MKL1888:Alărich

[275] Alărich, 1) A. I., König der Westgoten aus dem Geschlecht der Balten, geboren um 376 n. Chr., führte die Westgoten, 20jährig zu deren König erhoben, gleich nach des Kaisers Theodosius Tod (395) unter dem Vorwand, daß der oströmische Hof die geschlossenen Verträge nicht erfüllt habe, durch Thrakien gegen Konstantinopel, dann, dieses schonend, durch den Engpaß von Thermopylä nach Griechenland, das er plündernd durchzog. Athen erkaufte Schonung durch hohes Lösegeld; Korinth, Argos und Sparta sanken in Trümmer. Der Oberfeldherr des weströmischen Reichs, Stilicho, nötigte ihn endlich, indem er bei Korinth landete und ihn nach Olympia drängte, zum Rückzug. Durch diese Einmischung gekränkt, ernannte der oströmische Kaiser Arcadius A. zum Statthalter von Ostillyrien und zum Reichsfeldherrn, um ihn gegen Stilicho zu gebrauchen. Bereits 400 fiel A. durch Pannonien in Oberitalien ein, mußte dort jedoch umkehren. Im J. 403 erneute er seinen Einfall, wurde aber von Stilicho bei Pollentia (29. März) und nach einem Streifzug nach Etrurien bei Verona geschlagen, worauf er sich nach Illyrien zurückziehen mußte. Zur Ausführung seiner Pläne gegen das oströmische Reich zog Stilicho später A. durch einen Jahrgehalt und Überlassung von ganz Illyrien auf seine Seite; als der Hof zu Ravenna jedoch nach Stilichos Ermordung 408 diesen Vertrag nicht erfüllte, brach A. von neuem in Italien ein und zog im Winter 408 vor Rom. Durch ungeheure Kontributionen (5000 Pfd. Gold und 30,000 Pfd. Silber) erkaufte die Stadt nach längerer Belagerung Schonung. Als sich aber die mit Kaiser Honorius angeknüpften Unterhandlungen zerschlugen, erschien A. 409 wieder vor Rom, dem er durch Einnahme Ostias die Zufuhr abschnitt, und das sich ihm daher willig fügte. Er setzte den Stadtpräfekten Attalus als Gegenkaiser ein. Als er aber mit diesem bald zerfiel, entthronte er ihn und erschien 410 zum drittenmal vor Rom; die Thore der zum Widerstand entschlossenen Stadt wurden dem A. in der Nacht durch Sklaven geöffnet, 24. Aug. 410 drangen die Goten ein, und es erfolgte nun eine sechstägige furchtbare Plünderung. A. zog dann nach Unteritalien, von wo aus er Sizilien und Afrika erobern wollte; unter Vorbereitungen zu diesem Zug starb er 410, erst 34jährig, in Cosenza. Der Sage [276] nach bestatteten ihn die Goten im Bette des Flusses Busento. Sein Nachfolger als König der Westgoten war sein Schwager Athaulf. Vgl. Simonis, Versuch einer Geschichte des A. (Götting. 1858); Eicken, Der Kampf der Westgoten und Römer unter A. (Leipz. 1876).

2) A. II., Sohn Eurichs, 484–507 König des westgotischen Reichs in Spanien und Südfrankreich. Obgleich er den zu ihm geflüchteten römischen Statthalter Syagrius dem Frankenkönig Chlodwig auslieferte, um nicht dessen Zorn auf sich zu ziehen, wurde er später doch von diesem angegriffen. A. wünschte den Kampf bis zur Ankunft der ostgotischen Hilfstruppen zu verschieben, ward aber von den Goten zur Schlacht gezwungen und bei Voullon in der Nähe von Poitiers von Chlodwig 507 besiegt und getötet. A. ließ, um die römischen Unterthanen für sich zu gewinnen, für diese ein eignes vortreffliches Gesetzbuch anfertigen, das Breviarium Alaricianum, welches noch lange in Südfrankreich im Gebrauch blieb.