Im alten Park

[267]

Im alten Park.
Originalzeichnung von P. Püttner.

[270]
Im alten Park.
(Mit Abbildung S. 267.)

Sommergluth! Ein tief Ermatten
0 Schläfert ein das Grün;
Durch des Parks krystallne Schatten
0 Flammt der Sonne Glühn.

Fern im Winkel, wo zum Weiher
0 Sich die Treppe senkt,
Wehn wie ungesehne Schleier
0 Lüftchen dunstgetränkt.

Unten spült die klare Welle
0 Ueber Platten sacht;
Droben glänzt ein Lustbau helle
0 Ulmenüberdacht,

Und am Treppenfuß Figuren
0 Aus versunkner Zeit –
Ueberall verwehte Spuren
0 Alter Herrlichkeit.

Trällernd zu dem Weiher nieder
0 Steigt ein junges Blut.
Bis ihr Mädchenkopf sich wider-
0 Spiegelt in der Fluth.

Für die Fischlein streut sie Brocken,
0 Und der Spiegel wallt –
Aber ihre Lieder stocken,
0 Und sie schauert’s kalt.

Quälend drückt das dumpfe Schweigen
0 Und der Moderdunst;
Die Figuren lächeln, neigen
0 Sich in starrer Gunst –

Scheu enteilt sie den Gestalten:
0 Durch das Herz der Maid
Wandelt das Gespenst der alten,
0 Längstvergangnen Zeit.

 Victor Blüthgen.