MKL1888:Bäuerle
[467] Bäuerle, A. Adolf, Lustspiel- und Romandichter, geb. 9. April 1784 zu Wien, trat schon in seinem 18. Jahr mit dem Ritterroman „Siegmund der Stählerne“ (Wien 1802) als Schriftsteller auf und begründete zwei Jahre später die „Wiener Theaterzeitung“, die bis 1847 das verbreitetste Blatt der österreichischen Monarchie war. Von 1809 bis 1828 bekleidete er das Amt eines Sekretärs am Leopoldstädter Theater und widmete sich während dieser Zeit mit vielem Glück dem Wiener Volkstheater. In seinem Stück „Die Berliner in Wien“ (1813) trat er zuerst mit der nachher stehend gewordenen Figur des „Staberl“ auf, welche die Gestalten des „Kasperl“ und „Thaddädl“ von der Volksbühne verdrängte. Unter seinen zahlreichen Stücken sind „Der Leopoldstag“ (1814), „Der verwunschene Prinz“ (1818), „Die falsche Primadonna“ (1818), „Die moderne Wirtschaft“ (1818), „Der Tausendsasa“ (1820), „Der Freund in der Not“, „Werthers Leiden“ (Parodie) auch außerhalb Österreichs bekannt geworden. In Bäuerles „Komischem Theater“ (Pest 1820–26, 6 Bde.) ist nur die kleinere Hälfte seiner Arbeiten für die Bühne enthalten. Die Reihe derselben bricht mit „Der Mann mit Millionen“ (1829) ab und beginnt erst 1840 wieder, um mit „Ein Sonderling in Wien“ (1841) für immer abzuschließen. Die Helden der Bäuerleschen Possen zeichnen sich meist durch kräftig einschlagenden Witz aus; aber die Gemütlichkeit, der Grundton der Stücke, ist nicht bloß zu breit, sondern auch zu seicht. Mit dem Jahr 1848 verlor B. mit seinem Organ das bereits gesunkene Ansehen. Um seine Existenz zu sichern, betrat er ein neues Feld litterarischer Thätigkeit und ward seit 1852 mit seinen Romanen: „Therese Krones“ [468] (Wien 1855) und „Ferdinand Raimund“ (das. 1855), die unter dem Pseudonym Otto Horn erschienen, der Begründer eines Wiener Lokalromans, der seinen eigentümlich prickelnden Reiz nur dadurch erhält, daß er Tragödien aus der Welt der Posse bietet. Weniger Interesse erregten: „Aus den Geheimnissen eines Wiener Advokaten“ (Wien 1854); „Wien vor zwanzig Jahren“ (das. 1855); „Die Dame mit dem Totenkopf in Wien“ (das. 1855); „Das eingemauerte Mädchen“ (das. 1857) u. a. Von seinen „Memoiren“ erschien nur der erste Band (Wien 1858). B. starb 20. Sept. 1859 auf der Durchreise zu Basel. – Seine Gattin Katharina, geborne Ennöckl, gest. 1869, war einst eine beliebte Schauspielerin am Leopoldstädter Theater.