Karl von Holtei (Blüthgen)


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Karl von Holtei.
Ein Blatt zu seinem letzten Ehrenkranz.


Zu Breslau beim Spitale,
Da steht das Volk geschaart,
Und droben liegt im Saale
Ein stiller Mann gebahrt.

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Es flackern trüb die Lichter;

Ein Frühling blüht im Rund:
In Lorbeern schläft der Dichter,
Der „Sänger-Vagabund“.

Das war ein wackrer Kämpfer

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Mit Noth und Drang und Pein;

Das war ein Grillendämpfer,
Das Herz voll Sonnenschein,
Erschreckt von keiner Wolke,
Gelähmt von keiner Gunst,

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Ein Spiegel seinem Volke,

Ein Quell ureigner Kunst.

Er zog nicht mit dem Trosse
Bequem von Thal zu Thal:
Sein Wappen hing im Schlosse,

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Sein Sarg steht im Spital,

Und eh’ sein Haupt, das weiße,
Verträumt die letzte Kraft,
Hei! war das eine heiße,
Rastlose Wanderschaft!

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Doch – wie’s ihn in die Ferne

Gelockt von Land zu Land:
Treu blieb er einem Sterne
Mit Sehnsucht zugewandt,
Der Heimath galt sein Lieben,

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Sein Sinn und Wert allein;

Ein Schlesier ist er blieben,
Ein Schlesier wollt’ er sein.

Und als ihm ging zu Rüste
Der trotz’ge Lebensmuth,

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Da kam’s ihm, daß er wüßte,

Wo sich’s am besten ruht:
Und könnt’ er Schlösser erben
Bei Fremden noch einmal,
Er wollte lieber sterben

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Zu Breslau im Spital.


Nun fährt zur Gruft der Wagen;
Das Volk zu Tausend zieht,
Dumpf tönt in seine Klagen
Des Sängers Mantellied;

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Ihm weckt kein Frühlings-Werde!

Den liederfrohen Mund –
Leicht sei Dir Schlesiens Erde,
Herzlieber Vagabund!

Victor Blüthgen.