MKL1888:Bauernfeind

[468] Bauernfeind, Karl Maximilian von, Ingenieur und Geodät, geb. 28. Nov. 1818 zu Arzberg in Oberfranken, besuchte seit 1836 die polytechnische Schule zu Nürnberg, studierte seit 1838 in München Mathematik und Physik, besuchte 1840–41 den Ingenieurkursus an der polytechnischen Schule daselbst und absolvierte 1841 die Staatsprüfung. 1844 als Hilfslehrer an die Ingenieurschule in München berufen, funktionierte er nebenbei als Ingenieur der obersten Baubehörde und, nachdem er 1846 zum außerordentlichen Professor ernannt war, bis 1851 als Ingenieur bei der Generaldirektion der Staatseisenbahnen. 1851 wurde er ordentlicher Professor der Geodäsie und Ingenieurwissenschaften und Konservator der technischen Sammlungen an der polytechnischen Schule, und 1858 trat er als Regierungs- und Baurat in das Oberbaukollegium. 1846 gab er eine analytische Bearbeitung der Paulischen Theorie der Brückengewölbe, welche für die Berechnung der Brückengewölbe lange Zeit maßgebend war, und 1851 erfand er das Prismenkreuz, ein neues Meßinstrument, welches in kurzer Zeit allgemeine Verbreitung fand. Auf Grund dieser Erfindung und einer Arbeit über die Planimeter von Ernst, Wetli und Hansen (1853) wurde B. von der Universität Erlangen zum Doktor der Philosophie ernannt. Seine „Elemente der Vermessungskunde“ (Stuttg. 1856–58, 2 Bde.; 6. Aufl. 1879) waren für das ganze Gebiet, welches hier zum erstenmal eine wissenschaftliche Behandlung und systematische Ordnung erfuhr, epochemachend. 1857 unternahm er in den Bayrischen Alpen barometrische Höhenmessungen, durch welche zuerst der Einfluß der Wärmestrahlung des Bodens erkannt wurde; 1864 und 1866 veröffentlichte er eine wichtige Arbeit über die atmosphärische Strahlenbrechung. 1867 vertrat er Bayern auf der allgemeinen Konferenz der europäischen Gradmessung in Berlin und übernahm das Rektorat der damals nach seinem Plan reorganisierten polytechnischen Schule, die im folgenden Jahr in eine technische Hochschule umgewandelt wurde. 1874 trat er als ausübender Direktor zurück, nachdem ihm schon im Vorjahr der persönliche Adel verliehen und er zum Mitglied des obersten Schulrats im Kultusministerium ernannt worden war, wirkte aber als Professor und Vorstand der Ingenieurabteilung des Polytechnikums fort. Seit 1871 gehört B. auch als Vizepräsident der permanenten Kommission der europäischen Gradmessung an. Er schrieb noch: „Die bayrischen Staatseisenbahnen in Beziehung auf Geschichte, Technik und Betrieb“ (Nürnb. 1845–47); „Vorlegeblätter zur Straßen- und Eisenbahnkunde“ (Münch. 1856); „Zur Brückenbaukunde“ (das. 1854; 3. Bearbeitung von Frauenholz und Asimont, 1878, 2 Bde.); „Beobachtungen und Untersuchungen über die Genauigkeit barometrischer Höhenmessungen“ (Stuttg. 1862); „Das bayrische Präzisionsnivellement“ (Münch. 1870–79, 5 Hefte).