Im Schilf

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Im Schilf.

Es rauschte im Schilf wie von weichen Schwingen;
      Der Wasservogel umkreiste sein Nest.
Wir hörten am Strande die Fischer singen –
      Das war auf dem Wettern[1] im Mittsommerfest.

Seerosen nickten und wiegten sich leise,
      Auf spiegelebener, flüssiger Bahn;
Die Möve zog über uns lustige Kreise –
      Wir saßen drei glückliche Menschen im Kahn.

Ich lehnte am Bug, und ich sah mit Entzücken
      Das Ruder, o Holde, dich führen gewandt.
Am Steuer die Schwester – um Rosen zu pflücken,
      Wie tauchte sie leicht in die Wellen die Hand!

Und wie sie sich neigte, da frugst du verstohlen:
      „O sage, ist Liebe ein flüchtiger Traum,
Wie im Schilfe der Lenznacht Athemholen,
      Wie aus schwankendem See ein vergänglicher Schaum?“

Du wandtest dich heimlich zu mir herüber
      Und seufztest – da hab’ ich an’s Herz dich gepreßt;
Ich küßte dich stürmisch; die Seele schwoll über –
      Das war auf dem Wettern im Mittsommerfest.

O Tage am Wettern, o Tage der Wonne,
      Ihr schwandet nun längst, wie ein Traumbild vergeht.
Es sterben die Freuden unter der Sonne,
      Wie Schwingenrauschen im Schilfe verweht.

Ernst Ziel.
  1. ↑ Bekanntlich einer der schönsten Seen in Schweden.
    D. Red.