MKL1888:Analyse, chemische

[525] Analyse, chemische. Die chemische A. bezweckt die Ermittelung der Bestandteile eines Körpers und begnügt sich entweder mit der Nachweisung derselben (qualitative A.), oder bestimmt auch die Mengenverhältnisse nach Gewicht oder Volumen (quantitative A.). Die Ausführung der A. beruht im allgemeinen darauf, daß man den zu untersuchenden Stoff mit andern Körpern von bekannten Eigenschaften (Reagenzien) in Berührung bringt, um aus den hierbei auftretenden Erscheinungen (Reaktionen) auf das Vorhandensein dieses oder jenes Körpers zu schließen. Die Reagenzien sind Säuren, Basen oder Salze und meist so gewählt, daß sie die Gegenwart eines bestimmten Körpers durch die Bildung eines Niederschlags, also einer unlöslichen Verbindung, oder durch eine auffallende Färbung anzeigen. Gewisse Reagenzien verhalten sich gegen ganze Gruppen von chemischen Verbindungen oder Elementen übereinstimmend und gestatten also nicht von vornherein einen Schluß auf die Gegenwart eines einzelnen Körpers, wohl aber isolieren sie durch Bildung eines Niederschlags eine bestimmte Gruppe von Körpern, welche nun weiter untersucht werden kann. Soll aber der Schluß, welchen man aus den Reaktionen zieht, nicht falsch sein, so sind alle Verhältnisse genau zu erwägen und alle Bedingungen sorgfältig zu erfüllen, unter welchen die Reaktion deutlich erkennbar verläuft. Chemisch-analytische Arbeiten erfordern daher gute chemische Kenntnisse, und niemals wird der Ungeübte zuverlässige Resultate erzielen.

[Qualitative Analyse.] Bei der qualitativen A. handelt es sich oft nur um die Nachweisung eines einzigen Körpers in einer vorliegenden Substanz, z. B. bei Salpeter um die Nachweisung einer Verunreinigung mit Chlor. In diesem Fall genügt es, die Probe zu lösen, die Lösung zu filtrieren und einen Tropfen einer Lösung von salpetersaurem Silberoxyd hinzuzufügen. Entsteht hierbei ein käsiger, weißer Niederschlag, welcher am Licht schnell schwarz wird, so ist die Gegenwart von Chlor nachgewiesen, denn ein solcher Niederschlag wird nur durch Chlor hervorgebracht. Soll dagegen nachgewiesen werden, ob auch noch irgend welche andre Verunreinigungen im Salpeter vorkommen, so gestaltet sich die Prüfung schon komplizierter, und wenn es sich um die Bestimmung aller Bestandteile eines unbekannten Körpers handelt, so ist ein systematischer Gang erforderlich, wenn kein Bestandteil übersehen werden soll.

Zunächst stellt man eine Vorprüfung an, studiert die physikalischen Eigenschaften der Substanz, erhitzt eine Probe in einem engen, an einem Ende zugeschmolzenen dünnwandigen Glasrohr, erhitzt eine zweite Probe in einer an beiden Enden offenen, etwas schräg gehaltenen Glasröhre, um die Einwirkung der Luft bei erhöhter Temperatur kennen zu lernen, schmelzt eine andre Probe auf Platinblech mit Soda und Salpeter, erhitzt eine andre auf Kohle vor dem Lötrohr, wieder eine andre in der Reduktionsflamme des Lötrohrs und beobachtet das Verhalten der Substanz in einer Perle von Phosphorsalz oder Borax, zuerst in der oxydierenden, dann in der reduzierenden Lötrohrflamme. Statt der Lötrohrprobe kann man auch die Flammenreaktionen benutzen, indem man äußerst geringe Mengen der Substanz an haardünnen Platindrähten in bestimmten Teilen der nicht leuchtenden Flammen eines Bunsenschen Brenners erhitzt. Da die Flamme in ihren verschiedenen Teilen ungleiche Temperatur besitzt und an der einen Stelle reduzierend, an einer andern oxydierend wirkt, so lassen sich sehr viele Reaktionen mit oft weniger als 1 mg der Substanz hervorbringen, welche ziemlich vollständigen Aufschluß über die Bestandteile der Substanz geben. Am empfindlichsten und sichersten ist die spektroskopische Beobachtung (s. Spektralanalyse). Sehr oft reicht der bisher angegebene trockne Weg vollkommen aus, häufiger aber wird die A. auf nassem Weg ausgeführt, nachdem eine [526] trockne Vorprüfung vorhergegangen ist. Man bringt die Substanz durch Behandeln mit Wasser oder mit Säure in Lösung oder schließt sie, wenn man auf diese Weise keine vollkommene Lösung erreicht, zunächst durch Schmelzen mit kohlensaurem Kalinatron auf. Bei der Auflösung sind alle Erscheinungen, wie Entwickelung von Gasen etc., sorgfältig zu beachten. In die angesäuerte wässerige Lösung leitet man Schwefelwasserstoff, durch welchen Arsen, Zinn, Cadmium, Antimon, Gold, Platin, Quecksilber, Blei, Wismut, Silber, Kupfer als Schwefelmetalle gefällt werden; aus diesem ausgewaschenen Niederschlag löst Schwefelammonium Arsen, Antimon, Zinn, Gold, Platin, welche nach der Filtration aus ihrer Lösung durch Salzsäure wieder gefällt werden. Dieser Niederschlag kann also nur die genannten fünf Metalle als Schwefelverbindungen enthalten, und es gelingt leicht, sie nebeneinander zu erkennen. Kohlensaures Ammoniak löst von ihnen nur das Arsen; der Rückstand, mit Salpetersäure oxydiert, gibt an Weinsäure nur Antimon ab, während Zinn zurückbleibt. Auf Gold und Platin, die selten vorkommen, untersucht man nur, wenn die Lösung der Originalsubstanz gelb oder braun ist. Die in Schwefelammonium unlöslichen Metalle werden mit Salpetersäure erwärmt, welche nur Quecksilber ungelöst läßt; aus der salpetersauren Lösung fällt Schwefelsäure Blei, Salzsäure Silber; ist dies abfiltriert, so färbt überschüssiges Ammoniak die Flüssigkeit bei Gegenwart von Kupfer blau, und ein außerdem sich bildender Niederschlag deutet auf Wismut, nach dessen Entfernung fällt Kali Cadmiumoxyd, womit die Reihe dieser Metalle erschöpft ist. Die vom ersten Schwefelwasserstoffniederschlag abfiltrierte Flüssigkeit wird mit Ammoniak übersättigt und mit Schwefelammonium behandelt. Dadurch fallen Eisen, Nickel, Kobalt, Mangan, Chrom, Zink und Thonerde. Bei gelindem Erwärmen des ausgewaschenen Niederschlags mit Salzsäure bleiben nur Nickel und Kobalt ungelöst, aus der Lösung, die mit Salpetersäure vollständig oxydiert werden muß, fällt Ammoniak Eisen, Thonerde, Chrom. Von diesen dreien löst kochende Kalilauge die Thonerde; Chrom ist nur zugegen, wenn die Lösung intensiv grün oder violett gefärbt war; schmelzt man mit Salpeter, so wird es in Chromsäure verwandelt und gibt mit Wasser eine gelbe Lösung, während Eisen ungelöst zurückbleibt. Aus der vom Eisen-, Thonerde-, Chromniederschlag abfiltrierten Flüssigkeit wird beim Kochen mit Kali Mangan gefällt und, nachdem dies abfiltriert ist, durch Schwefelwasserstoff Zink. Die vom Schwefelammoniumniederschlag abfiltrierte Flüssigkeit wird mit Salzsäure angesäuert, anhaltend erwärmt, um Schwefelwasserstoff auszutreiben, vom ausgeschiedenen Schwefel abfiltriert, mit Ammoniak neutralisiert und mit kohlensaurem Ammoniak versetzt. Dabei fällt Kalk Baryt, Strontian, die leicht voneinander zu unterscheiden sind; aus einem Teil des Filtrats wird durch phosphorsaures Natron Magnesia gefällt, der andre Teil des Filtrats wird verdampft, geglüht und, wenn Magnesia vorhanden war, mit Salmiak gemengt und nochmals geglüht, dann wird die Masse mit Wasser ausgezogen und in einem Teil des Filtrats Kali durch Platinchlorid gefällt; ein andrer Teil wird verdampft und eine Probe davon an einem sehr reinen Platindraht in die Flamme des Lötrohrs gebracht, wobei gelbe Färbung Natron anzeigt. Ammoniak erkennt man durch den Geruch beim Erwärmen der Originalsubstanz mit Kalilauge. In ähnlicher Weise werden die Säuren nachgewiesen, von welchen mehrere schon bei der Voruntersuchung erkannt, andre durch die Gegenwart gewisser Metalle ausgeschlossen werden. Fand man z. B. in der wässerigen Lösung Baryt oder Blei, so kann keine Schwefelsäure, bei Gegenwart von Silber keine Salzsäure vorhanden sein etc.

Organische Substanzen, welche aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff bestehen, oft auch Schwefel, Phosphor, Chlor, Brom, Jod enthalten, hinterlassen beim Verbrennen nichtflüchtige Bestandteile als Asche, die in der gewöhnlichen Weise untersucht wird. Kohlenstoff ist meist an der Schwärzung der erhitzten Substanz erkennbar. Sicherer wird er nachgewiesen, wenn man die Substanz mit Kupferoxyd erhitzt, wobei der Kohlenstoff zu Kohlensäure oxydiert wird, die man in klares Barytwasser leitet, in welchem sie einen Niederschlag von kohlensaurem Baryt erzeugt. Zur Nachweisung von Stickstoff erhitzt man die Substanz mit Natronkalk und beobachtet, ob sich Ammoniak entwickelt etc.

[Quantitative Analyse.] Die quantitative A. setzt genaue Kenntnis der qualitativen Zusammensetzung des zu untersuchenden Körpers voraus; denn erst, wenn man alle etwa in einer Lösung vorhandenen Körper kennt, kann man daran gehen, die einzelnen in Form bestimmter, nicht leicht zersetzbarer, am besten unlöslicher Verbindungen abzuscheiden, um diese zu wägen und aus ihrer Zusammensetzung den Gehalt von dem zu bestimmenden Stoff zu ermitteln. Auch hierbei ist ein systematisches Verfahren notwendig, und noch viel mehr als die qualitative verlangt die quantitative A. umfassende chemische Kenntnisse, Umsicht und Übung. Das Verfahren richtet sich ganz nach dem vorliegenden Fall und muß oft durch das Vorhandensein eines bestimmten Körpers wesentlich modifiziert werden. Bei guter Ausführung gibt diese Methode der quantitativen A. (quantitative Gewichtsanalyse) das zuverlässigste Resultat und gewährt den Vorteil, daß die bestimmte Substanz greifbar erhalten wird und bei auftauchenden Zweifeln noch weiter auf ihre Reinheit geprüft werden kann. Dagegen kostet das Verfahren auch sehr viel Zeit und ist deshalb für viele Fälle durch die Maßanalyse verdrängt worden. Eine Bereicherung hat die quantitative A. durch Bestimmung der Metalle auf elektrolytischem Weg erfahren. Man bringt die Metalllösung in eine Platinschale, welche als negative Elektrode dient, und taucht als positive eine an einem starken Platindraht befestigte Platinplatte in die Lösung. Zur Erregung des Stroms benutzt man Elemente von Bunsen, Meidinger, Leclanché, eine thermoelektrische Säule oder eine Dynamomaschine. Das gefällte Metall wird ausgewaschen, mit Alkohol, dann mit Äther gespült und getrocknet. Diese Methode kann auch zur Trennung mehrerer in einer Lösung enthaltener Metalle benutzt werden. Die quantitative Untersuchung organischer Substanzen geschieht durch Elementaranalyse. Auch hier muß eine qualitative A. vorausgehen, um vor allem die Gegenwart von Schwefel, Phosphor, Chlor, Brom, Jod nachzuweisen, da dieselbe das Verfahren wesentlich modifiziert. Quantitativ bestimmt man diese Elemente nach geeigneter Zerstörung der organischen Substanz in dem Rückstand auf gewöhnliche Weise. Bei der Elementaranalyse handelt es sich hauptsächlich um Bestimmung von Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff. Die beiden erstern werden immer durch Oxydation bei hoher Temperatur in Kohlensäure und Wasser übergeführt, Stickstoff wird bei dieser Oxydation als solcher ausgetrieben und gemessen, oder er wird in einem besondern Verfahren durch Glühen [527] der Substanz mit Natronkalk in Ammoniak übergeführt, welches man in Säure auffängt und dann leicht quantitativ bestimmen kann. Der Sauerstoff wird stets aus der Differenz berechnet. Die Ausführung der Elementaranalyse erfordert die allergrößte Umsicht. Eine genau abgewogene Menge, die höchst sorgfältig gereinigt und getrocknet ist, wird mit frisch geglühtem Kupferoxyd sorgfältig gemengt und so in ein 0,6–0,7 m langes, schwerschmelzbares Glasrohr (Verbrennungsrohr) gebracht, daß an beiden Enden des Rohrs reines gekörntes Kupferoxyd und in der Mitte die Mischung von pulverigem Kupferoxyd mit der organischen Substanz liegen. Das Rohr ist an einem Ende in eine Spitze ausgezogen und zugeschmolzen, am andern Ende mit einem durchbohrten Kork versehen, in welchem ein gewogenes Chlorcalciumrohr steckt; letzteres steht mit einem Kugelapparat in Verbindung, welcher konzentrierte Kalilauge enthält. Bei geeignetem Erhitzen des Verbrennungsrohrs wird durch den Sauerstoff des Kupferoxyds die organische Substanz vollständig verbrannt, Wasserdampf und Kohlensäure entweichen, und ersterer wird im Chlorcalciumrohr, letztere im Kaliapparat vollständig absorbiert. Ist bei lebhafter Rotglut die Verbrennung vollendet, so bricht man die ausgezogene Spitze des Verbrennungsrohrs ab, saugt noch einen getrockneten Luftstrom durch das Rohr, um die darin enthaltenen Gase in die Absorptionsapparate zu bringen, und wägt schließlich letztere. Die Gewichtszunahme ergibt die Menge des gebildeten Wassers und der Kohlensäure, woraus sich der vorhanden gewesene Kohlenstoff und Wasserstoff leicht bemessen läßt. Die Stickstoffbestimmung mit Natronkalk wird in einem ganz ähnlichen Apparat ausgeführt.

[Maßanalyse.] Während die gewöhnliche quantitative A. die in einer Substanz enthaltenen Elemente mühsam in Form von bestimmten Verbindungen abscheidet und wägt, gelangt die volumetrische oder titrimetrische A. (Titriermethode oder Maßanalyse) weit schneller zum Ziel, indem sie mit Flüssigkeiten, deren Gehalt an gewissen Reagenzien genau bekannt ist, arbeitet und untersucht, wie viele Maßteile von diesen Flüssigkeiten zur Erzielung eines bestimmten Effekts verbraucht werden. Die Maßanalyse ist in dem Augenblick am Ziel, wo für die Gewichtsanalyse die mühsamste und zeitraubendste Arbeit erst beginnt. Ist z. B. in einer Lösung von salpetersaurem Silberoxyd der Silbergehalt zu bestimmen, so fällt man bei der Gewichtsanalyse durch Zusatz einer Chlorverbindung das Silber als unlösliches Chlorsilber und hat dieses nun auszuwaschen, zu trocknen, zu glühen und zu wägen. Nach der Titriermethode läßt man dagegen eine Chlornatriumlösung von bestimmtem Gehalt aus einer Bürette vorsichtig zu der Silberlösung fließen und sperrt den Zufluß bei dem ersten Tropfen, welcher keinen Niederschlag von Chlorsilber mehr erzeugt, also in dem Augenblick, wo das Silber vollständig gefällt ist. Damit ist die Arbeit gethan, man liest von der Bürette ab, wieviel Chlornatriumlösung verbraucht ist, und berechnet daraus, wieviel Silber in Form von Chlorsilber gefällt ist. Die zur Ausführung der Maßanalyse benutzten Büretten werden senkrecht aufgestellt und unten mittels eines kurzen Kautschukrohrs mit einem engen Ausflußröhrchen versehen. Das Kautschukrohr ist durch einen Quetschhahn leicht zu öffnen und zu verschließen. Die Reagenslösungen (Maßflüssigkeiten, Normallösungen) werden vorrätig gehalten, und in besondern Operationen und ein für allemal wird der Wirkungswert der Quantitätseinheit, der Titer, festgestellt. Solcher Lösungen bedarf man nicht sehr viele, denn man weiß bei der Maßanalyse gewisse Reaktionen so geschickt zu benutzen, daß man mit Hilfe derselben eine große Reihe von Körpern quantitativ bestimmen kann. Bei der Maßanalyse wird aber keineswegs immer ein Niederschlag erzeugt, vielmehr erkennt man in der Regel das Ende des chemischen Prozesses an einer Farbenveränderung, welche in der Flüssigkeit selbst durch sogen. Indikatoren (Lackmus, übermangansaures Kali, Bildung von Jodstärke etc.) hervorgebracht wird, oder man tupft mit einem in die zu untersuchende Flüssigkeit getauchten Glasstab auf ein geeignetes Reagenzpapier. Die Maßanalyse ist nicht bestimmt, die Gewichtsanalyse zu verdrängen, sondern zu ergänzen. Manche Bestimmungen sind überhaupt nur gewichtsanalytisch auszuführen, und vor allem besitzt die Maßanalyse, wenn sie auch in vielen Fällen die Genauigkeit der Gewichtsanalyse erreicht, den Nachteil, daß sie eigentlich niemals den zu bestimmenden Körper, sondern nur eine seiner chemischen Eigenschaften ins Auge faßt, welche selten diesem allein und ausschließlich zukommt. Ein der Methode inhärierender Fehler wird daher im allgemeinen leichter übersehen als bei der direkten Gewichtsanalyse. Den größten Wert besitzt die Maßanalyse wegen der Schnelligkeit ihrer Operation für die Technik und für solche Fälle, wo es darauf ankommt, durch zahlreiche Bestimmungen den Gang eines Prozesses beständig zu kontrollieren.

[Gasanalyse.] Volumetrisch wird auch die Bestimmung der Bestandteile eines Gasgemenges ausgeführt. Diese eudiometrische (gasometrische, gasvolumetrische) A. (Eudiometrie, Gasometrie) beruht auf successiver Anwendung von Absorptionsmitteln (Wasser, Schwefelsäure, Kalilauge, Kalihydrat, Pyrogallussäure in Kalilauge gelöst, Kupferchlorür in Salzsäure oder Ammoniak gelöst, Vitriolöl, Schwefelsäureanhydrid, Brom, Eisenvitriol, Braunstein etc.), welche gewisse Gase aus dem Gasgemenge absorbieren. Indem man diese Körper in geregelter Folge in das Gasgemenge bringt, kann man einen Bestandteil desselben nach dem andern fortnehmen und, wenn sich das Gas in einer Maßröhre befindet, zugleich die Volumina der verschwundenen Gase bestimmen. Handelt es sich um die Untersuchung eines verbrennlichen Gasgemisches, so bringt man zu einem bekannten, über Quecksilber abgesperrten Volumen ein bekanntes überschüssiges Volumen von Sauerstoff oder Wasserstoff (je nach der Natur des zu bestimmenden Gases), entzündet das Gemisch in einem verschlossenen Maßrohr mittels des elektrischen Funkens, bestimmt die Verbrennungsprodukte und berechnet aus den Volumveränderungen die Quantität der verbrannten Gase.

[Andre Methoden.] Ein wichtiges Hilfsmittel bei der chemischen A. ist das Mikroskop, doch erfordert die Untersuchung mikroskopischer Objekte besondere Methoden. Die mikrochemische A. liefert vorzüglich bei vegetabilischen und animalischen Substanzen erwünschte Aufschlüsse und wird jetzt auch in der Geologie vielfach angewendet. Man benutzt dabei besonders solche Reagenzien, welche gewisse Stoffe, z. B. Stärkekörner, Cellulose, Proteinkörper, intensiv färben, und erlangt dadurch oft das einzige Mittel, die nähere Zusammensetzung der Gewebe kennen zu lernen. Auch die kleinsten Kristalle können mit dem Mikroskop unterschieden werden, und zur Winkelmessung an denselben ist ein Mikrogoniometer konstruiert worden. Vielseitige Anwendung findet das Mikroskop besonders in der zoochemischen A., welche die chemischen [528] Bestandteile tierischer Materien erforscht und wegen des oft wenig ausgeprägten Charakters der hier in Frage kommenden Verbindungen und der leichten Veränderlichkeit derselben wohl die schwierigste Disziplin der chemischen A. ist. Sie bedient sich daher auch aller irgend zugänglichen Hilfsmittel, z. B. auch der Dialyse, welche zur Trennung von Substanzen die verschiedene Diffusionsfähigkeit derselben benutzt. Durch eine Membran von reinem Wasser getrennt, treten aus der zu untersuchenden Substanz in das letztere besonders kristallisierbare Stoffe (s. Alkaloide etc.) über, während eiweißartige Stoffe, Gummi, Schleim etc., durch die Membran nicht hindurchtreten. Diese Materien hindern aber sehr wesentlich den Verlauf vieler Reaktionen, daher ist dies Verfahren von großem Wert für die Nachweisung von Alkaloiden bei der gerichtlichen A.

Ein eigentümliches Verfahren, in einem Gemisch zweier ähnlicher Körper die Menge eines jeden zu bestimmen, befolgt die indirekte A. Während man z. B. aus einem Gemisch von Kali- und Natronsalz nach dem gewöhnlichen Verfahren das Kali durch ein Fällungsmittel abscheiden würde, um es für sich zu wägen, führt die indirekte A. beide Körper, ohne sie voneinander zu trennen, in eine andre Verbindung über und berechnet aus der Quantität der letztern mit Hilfe der Äquivalentgewichte die Menge eines jeden Körpers. Man benutzt dieses Verfahren in den Fällen, wo die Trennung zweier Substanzen mit Schwierigkeiten verbunden ist, z. B. zur Bestimmung kleinerer Mengen von Brom- oder Jodverbindungen in Chlorverbindungen. Man fällt die Chlor- und Bromverbindungen gleichzeitig durch ein bekanntes Quantum von salpetersaurem Silberoxyd, und aus dem Gewicht des erhaltenen Gemenges von Chlor- und Bromsilber, verglichen mit der Menge reinen Chlorsilbers, welches die angewandte Silberquantität der Rechnung nach hätte liefern müssen, erhält man die Menge des vorhandenen Broms. Auch auf Alkalien und andre Basen sowie auf Säuregemische ist die indirekte A. anwendbar, jedoch mit der Beschränkung, daß die zu bestimmenden Körper hinreichend verschiedene Atomgewichte besitzen müssen. Je größer die Differenz ist, um so größer ist die zu erreichende Genauigkeit.

Endlich sind noch analytische Methoden zu erwähnen, welche nur physikalische Verhältnisse in Betracht ziehen. Die densimetrische A. ermittelt das spezifische Gewicht von Flüssigkeiten und berechnet daraus den Gehalt der letztern an einem bestimmten Körper, wobei aber vorausgesetzt wird, daß kein andrer Körper in der Lösung vorhanden ist. Das gebräuchlichste Instrument für diese Zwecke ist das Aräometer. Auch auf feste Körper ist die densimetrische A. anwendbar, da man z. B. aus dem spezifischen Gewicht der Kartoffeln auf deren Stärkemehlgehalt schließen kann. Die kolorimetrische A. bestimmt die Menge eines Körpers aus der Intensität einer durch diesen Körper gefärbten Lösung. Hat man eine Normallösung von bekanntem Gehalt, so kann man die zu untersuchende Lösung mit derselben in der Weise vergleichen, daß man die Dicke der Schicht so lange verändert, bis gleiche Intensität erzielt ist, oder man verdünnt die Probeflüssigkeit, bis gleich dicke Schichten von ihr und der Normallösung gleiche Intensität zeigen. Für beide Methoden sind Apparate konstruiert worden, und besondere Ausbildung hat die kolorimetrische A. zur Bestimmung von Metallen, zur Untersuchung von Farbstoffen und von Sirupen und Säften in der Zuckerfabrikation erfahren; eine ganze Reihe von Methoden stützt sich auf die Bestimmung der braunen Farbe, mit der Jod in Jodkalium sich löst. Alle Reaktionen, bei denen das Jod in einer Jodkaliumlösung zum Teil frei gemacht wird, können so quantitativ verfolgt werden. Auch der Fettgehalt der Milch ist auf optischem Weg bestimmbar. Im Anschluß hieran ist der Ermittelung des Polarisationsvermögens von Flüssigkeiten zu gedenken, welche besonders zur Bestimmung des Zuckergehalts der Rüben, des Rohzuckers etc. in Anwendung kommt. Auch das Lichtbrechungsvermögen von Lösungen oder Mischungen gestattet einen Schluß auf deren quantitative Zusammensetzung. Wenig genau, aber doch für technische Zwecke bisweilen recht brauchbar ist die sogen. thermometrische A., bei welcher man den bei einer bestimmten Reaktion und unter bestimmten Verhältnissen hervorgebrachten meßbaren Wärmeeffekt zu quantitativen Bestimmungen verwertet. Erniedrigen zwei Salze bei ihrer Lösung in Wasser die Temperatur in ungleichem Maße, so kann die Zusammensetzung eines Gemisches der Salze ermittelt werden, wenn man die von demselben hervorgebrachte Temperaturerniedrigung mit dem Thermometer mißt. Das Verfahren ist sehr einfach und fördernd und bei der Alaun- und Salpeterfabrikation gut anwendbar. Noch wertvoller aber ist die Methode für die sonst so schwierige Unterscheidung der fetten Öle, welche sich beim Vermischen mit konzentrierter Schwefelsäure sehr ungleich erwärmen. Man muß aber beachten, daß bei der thermometrischen A. geringe Umstände, wie Schnelligkeit der Reaktion, Größe und Masse der Gefäße etc., wesentliche Abweichungen hervorbringen können, wenn man nicht stets alle Umstände möglichst gleich macht.

Als selbständiger Zweig der chemischen A. hat sich die Spektralanalyse ausgebildet, welche aber nicht nur die Flammenfärbungen und ihre Spektrallinien berücksichtigt, sondern auch die Veränderungen, welche ein durch eine Beleuchtungsflamme hervorgerufenes kontinuierliches Spektrum erleidet, wenn man das von der Flamme ausgehende Licht, bevor es in das Prisma tritt, durch eine nicht zu dicke Schicht der Lösung des zu untersuchenden Stoffes gehen läßt. Das Spektrum erscheint in solchem Fall nicht mehr kontinuierlich, sondern zeigt an bestimmten Stellen dunkle Streifen (Absorptionsstreifen, Spektralbänder), welche durch Lichtabsorption hervorgerufen werden, die in den verschiedenen Teilen des Spektrums eine verschieden starke ist. Diese Streifen sind durch ihre Zahl, Breite, Begrenzung und durch ihre unveränderliche Lage für die betreffenden Stoffe charakteristisch. Man hat mit diesem Hilfsmittel gerade solche Stoffe nachweisbar gemacht, welche sonst der chemischen A. äußerst schwer zugänglich sind. Weiteres s. Spektralanalyse.

Litteratur. I. A. im allgemeinen und qualitative A.: Rammelsberg, Leitfaden für die qualitative chemische A. (5. Aufl., Berl. 1867); Zettnow, Anleitung zur qualitativen chemischen A. ohne Anwendung von Schwefelwasserstoff (das. 1867); Wartha, Die qualitative chemische A. mit Anwendung der Bunsenschen Flammenreaktionen (Zür. 1867); Will, Anleitung zur chemischen A. (12. Aufl., Leipz. 1883); Derselbe, Tafeln zur qualitativen chemischen A. (12. Aufl., das. 1883); Beilstein, Anleitung zur qualitativen chemischen A. (5. Aufl., das. 1882); Fresenius, Anleitung zur qualitativen chemischen A. (14. Aufl., Braunschw. 1874); Sonnenschein, Handbuch der analytischen Chemie; qualitative A. [529] (Berl. 1870); Städeler, Leitfaden für die qualitative A. (8. Aufl., Zür. 1883); Wittstein, Anleitung zur A. von Pflanzen und Pflanzenteilen auf organische Bestandteile (Nördling. 1868); Hoppe-Seyler, Handbuch der physiologischen und pathologischen chemischen A. (3. Aufl., Berl. 1870); Gorup-Besanez, Anleitung zur qualitativen und quantitativen chemischen A. (3. Aufl., Braunschw. 1871); Bolley, Handbuch der technisch-chemischen Untersuchungen (5. Aufl., Leipz. 1879); Duflos, Handbuch der angewandten A. (4. Aufl., Bresl. 1871); Hager, Untersuchungen (2. Aufl., Leipz. 1881 ff., 2 Bde.); Kerl, Leitfaden bei qualitativen und quantitativen Lötrohruntersuchungen (2. Aufl., Klausthal 1877); Scheerer, Lötrohrbuch (2. Aufl., Braunschw. 1857). – II. Quantitative A.: Fresenius, Anleitung zur quantitativen chemischen A. (6. Aufl., Braunschw. 1872–84, 2 Bde.); Rammelsberg, Leitfaden für die quantitative chemische A. (2. Aufl., Berl. 1863); Rose, Ausführliches Handbuch der analytischen Chemie (6. Aufl., Leipz. 1867–71, 2 Bde.); Sonnenschein, Handbuch der analytischen Chemie; quantitative A. (Berl. 1871); Bunsen, Gasometrische Methoden (2. Aufl., Braunschw. 1877); Winkler, Technische Gasanalyse (Freiberg 1884). Maßanalyse: Mohr, Lehrbuch der chemischen Titriermethode (5. Aufl., Braunschw. 1877); Fleischer, Titriermethode (3. Aufl., Leipz. 1884); Rieth, Die Volumetrie (Bonn 1871); Derselbe, Volumetrische A. (Hamb. 1883). – III. Gerichtliche A.: Duflos, Prüfung chemischer Gifte (Bresl. 1867); Derselbe, Handbuch der angewandten gerichtlichen chemischen A. der chemischen Gifte das. 1873); Dragendorff, Gerichtlich-chemische Ermittelung von Giften (2. Aufl., Petersb. 1876); Otto, Anleitung zur Ausmittelung der Gifte und zur Erkennung der Blutflecke (6. Aufl., Braunschw. 1882). „Zeitschr. für analytische Chemie“, hrsg. von Fresenius (Wiesbad., seit 1864); „Repertorium für analytische Chemie“, redigiert von Skalweit (Hamb., seit 1881).