grafen.

Denkmal des schwarzen Berthold.

Eine abermalige Abfindung des tiefverschuldeten Herrn führte zu keinem dauernden Ausgleich, da dieser sich weder um beschworene noch um verbriefte Rechte mehr kümmerte. So griffen denn die Bürger das Schloss ob der Stadt mit Wurfgeschossen an. Jetzt aber eilte der Schwager Egon’s, Bischof Konrad von Strassburg (aus dem Hause Lichtenberg), jenem mit starker Macht zu Hülfe. Muthvoll traten ihm die Bürger entgegen. Bei Betzenhausen-Lehen erfolgte am 29. Juli 1299 der Zusammenstoss. Der Bischof, an der Spitze seiner Truppen reitend und diese anfeuernd, wurde von einem Freiburger, der Sage nach einem Metzger Namens Hauri, erstochen und damit war die Schlacht zu Ende, das bischöfliche Heer lief auseinander. Die Metzgerzunft aber geniesst seither das Recht des Vortritts bei [033] Prozessionen und festlichen Aufzügen. Um endlich dem schmählichen verschwenderischen Treiben des Grafen ein Ende zu machen, nahm Egon’s III. eigener Sohn den Vater in Gewahrsam und veranlasste ihn 1316 zur Niederlegung der Herrschaft. Erst einige Jahre später beschloss er sein für die Bürgerschaft so unheilvoll gewesenes Dasein. Er wurde bei den Klarissinnen in Freiburg beerdigt.

Das Schwabenthor.

Auf ihn folgte sein Sohn Konrad II. Auch die Regierungszeit dieses Grafen war erfüllt von unruhigen Ereignissen und Heimsuchungen. Zu den letztern zählen die Hungersnoth und die Pest, zu den erstern die zwiespältige Königswahl. Friedrich der Schöne von Oesterreich und Ludwig der Bayer stunden sich im Kampfe um des Reiches Krone gegenüber. Das Schwert entschied für Ludwig, worauf eine herzerhebende persönliche Versöhnung folgte. Ludwig, der der Stadt sehr geneigt war, bestätigte als Kaiser 1339 durch eine goldene Bulle die Freiheiten und Rechte Freiburg’s und seiner Vorstädte, ebenso ihr eigenes Gericht. Konrad II. starb 1350. In diese Zeit fallen zwei für die Stadt merkwürdige Ereignisse, als deren Urheber die Quellen uns den Bürgermeister Ritter Johannes Schnewlin, genannt der Gresser, bezeichnen. Im Jahre 1346, unter Schnewlin’s Amtsführung, gründete der Rath das wunderbar schön gelegene Karthäuserkloster, und beschenkte es reichlich mit Grund und Boden. Im Jahre 1354 aber wurde der grossartige Chorbau des Münsters begonnen und Schnewlin

[034] schenkte diesem Gotteshause nicht nur ein kostbares Bahrtuch, sondern auch sein bestes Ross, bedeckt mit einem seidenen Waffenkleide und seinem besten Harnisch. Ein drittes Ereigniss von geradezu weltumgestaltender Tragweite fällt ebenfalls in diese Tage – die Erfindung des Schiesspulvers im Jahre 1353 durch den schwarzen Berthold, einen Konventualen des Barfüsserklosters dahier.

Das Martinsthor (Innenseite).

Auf Konrad II. folgte nunmehr Graf Friedrich; er schied jedoch schon 1354 aus dem Leben. In Folge dessen gelangte die Regierung in die Hände seiner Tochter Klara, vermählt mit dem Pfalzgrafen Götz von Tübingen. Aber schon im Jahre 1358 trat sie dieselbe an ihren Onkel, den Grafen Egon IV. ab. Egon’s Regiment war vorwiegend wieder gekennzeichnet durch Geldverlegenheiten und schwere Zerwürfnisse mit den Bürgern. Bei seiner grossen Schuldenlast und dem beständigen Geldbedarf, der schwer drückend auf der Stadt ruhte, konnte trotz seiner feierlichen Gelöbnisse kein dauernd gutes Einvernehmen zwischen ihm und den Bürgern zu Stande kommen. Es kam zum Bruch und beiderseits rüstete man sich zum Kampfe. Freiburg schloss Bündnisse mit Städten und Edlen. Unter den Städten nennen wir Bern, Basel, Breisach und Neuenburg. Egon versuchte die Stadt am 24. März 1366 verrätherischer Weise zu überfallen. Der Ueberfall misslang jedoch und die Bürger gingen nun rücksichtslos gegen den Grafen, ihren verhassten Bedränger, vor. Von drei Lagern aus griffen sie mit Geschützen seine ob der Stadt gelegene Burg an, und bis Mitte Mai war diese »schönste Feste in deutschen Landen« ein Schutthaufen. Doch Egon, eine

[035] kriegerisch und tapfer veranlagte Natur, liess es dabei nicht bewenden. Am 18. October 1357 kam es zwischen ihm und den Städten bei Endingen am Kaiserstuhl noch einmal zu einem äusserst blutigen Zusammenstoss. Die Freiburger und ihre Verbündeten gingen dabei sehr kühn, aber unvorsichtig gegen den Feind vor und erlitten eine Niederlage, bei welcher besonders die Basler erhebliche Verluste hatten. Die Stadt liess sich dadurch nicht entmuthigen. Sie war entschlossen, den Kampf gegen die verhasste Herrschaft bis auf’s Aeusserste fortzusetzen. Sogleich betrieb sie daher neue und bedeutende Rüstungen und der Kleinkrieg mit Raub und Brand dauerte ungemindert fort.

Das Martinsthor (Aussenseite).

Endlich kam durch Vermittlung des Ritters Burkhard von Vinstingen am 28. Februar 1368 ein Abkommen zu Stande, gemäss welchem Egon dafür, dass er allen seinen Rechten auf Freiburg entsagte, die Herrschaft Badenweiler nebst 15,000 Mark in Silber als Abstandssumme erhielt. Auch wurde ausdrücklich bestimmt, dass Freiburg binnen Jahresfrist nach einem neuen Herrn »zu stellen« habe. Dies geschah, und Freiburg begab sich freiwillig unter die Hoheit des österreichischen Hauses. Damit fand ein anderthalb Jahrhunderte altes, für die Stadt unerträglich gewordenes Verhältniss ein Ende. Wenn Freiburg unter der Misswirthschaft seiner Grafen dennoch emporblühte, so verdankt es dies neben der Tüchtigkeit und Rührigkeit seiner Bürger, vorwiegend seiner ausserordentlich günstigen Lage als Markt. Heute noch, wie zu Zeiten seiner Gründung stellt der Marktverkehr der Stadt ein solch’ lebhaftes umfangreiches

[036] Bild dar, wie kein zweiter Marktort am Oberrhein es zu bieten vermag.

Nachdem sich nun Freiburg unter das Szepter Oesterreichs gestellt hatte, theilte es mit diesem mächtigen Hause Freud und Leid in musterhafter Treue. Die Urkunde, welche ausspricht, dass die Stadt die beiden Herzöge Albert und Leopold von Oesterreich als ihre gemeinsamen Herren anerkenne, wurde im Mai 1368 ausgefertigt. Bald sollte aber auch die waffenfähige Mannschaft Freiburg’s Gelegenheit erhalten, ihre Treue gegen die neue Herrschaft und ihren Muth in schwerem Kampfe gegen die Schweizer zu erproben. Herzog Leopold, eine feurige, von Thatendrang erfüllte Natur, dem inzwischen die Alleinherrschaft über die Vorlande zugesprochen war, rief die Seinigen, darunter nunmehr auch die Freiburger, zum Auszug gegen die Eidgenossen. Die Luzerner waren im December 1385 ohne Absage mit Waffengewalt in sein Gebiet eingebrochen. Den Kampf gegen dieselben wollte der Herzog persönlich leiten. Zahlreich eilten von Freiburg aus Reisige und Schützen, allen voran aber der Adel, herbei. Bei Sempach kam es am 9. Juli 1386 zu einem furchtbaren Blutbad. Herzog Leopold fiel. Da warf sich mitten im Kampfgewühl der Bannerträger Freiburg’s, Ritter Martin Malterer, schützend über den zu Tode getroffenen Fürsten und vertheidigte ihn so lange, bis er selbst unter den Streichen der Feinde sein Leben aushauchte. Mit ihm fiel zugleich die Blüthe des Freiburger und Breisgauer Adels. Des Herzogs Sohn und Nachfolger, Leopold IV., schloss einen zwanzigjährigen Frieden mit den Eidgenossen, der 1412 auf weitere fünfzig Jahre verlängert wurde. Im gleichen Jahre (1412) kam »Gericht und Recht des Dorfes Adelhausen, und was in das Kirchspiel St. Einbethen gehört« als Pfandschaft in die Hand Freiburg’s. Neue Ereignisse brachte bald darauf auch das Konzil zu Konstanz. Papst Johann XXIII., um die ihm verhasste Versammlung unmöglich zu machen, entfloh derselben, als Botenreiter verkleidet, am 20. März 1414, und nahm hier in Freiburg bei den Predigermönchen sein Quartier. Er wurde daselbst mit hohen Ehren empfangen. Ihm auf dem Fusse folgte Herzog Friedrich von Oesterreich, genannt mit der leeren Tasche, der dem Papst zur Flucht verholfen hatte. König Sigismund, ein schwächlicher Charakter, entsetzte ihn deshalb seiner Lande, und so wurde Freiburg freie Reichsstadt. Als solche »dem König und dem heil. römischen Reich pflichtig«, musste sie 1422 auch an dem Hussitenkriege theilnehmen, in dessen Verlaufe beiderseits die unglaublichsten Gräuel verübt wurden. Erst im Jahre 1425 kehrte die Stadt wieder unter das österreichische Szepter zurück. Bald darauf wurde Herzog Albert VI. von der steierischen Linie Regent [037] sämmtlicher Vorlande.

Die Burg Freiburg um 1500.

Sein Name ist umstrahlt von einem unverwelklichen Ruhmeskranze, denn ihm, dem hochsinnigen Fürsten, verdankt Freiburg sein werthvollstes Kleinod, die Universität. Schon am 28. August 1456 erfolgte die sehr reichlich bemessene Dotation; der [038] eigentliche Stiftungsbrief wurde, und zwar in hiesiger Stadt, am 21. September 1457 ausgefertigt. Den ersten Rektor ernannte der erlauchte Stifter selbst in der Person des Meisters Matthäus Hummel von Villingen. Durch diesen fand dann auch unter grossen Feierlichkeiten am 27. April 1450 die Eröffnung der »Albertina« statt. Ein Antheil des Ruhmes an dieser glorreichen Stiftung gebührt gerechter Weise aber der Gemahlin des Stifters, der Erzherzogin Mathilde. Sie war eine warme Beschützerin der Wissenschaften und Künste, und hatte nicht nur ihren Gemahl zur Gründung der hiesigen Hochschule, die heute in so glänzendem Aufschwunge steht, ermuntert; sie trug vielmehr auch noch, und zwar im Jahre 1477, zur Stiftung einer weitern Heimstätte der Wissenschaft bei, indem sie ihren Sohn erster Ehe, den Grafen Eberhard von Württemberg, veranlasste, in Tübingen eine Universität in’s Leben zu rufen.

Im Jahre 1457 erwarb Freiburg von den Deutschordensherren den Dinghof und das Dorf Herdern, bald darauf auch den Dinghof in Zarten und das Gut Birkenreute. Dabei war die Zeit immerhin noch eine kriegerisch bewegte. Der Mülhauser und der Schaffhauser Krieg nahmen Freiburg’s Streitkräfte in Anspruch und schlossen für die Oesterreicher ungünstig ab. Um die den Schweizern zugesagte Abfindungssumme aufbringen zu können, verpfändete Herzog Sigmund in der Noth die vier Waldstädte am Rhein sowie auch Breisach an den Herzog Karl den Kühnen von Burgund. Die Statthalterschaft in diesen Pfandlanden übertrug Karl dem Ritter Peter von Hagenbach. Das unerhört grausame und gewaltthätige Regiment, das Hagenbach führte und ebenso seine wiederholten Drohungen gegen die Schweizer brachten es dahin, dass diese und die Oesterreicher ihren alten Groll vergassen und zu einem Bunde, genannt die niedere Vereinigung, zusammentraten. Ein Friede zwischen ihnen auf zehn Jahre, die sogen. ewige Richtung, kam zu Stande. Hierauf kündigten sie dem Herzog die Pfandschaft und die Städte hinterlegten die Pfandsumme von achtzigtausend Gulden in Basel. Der Herzog aber wies die Kündigung schroff zurück. Hagenbach’s tyrannisches Walten steigerte sich von nun an in solchem Maasse, dass in Breisach, wo er seinen Wohnsitz hatte, eine Empörung ausbrach, im Laufe deren die Bürger und die deutschen Landsknechte gemeinschaftliche Sache machend, die wälschen Truppen entwaffneten und den Statthalter gefangen nahmen. Gefesselt in’s Gefängniss geworfen, wurde Hagenbach gefoltert, da man hoffte, gewisse Geständnisse von ihm zu erlangen. Am 9. Mai 1474 wurde er durch 24 Geschworene der niedern Vereinigung, darunter auch die Eidgenossen von Bern, [039] Luzern, Basel und Solothurn vertreten waren, zum Tode verurtheilt und auf öffentlichem Platze Breisach’s Angesichts einer grossen Menschenmenge enthauptet. Karl der Kühne schwur Rache für die seinem Statthalter angethane Schmach und liess sogleich ohne Absage den Krieg im Sundgau eröffnen. Allein sowohl bei Héricourt als bei Granson wurden die Burgunder geschlagen; eine geradezu vernichtende Niederlage aber erlitt Karl bei Murten, wo die beiden Heere am 22. Juni 1476 zusammenstiessen. Hier kämpften auch die Freiburger Schulter an Schulter mit den Eidgenossen und theilten mit diesen die Ehren des Sieges. Ein nochmaliger Versuch des Kriegsglücks bei Nancy am 5. Januar 1477 endete damit, dass der Herzog Sieg und Leben verlor. Besungen wurden diese denkwürdigen Kämpfe von dem Meistersänger Veit Weber aus einem altbürgerlichen Freiburger Geschlechte, der Augenzeuge derselben gewesen war.

Die Stadt Freiburg 1549.

Eine glückliche Periode sonnigen Aufblühens war für die Stadt die Regierungszeit Kaiser Maximilian’s I. von 1493 bis 1519. Wissenschaft, Künste und Gewerbe, unter letztern besonders die Granatschleiferei, nahmen einen herrlichen Aufschwung. Der grosse Meister Hans Baldung gen. Grien schuf die Bilder für den Hochaltar des Münsters, die heute noch unbestritten der kostbarste Schmuck desselben sind. Unter Maximilian’s Regierung begann bei Erstellung von Monumentalbauten [040] die Renaissance ihren Einzug in Freiburg zu halten, anfänglich nur in leisen Anklängen, nach und nach aber und fortgesetzt durch das ganze sechzehnte Jahrhundert hindurch in immer deutlicheren Motiven, stets jedoch gemischt mit Gothik. Gar manche dieser Bauten sind während des dreissigjährigen Krieges und der darauf gefolgten französischen Belagerungen der Zerstörungswuth der Feinde zum Opfer gefallen. Immerhin sind uns aber einige derselben bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben. Als ältestes nennen wir das Kornhaus, erbaut 1497, dann auf der Südseite des Münsterplatzes das Kaufhaus, dessen Erstellung in die Jahre 1518–1532 fällt. Sehenswerth ist auch das ebenfalls aus dieser Periode stammende Falkenstein’sche Haus in der Franziskanergasse. In den Jahren 1551–59 erfolgte der Bau des Rathhauses und fast gleichzeitig (1545–81) derjenige des unmittelbar daneben gelegenen alten Universitätsgebäudes. Hand in Hand damit gingen zahlreiche kleinere und Privatbauten. Im Jahre 1498 berief der Kaiser, welcher der Stadt mit grosser Gunst zugethan war, einen Reichstag hierher. Dieser versagte zwar die verlangte Reichshilfe gegen die Türken, traf dagegen scharfe Bestimmungen gegen die Stegreifritter und erliess eine neue Kleiderordnung. Die Zerwürfnisse mit den Eidgenossen wurden 1499 durch den Friedensschluss zu Basel beigelegt. Unter Maximilian’s Nachfolger, Karl V., entstanden 1520 die »Nüwen Stadtrechten«, bearbeitet von dem berühmten Rechtsgelehrten Ulrich Zasius.

Inzwischen aber bereiteten die grossen sozialen Unruhen sich vor. Zwar wurde die im nahen Dorfe Lehen im Jahre 1513 unter dem Namen Bundschuh aufgetauchte Bauernverschwörung blutig unterdrückt; um so ernster aber gestaltete sich der Aufstand von 1524. Als das Bauernheer herannahte, wurde das von Truppen entblösste Freiburg Seitens der österreichischen Regierung schmählich im Stiche gelassen. Die aufständischen Bauern überrumpelten das Schloss auf dem Schlossberg und wurden dadurch Herren der Stadt. Die Folge war eine Kapitulation, bei welcher die Bürgerschaft, unter der sehr viele stille Anhänger der Bauern sich befanden, mit diesen eine sogen. »Verbrüderung« eingehen musste. — Noch aber waren die Bedrängnisse des Bauernkrieges nicht an Freiburg vorübergegangen, so begannen sich schon die Wirren der Reformation einzustellen. Luther und seine Anhänger wurden durch das Wormser Edikt vom 26. Mai 1521 in die Acht erklärt. Der Stadtrath ordnete eine Haussuchung nach ketzerischen Büchern an, und liess gegen zweitausend derselben durch den Scharfrichter öffentlich verbrennen. Im Jahre 1529 zog, um der Reformation auszuweichen, das [041] Domkapitel von Basel hierher, und nahm seinen Sitz in dem jetzigen Bezirksamtsgebäude. Erst im Jahre 1678 kehrte es wieder nach Basel zurück. Mit ihm war auch Erasmus von Rotterdam hierher übergesiedelt und verblieb hier bis zum Jahre 1535. Für die Reformation selbst war in Freiburg als einer österreichischen Stadt kein bleibender Boden. — Auf die Weihnachtstage 1562 ritt der inzwischen Kaiser gewordene Ferdinand I. mit einem Gefolge von sechshundert Pferden hier ein und wurde festlich empfangen. Er kam von Frankfurt, woselbst sein Sohn Maximilian II. zum römischen König gewählt worden war. Nach seinem bald darauf erfolgten Tode (1564) fielen die Vorlande und mit ihnen Freiburg an seinen jüngeren Sohn Erzherzog Ferdinand, den Gemahl der schönen Philippine Welser. Das Bemerkenswertheste aus dessen Regierungszeit sind die geradezu ungeheuren Schulden, die unter ihm dem Lande erwuchsen. Hiezu gesellt sich im Jahre 1570 eine Hungersnoth und in deren Gefolge die Pest, welche Tausende von Menschen dahinraffte. Auch noch eine geistige Pest, die Hexenprozesse, vermehrten die schweren Leiden jener Zeiten.

Das untere Schloss zu Freiburg 1678–1745.

Nun aber nahte eine Heimsuchung so furchtbarer Art, wie die Weltgeschichte keine zweite kennt, der dreissigjährige Krieg. Bald nach dessen Beginn, im Jahre 1620, hatten die Jesuiten an der hiesigen Hochschule Boden gewonnen. Ihre Einmischung in politische Dinge führte bald ein Zerwürfniss zwischen ihnen und dem Stadtrath herbei. Die eigentlichen Kriegsereignisse blieben aber bis zum Jahre 1632 der Stadt fern. Gegen Ende dieses Jahres, am 26. December, erschienen die ersten Schweden unter Oberst Schaffalizki vor den Thoren. Auch dieses Mal war die Stadt ohne Truppen, und musste von den Bürgern und Studenten vertheidigt werden. Sie kapitulirte unter günstigen Bedingungen und die Schweden, an ihrer Spitze Feldmarschall Horn, zogen zu den geöffneten Thoren herein. Zum zweiten Male erschien der Feind im April 1634 unter dem Rheingrafen Otto Ludwig vor der Stadt und begann sofort die Beschiessung. Auch jetzt war Freiburg wie früher von der [042] österreichischen Regierung im Stiche gelassen und musste sich zur Kapitulation verstehen. Erst nach der Stadt von Nördlingen zogen die Feinde wieder ab, nachdem sie die Burg auf dem Schlossberg gesprengt und die Bürger geplündert hatten. Inzwischen war auch Frankreich auf den Kriegsschauplatz getreten und stellte sich auf die Seite der Protestanten. Zum dritten Male nahte sich nun der Feind unter Herzog Bernhard von Weimar am 2. April 1638. Er nahm die Vorstädte mit Sturm. Darauf erfolgte die Uebergabe der Altstadt. Die Drangsale der Bürger erreichten mit jedem weiteren Jahre eine immer grauenvollere Höhe, da Freund und Feind gleich barbarisch hausten. Im folgenden Jahre starb Herzog Bernhard zu Neuenburg am Rhein, nach Einigen an der Pest, nach Andern an Gift. Die vierte Belagerung, diesmal durch den bayrischen Feldmarschall Franz von Mercy geleitet, endete nach tapferer Vertheidigung Seitens der Schweden am 28. Juli 1644 durch Kapitulation. Sie war mit entsetzlichen Verwüstungsgräueln der abziehenden Feinde verbunden. Wenige Tage darauf folgten die zwei glänzenden Vertheidigungsschlachten auf dem Schinberg (3. August) und auf dem Lorettoberg (5. August), in welchen Mercy gegen die weit zahlreicheren Heere Enghien’s und Türenne’s (encore mille) Sieger blieb. Noch ist der fünften und letzten Belagerung durch weimarisch-französische Truppen zu gedenken; sie begann am 2. Juni 1648 und endete unblutig mit dem Abzuge des Feindes. Endlich, nach dreissigjährigem Kämpfen, Morden, Rauben, Brennen und Verwüsten, folgte am 24. October 1648 der Friede. Er wurde in Freiburg durch ein Tedeum gefeiert. In den öden Gassen aber herrschte Armuth und Noth. Bei Beginn des Krieges zählte die Stadt 1590 Zünftige und 175 Satzbürger, am Schlusse desselben kaum noch 500. Die Gesammteinwohnerzahl war auf 5000 zurückgegangen.

Noch waren die schweren Wunden, die dieser unheilvollste aller Kriege der Stadt geschlagen, nicht vernarbt, und schon begann ein weiteres Gewitter heraufzuziehen – der holländische Rachekrieg. Unvermuthet erschien am 9. November 1677 der französische Marschall Crequi mit bedeutender Heeresmacht vor der Stadt und begann sofort mit deren Beschiessung. Ebenso mannhaft und tapfer als Offiziere und Mannschaft sich vertheidigten, ebenso feig und unfähig benahm sich der damalige kaiserliche Kommandant, Generalwachtmeister Georg Schütz von Pürschütz. Er übergab die Stadt den Franzosen und zog mit der Besatzung ab nach Rheinfelden. Hiemit war Freiburg an einem bedeutsamen Wendepunkt angelangt, denn die Stadt musste nun der Krone Frankreichs huldigen und blieb zwanzig Jahre in französischen Händen. In der Absicht, sie auf die Dauer zu behaupten, liess [043] Ludwig XIV. sie durch Vauban in eine moderne Hauptfestung umwandeln. Die drei Vorstädte wurden zu diesem Ende niedergerissen und die Bewohner derselben ohne jede Entschädigung rücksichtslos vertrieben. Die Hauptstärke der neuen Festung wurde auf den Schlossberg verlegt. Schon am 17. October 1681 kam der König selbst mit grossem Gefolge hier an, um das neue Werk zu besichtigen. Erst durch den Frieden von Ryswik (30. October 1697) wurde Freiburg wieder von dem französischen Joche erlöst und kam an das Haus Oesterreich zurück. Noch aber sollte das Maass seiner Leiden nicht voll sein. Der spanische Erbfolgekrieg schlug seine Wellen bis in den Breisgau.

Die Stadt Freiburg 1620.

Nach einem im Jahre 1708 unternommenen vergeblichen Versuche, sich der Stadt durch Verrath zu bemächtigen, erschien am 26. September 1713 der französische Marschall Villars mit einem Heere von über hundertfünfzigtausend Mann vor der Festung. Dieser Ueberzahl hatte der kaiserliche Kommandant, Feldmarschall Ferdinand Amadeus v. Harsch, nur zehntausend Mann entgegenzustellen. Harsch aber war ein Held und seine Soldaten wurden es durch sein begeisterndes Beispiel. Mit unglaublicher Tapferkeit vertheidigte das kleine Häuflein den ihm anvertrauten Posten und erst als er nicht mehr zu halten war, zog sich Harsch mit seinen Truppen auf das Schloss zurück, dort die Vertheidigung [044] mit ungebrochenem Muthe solange fortsetzend, bis er sich endlich vor der erdrückenden Uebermacht beugen musste. Am 20. November zog er mit klingendem Spiel und allen Kriegsehren an der Spitze seiner zusammengeschmolzenen kleinen Heldenschaar nach Villingen ab und die Stadt fiel nach den Bestimmungen des Rastatter Friedens wieder an Oesterreich. Doch noch einmal sollte die französische Kriegsfurie Freiburg umtoben. Der österreichische Erbfolgekrieg führte im Jahre 1744 ein französisches Heer unter dem Befehl des Marschalls Coigny vor die kaum erst wieder aufathmende Stadt. Am 11. October traf König Ludwig XV. selbst ein. Nun begann die Beschiessung, welcher der König vom Lorettoberge aus zuschaute. Die schwache Besatzung vertheidigte sich auf’s Tapferste, sie war aber nicht im Stande, die Stadt zu behaupten, während das Schloss erst am 25. October kapitulirte. Der Vertrag von Füssen brachte Freiburg wieder an Oesterreich. Die Franzosen zogen daher im Frühjahr 1745 wieder ab, zerstörten jedoch vorher sämmtliche Festungswerke gründlich. – Nunmehr, nach nahezu anderthalb Jahrhunderten kriegerischer Bedrängniss, sollten endlich Ruhe und Frieden wieder einkehren in die schwer heimgesuchte, darniederliegende Stadt. Wie unendlich sie gelitten, ergibt sich mit erschreckender Deutlichkeit aus den Ziffern der am 8. September 1754 vorgenommenen Volkszählung; sie ergab 1627 männliche und 2028 weibliche Einwohner. Mehr als ein Drittel derselben waren Arme. Von Handel konnte unter solchen Verhältnissen keine Rede sein. Die Granatenschleiferei, ein Industriezweig, der vordem in ausserordentlicher Blüthe gestanden und viel Wohlhabenheit in der Stadt mit sich gebracht hatte, war buchstäblich vollständig ausgerottet.

Nur ganz allmählig begannen die Bürger wieder aufzuathmen. Die wohlwollende menschenfreundliche Regierung Maria Theresia’s und Joseph’s II. suchte zu helfen und aufzurichten nach Kräften. Weise Gesetzesverbesserungen erfolgten. Die Tortur wurde aufgehoben und die Todesstrafe abgeschafft, ebenso die Leibeigenschaft und die Hexenprozesse. Am 21. Juli 1773 erschien die Bulle Papst Klemens’ XIV., die den Jesuitenorden aufhob. Ein neues wirthschaftliches, aber auch geistiges Leben hub an zu sprossen. Im Jahre 1770 sah Freiburg die Braut Ludwig’s XVI. Marie Antoinette auf ihrer Hochzeitsreise nach Paris in seinen Mauern. Es fanden ihr zu Ehren glänzende Festlichkeiten statt. Am 19. Juli 1777 besuchte Kaiser Josef II. die Hauptstadt des Breisgaues und verweilte bis zum 25. Juli dahier. Kunst und Wissenschaft begannen sich wieder heimisch zu fühlen. Leuchtende Namen, wie jener des Dichters Johann Georg Jacobi und des genialen Malers, [045] Architekten und Bildhauers Christian Wenzinger, drücken jener Zeit ihren Stempel auf.

Ansicht von Freiburg (von Süden).

Mitten hinein in diesen Aufschwung fiel jäh die Nachricht von dem Ausbruch der französischen Revolution. Kriegerische Vorgänge stellten sich wieder ein. Der Landsturm sowohl als auch verschiedene Freicorps wurden organisirt zum Schutze der Landesgrenze. Am 16. Juli 1796 rückten die ersten Franzosen in die Stadt ein, doch zogen sie im nämlichen Jahre wieder ab. Bald folgte Erzherzog Karl, den die Bevölkerung jubelnd als ihren Erretter begrüsste. Als aber dann im Frieden von Campo Formio Freiburg mit dem gesammten Breisgau dem Herzog von Modena zugesprochen wurde, der übrigens das Land nie besuchte, da fielen gegen Oesterreich, dem die Bürgerschaft über fünf Jahrhunderte mit aller Treue zugethan war und von dem man sich nun aufgegeben sah, die bittersten Worte. Endlich aber kam der Beginn einer glücklichen segensreichen Zukunft. Durch den Pressburger Frieden fiel Freiburg wieder an das erlauchte zähringische Fürstenhaus zurück, dem es einst seine Gründung verdankt hatte. Kurfürst, von nun an aber Grossherzog, Karl Friedrich von Baden [046] wurde Landesherr. Die Huldigung geschah am 30. Juni 1806. Er galt als der weiseste Fürst seiner Zeit. Unter seiner Regierung durfte die Stadt auf eine gedeihliche Fortentwicklung bauen. Zwar forderte die unersättliche Kriegsfurie noch einmal ihren Tribut. Während der Befreiungskriege marschirten 644,248 Mann Truppen durch die Stadt und mussten auf längere oder kürzere Zeit verpflegt werden. Ende des Jahres 1813 trafen sodann die verbündeten Monarchen Kaiser Alexander I. von Russland, Kaiser Franz II. von Oesterreich und König Friedrich Wilhelm III., letzterer in Begleitung des jugendlichen Prinzen Wilhelm, nachmaligen deutschen Kaisers, hier ein, verweilten aber nur wenige Tage. Nun aber, nachdem in dem kriegsmüden Europa überall der lang ersehnte Friede wirklich eingekehrt war, begannen auch dessen Segnungen sich geltend zu machen. Schon längere Zeit vorher, im Jahre 1790, war die Beurbarungsgesellschaft gegründet worden, welche sich die Aufgabe stellte, öde Gründe in nutzbringenden Boden umzuwandeln. Die Universität erhielt unter Grossherzog Ludwig eine neue Organisation und führt seitdem den Namen Albert-Ludwigs-Hochschule.

Freiburg im Jahre 1848.

Im Jahre 1821 wurde der erzbischöfliche Stuhl dahier

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Häuserflucht in der Herrenstrasse.

[048] errichtet. 1829 legte man den Grundstein zu der evangelischen Ludwigskirche. Es folgte nun eine Periode gesunder wirthschaftlicher Entwicklungen, aber auch erregten politischen Lebens, das in den Aufständen von 1848 und 1849 seinen Gipfelpunkt erreichte. Durch rückschrittliche Gesetze und kirchlichen Einfluss suchte man vergebens hierauf dem Volke den Sinn für Gesetz und Ordnung wieder zu bringen. Diesem Streben machte die hochherzige Proklamation des Grossherzogs Friedrich vom 7. April 1860 ein jähes Ende. Der altbewährte klare politische Sinn des badischen Volkes, lange Zeit hindurch ein Vorbild für die gesammte Nation, brach sich wieder Bahn. Freiburg nahm an diesem Aufschwung hervorragenden Antheil. Auch äusserlich blühte die Stadt von Neuem auf. Der Zuzug und die Ansiedlung Fremder, insbesondere aus dem Norden Deutschlands, gewann ein rascheres Tempo, das der Krieg von 1870-71 nur auf kurze Zeit zu unterbrechen vermochte. Im Spätjahr 1871 begrüsste Freiburg den Kaiser Wilhelm I. in seinen Mauern, ebenso im Jahre 1876 anlässlich der Einweihung des herrlichen Siegesdenkmals. Eine Reihe von Jahren war die Stadt dann Residenz des Erbgrossherzogs Friedrich von Baden und seiner hohen Gemahlin.

Geleitet von einem umsichtigen Stadtregiment, erreichte Freiburg in den letzten drei Jahrzehnten eine ungeahnte Ausdehnung; die Einwohnerzahl stieg auf die Ziffer von 53,081 (December 1895) und ist in stetem gesundem Wachsthum begriffen. Die Hochschule weist im Sommersemester eine Frequenz von ca. 1500 Hörern auf. Nicht wenig trägt zu diesem allseitigen Emporblühen Freiburgs grossartige, unvergleichlich schöne und Seitens der Gemeinde auf’s Sorgfältigste gepflegte Umgebung bei, die der Stadt den stolzen Beinamen erworben hat, den sie mit aller Berechtigung führt:

»Die Perle des Breisgaus«.


  1. Vgl. über diese Frage unten die Baugeschichte des Münsters.