MKL1888:Apolda

[683] Apolda, Fabrikstadt im Großherzogtum Sachsen-Weimar, liegt 11 km nordöstlich von Weimar, an der Thüringischen Eisenbahn und am Zusammenfluß des Schöter- und des Herresser Baches (Nebengewässer der Ilm) und hat (1880) 15,630 meist ev. Einwohner. A. ist in industrieller Hinsicht in rapidem Aufschwung begriffen und bildet namentlich für die Fabrikation wollener Strumpf- und Webwaren einen der wichtigsten Plätze Deutschlands. Dieselbe wird teils in großartigen Fabrikgebäuden (in den größern Etablissements von Chr. Zimmermann u. Sohn, Miltsch, Spör u. Francke mit Dampf), teils durch Handarbeit betrieben und beschäftigt etwa 7000 Arbeiter und Arbeiterinnen in und bei A. Die Zahl der arbeitenden Web- und Wirkstühle aller Art, Posamentierstühle und Nähmaschinen wird zu 1600 angegeben, und der jährliche Bezug von Garnen berechnet sich auf 18-20,000 Ztr., woraus ca. 20,000 Ztr. Strumpf- und Webwaren aller Art gefertigt und ein Umsatz von etwa 12 Mill. Mk. erzielt wird. Außerdem hat A. eine bedeutende Fleischwarenfabrik, eine Fabrik für Konditoreiwaren, eine Kistenfabrik, bedeutende Dampffärbereien, 3 mit Eisengießerei verbundene Maschinenfabriken, 2 Glockengießereien, Gas- und Wasserleitung. A. ist Sitz der Direktion des zweiten Verwaltungsbezirks des Landes und eines Amtsgerichts und besitzt eine Realschule. Das Schloß und Rittergut von A., ursprünglich eine Besizung der Schenken von Vargula und Tautenburg, später der Herren von Vitzthum, gehört seit 1633 der Universität Jena. Vgl. Kronfeld, Geschichte und Beschreibung der Fabrik- und Handelsstadt A. (Apolda 1870).