Keller’s Bild

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Keller’s Bild.
(Metrische Fassung derselben Sage.)

Es lag ein altes Nymphenbild
Im Tannenforst begraben,
Wo vormals Heiden grimm und wild
Mit Blut geopfert haben.

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Es lag in seinem Waldversteck

Wohl tausend Jahr vergessen,
Bis diesen Schatz ein Junker keck
Zu heben sich vermessen.

Einst ritt Herr Keller durch den Wald

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In später Nacht alleine;

Da winkt ihm eine Frau’ngestalt
Am Weg im Mondenscheine.

Ihr Auge kühn und minneklar
Hat schnell sein Herz umsponnen,

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Doch bot er Hand und Gruß ihr dar, –

Schnell war das Bild zerronnen.

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Durchforschen ließ er drob den Platz,
Wo ihn der Schein betrogen,
Viel Klafter tief, so ward der Schatz

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Zum Licht emporgezogen.


Und als das schöne Nymphenbild
Nun prangt’ an jener Stätte,
Da schien sein Sehnsuchtstraum gestillt,
Als ob es Odem hätte.

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Man sah ihn still um Mitternacht

Das holde Weib umfangen,
Es hielt, vom Marmortod erwacht,
Ihn fest mit Gluthverlangen.

Das hat kein sterblich Ohr belauscht,

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Was Die zusammen kos’ten,

Die Tannen krachten sturmdurchrauscht,
Des Berges Quellen tos’ten.

Und als des Frühthau’s erstes Naß
Den Jäger rief zum Haine,

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Da lag Herr Keller marmorblaß,

Ein Leichnam, bei dem Steine.

Drob war im Thal der Oos und Murg
Viel Leids und ängstlich Wesen,
Man ließ zu Baden auf der Burg

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Dem Junker Messen lesen.


Zerschlagen war das Marmorweib,
Der Höllenspuck vernichtet,
Und an dem Ort zum Fluchvertreib
Ein Kreuzbild aufgerichtet.

Eduard Brauer.