Hyperion an Bellarmin XXIII

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HYPERION AN BELLARMIN.


     Es ist umsonst; ich kann’s mir nicht verbergen. Wohin ich auch entfliehe mit meinen Gedanken, in die Himmel hinauf und in den Abgrund, zum Anfang und an’s Ende der Zeiten, selbst wenn ich ihm, der meine lezte Zuflucht war, der sonst noch jede Sorge in mir verzehrte, der alle Lust und allen Schmerz des Lebens sonst mit der Feuerflamme, worinn er sich offenbahrte, in mir versengte, selbst wenn ich ihm mich in die Arme werfe, dem herrlichen geheimen Geiste der Welt, in seine Tiefe mich tauche, wie in den bodenlosen Ocean hinab, auch da, auch da finden die süssen Schreken mich auf, die süssen verwirrenden tödtenden Schreken, dass Diotima’s Grab mir nah ist.

     Hörst du? hörst du? Diotima’s Grab!

     Mein Herz war doch so stille geworden, und meine Liebe war begraben mit der Todten, die ich liebte.

     Du weisst, mein Bellarmin! ich schrieb Dir lange nicht von ihr, und da ich schrieb, so schrieb ich Dir gelassen, wie ich meyne.

     Was ist’s denn nun?

     Ich gehe ans Ufer hinaus und sehe nach Kalaurea, wo sie ruhet, hinüber, das ist’s.

     O dass ja keiner den Kahn mir leihe, dass ja sich keiner erbarme und mir sein Ruder biete und mir hinüberhelfe zu ihr!

     Dass ja das gute Meer nicht ruhig bleibe, damit ich nicht ein Holz mir zimmre und hinüberschwimme zu ihr.

     Aber in die tobende See will ich mich werfen, und ihre Wooge bitten, dass sie an Diotima’s Gestade mich wirft! -

     Lieber Bruder! ich tröste mein Herz mit allerlei Phantasien, ich reiche mir manchen Schlaftrank; und es wäre wohl grösser, sich zu befreien auf immer, als sich zu behelfen mit Palliativen; aber wem geht’s nicht so? Ich bin denn doch damit zufrieden.

     Zufrieden? ach das wäre gut! da wäre ja geholfen, wo kein Gott nicht helfen kann.

     Nun! nun! ich habe, was ich konnte, gethan! Ich fodre von dem Schiksaal meine Seele.