MKL1888:Alaska

[276] Alaska (Aljaschka), Territorium der Vereinigten Staaten von Nordamerika, den nordwestlichsten Teil des Kontinents bildend, liegt im W. einer Linie, die sich vom Portlandkanal aus auf dem Kamm der Gebirge (oder in einer Entfernung von nicht über 55 km von der Küste) nach N. zieht und vom Berg St. Elias aus den 141. Meridian entlang zum Arktischen Ozean läuft. Das Areal beträgt 1,376,280 qkm (24,985 QM.) mit nur (1880) 35,426 Einw. Die der Küste vorlagernden Alexander- und Kadiakinseln sowohl als die Alëuten und die Inseln Prybilow, St. Matthäus und St. Lorenz im Beringsmeer bilden einen Teil des Territoriums. Geographisch gliedert sich dies weite Gebiet in zwei Teile, von denen der eine an den Stillen Ozean grenzt, während der andre jenseit der eine strenge Naturscheide bildenden Bergkette der Halbinsel A. liegt und bis in den Polarkreis hineinragt, wo die Barrowspitze (71°24′ nördl. Br.) am Arktischen Meer sein nördlichster Punkt ist. Vom Stillen Ozean aus steigen die dicht bewaldeten, vorherrschend der Kreideformation und Tertiärbildungen angehörigen, von vulkanischen Gesteinen durchbrochenen Gebirge steil an und erreichen in den weithin als Landmarken dienenden Bergen Fairweather (4483 m), St. Elias (4563 m) und Illäman (Iljaminsk, 3678 m) ihre Gipfelpunkte. Letzterer, an der Westseite der Cooksstraße gelegen, ist ein noch aktiver Vulkan und erhebt sich steil über dem Illämansee, der die Halbinsel A. fast vom Festland abschneidet. Eine heftige Eruption benachbarter Vulkane fand im Herbst 1883 statt. Das Klima ist hier zwar milder als an der Ostküste Asiens unter gleicher Breite, aber die Sommer sind so kühl und feucht, daß Getreidebau sich nirgends lohnt und nur Kartoffeln und einige Gemüse gedeihen. Sitka (57°3′ nördl. Br.) hat eine mittlere Jahrestemperatur von 6,5° C., und an 245 Tagen des Jahrs regnet oder schneit es oder herrscht dichter Nebel. Die Niederschläge belaufen sich auf 2100 mm. Im nördlichen A., vom gewaltigen Jukon (s. d.), dem wasserreichen Kuskokwim und dem gleichfalls bedeutenden, in den Hothamfjord des Kotzebuesunds mündenden Wun-na-tak durchzogen, kommen nur unbedeutende Höhenzüge vor. Das Klima ist ein kontinentales, und die Regen nehmen von der Küste nach dem Innern zu ab, der Schneefall aber nimmt zu. Fort Jukon am obern Jukon (66°34′ nördl. Breite) hat eine mittlere Temperatur von −8,4° C., St. Michael, an der Mündung des Flusses, von −1,5° C. – Holz, Pelztiere, Fische und Mineralien bilden den Reichtum dieses Landes. Die hohen, in ewigen Schnee eingehüllten und von Gletschern umringten Gebirge ausgenommen, ist fast das ganze Land bis 67° nördl. Br. ein ungeheurer Wald, in dem Weiß- und Pechtannen, Föhren, Zedern, Espen, Pappeln, Birken und Erlen den wesentlichen Bestandteil bilden. Gold gewinnt man in zunehmenden Mengen (1881: 13,000, 1882: 240,000 Doll.), Kupfer und Silber in geringen Quantitäten, und außerdem kommen Steinkohlen, Eisen und andre Metalle vor. Sehr wichtig sind die Fischereien, denn Fische bilden die Hauptnahrung der Bewohner. Noch wichtiger aber ist die Jagd auf die verschiedensten Pelztiere und namentlich auf Seehunde, deren Jagd die Alaskakompanie monopolisiert, die jährlich eine Pacht von 317,500 Doll. zahlt. Schon 1880 beschäftigten die Fischereien 6130 Personen und lieferten einen Ertrag von 2,661,640 Doll. Unter den 35,426 Bewohnern befinden sich 17,617 Inu-it oder Eskimo, 2145 Alëuten, 11,478 Indianer (Thlinkit oder Koloschen, Tinneh und Hyda), 1756 „Kreolen“ oder Mischlinge und 430 Weiße. A. hat noch keine Territorialregierung, sondern hängt vom Kommandierenden des pazifischen Militärbezirks ab. Sitka gilt als Hauptstadt. – Nachdem der Kosak Deschnew bereits 1648 und Bering 1728 durch die Beringsstraße gefahren waren, sah und besuchte Gwosdow zuerst die gegenüberliegende Küste (1730). Seine Entdeckung wurde durch Bering und Tschirikow (1741) und später von Cook (1778) weiter verfolgt. Rußland ergriff Besitz von dem neuentdeckten Gebiet, und die 1799 gegründete Russisch-Amerikanische Pelzkompanie monopolisierte Jagd und Handel, bis A. 1867 gegen Zahlung von 7,200,000 Doll. an die Vereinigten Staaten abgetreten wurde. Vgl. Dall, A. and its resources (Bost. 1880); Jackson, A. (New York 1880); Wardmann, A trip to A. (San Francisco 1884).


[12] Alaska. Eine Zählung der ortsanwesenden Bevölkerung 1890 nach 7 Zählbezirken ergab 30,329 Bewohner, darunter 4419 Weiße, 82 Neger, 1568 Mestizen, 22,135 Eingeborne und 2125 Chinesen. Die letzten sowie eine große Anzahl von Weißen und Negern sind indes nur vorübergehend anwesend zur Zubereitung der Salme und zum Walfischfang. Die Eingebornen sind zu 62 Proz. Eskimo, zu 31 Proz. Indianer, zu 7 Proz. Alëuten. Im südöstlichen Zählbezirk des Landes mit 1755 schulpflichtigen Personen bestanden 17 Schulen mit 1049 Lernenden. Seit 1880 ist die Zahl der Eingebornen um 5700 (20 Proz.) zurückgegangen. Seit der Besitzergreifung des Territoriums durch die Vereinigten Staaten 1867 um den Preis von 7,2 Mill. Doll. sind von dort für 33 Mill. Doll. Robbenfelle und für 16 Mill. Doll. andre kostbare Pelze verschifft worden. Der Wert der Lachsfischerei erreichte 7,5, der des Stockfischfanges 3 Mill. Doll.; auch der Heringsfang ist schon sehr bedeutend. Die Jagd auf Walfische und Walrosse an der Nordküste ergab 1890: 226,402 Pfund Fischbein, 3980 Pfund Elfenbein und 14,567 Faß Thran. Ferner hat A. seit 1868 für 4 Mill. Doll. Edelmetalle geliefert, 1890 allein für 700,000 Doll. Bedeutende Braunkohlenlager sind entdeckt worden, von denen die bisher allein in Angriff genommenen auf einer langen, schmalen Halbinsel die Walfischfahrer und Zolldampfer versorgen. Den Wert sämtlicher seit 1868 geförderter Erzeugnisse schätzt man auf 100 Mill. Doll. Und wenn auch bei der Massenabschlachtung der Pelztiere, besonders der Robben, die Quelle dieses Reichtums in nicht ferner Zeit zurückgehen muß, so wird doch die Fischerei noch lange reiche Erträge liefern. So wurden allein in Koruk, wo eine Fabrik 1100 Fischer und Einmacher beschäftigt, 200,000 Lachse, von denen einige bis 120 Pfund schwer waren, eingemacht. Der augenscheinlich große Goldreichtum des Gebiets ist bisher noch kaum erforscht worden. Vgl. Woodman, Picturesque Alasca (Boston 1890).