MKL1888:Bauernfeld
[468] Bauernfeld, Eduard von, Bühnendichter und Schriftsteller, geb. 13. Jan. 1802 zu Wien, gelangte nach einer in Dürftigkeit verlebten Jugend zum Studium der Rechte (in Wien) und erhielt dann eine Stelle bei der niederösterreichischen Regierung, später bei der Hofkammer, zuletzt (1843) bei der Lotteriedirektion. Die „Pia desideria eines österreichischen Schriftstellers“, die er 1842 veröffentlicht hatte, waren wohl der Grund, daß er in einer untergeordneten Stellung verblieb. Nachdem er in London und Paris freiere Staatszustände kennen gelernt, entschloß er sich, den österreichischen Staatsdienst zu verlassen, ließ sich aber durch die Versicherung, daß Reformen im Werk seien, doch festhalten. In den Märztagen 1848 suchte er im Verein mit Auersperg durch seine Popularität und durch seinen Einfluß bei dem Erzherzog-Palatin die Bewegung in ruhigere Bahnen zu lenken. Die Tag und Nacht andauernden Anstrengungen jener verhängnisvollen Zeit hatten aber eine Gehirnentzündung zur Folge, so daß er unter anderm die Wahl in das deutsche Reichsparlament ablehnen mußte. Seitdem lebte er in stiller Zurückgezogenheit in Wien. B. ist der fruchtbarste dramatische Dichter österreichisch-deutscher Zunge. Was er sonst geschrieben hat (Lyrisches: „Gedichte“, 2. Aufl., Leipz. 1856; Humoristisches: „Ein Buch von einer Wienerin in lustig gemütlichen Reimlein“ von Rusticocampus, Wien 1856; „Wiener Einfälle und Ausfälle“, das. 1852, etc.), kommt kaum in Betracht neben der dramatischen Thätigkeit, obschon vielleicht gerade diese es verschuldet, daß der lyrischen Begabung des Dichters (z. B. in dem an gedankenvollen Anschauungen reichen „Poetischen Tagebuch“) zu wenig gedacht wird. Besonders sind es seine dem modernen Leben entnommenen, durch belebten Dialog und heitere Laune ausgezeichneten Lustspiele, welchen er seinen wohlverdienten Ruhm verdankt. Als die bekanntesten und wirkungsvollsten nennen wir: „Leichtsinn aus Liebe“ (1831), „Bekenntnisse“ (1834), „Bürgerlich und Romantisch“ (1835), „Großjährig“ (1846); ferner: „Das Liebesprotokoll“ (1831), „Helene“ (1833), „Das Tagebuch“ (1836), „Ein deutscher Krieger“ (1844) und aus späterer Zeit: „Aus der Gesellschaft“ (1866) und „Moderne Jugend“ (1868). Seine „Gesammelten Schriften“ erschienen zu Wien 1871–1873 in 12 Bänden, deren letzter auch Bauernfelds Memoiren unter dem Titel: „Aus Alt- und Neu-Wien“ enthält. Später sind noch hinzugekommen die Lustspiele: „Die Verlassenen“ (1878) und „Mädchenrache“ (1881), die Tragikomödie „Des Alcibiades Ausgang“ (1882), der Roman „Die Freigelassenen. Bildungsgeschichte aus Österreich“ (Berl. 1875, 2 Bde.) und die satirische Dichtung „Aus der Mappe des alten Fabulisten“ (Wien 1879).
[91] Bauernfeld, Eduard von, Schriftsteller, starb 9. Aug. 1890 in Wien.