MKL1888:Bauhin

[478] Bauhin (spr. bo-äng), Kaspar, Botaniker, geb. 17. Jan. 1560 zu Basel, studierte daselbst, in Padua und Montpellier, bereiste Südfrankreich, Italien und Deutschland und ward 1588 in seiner Vaterstadt Professor der Botanik und Anatomie und 1614 Professor der Medizin und erster Stadtarzt. Er starb 5. Dez. 1624 daselbst. B. stand die damals bekannte Flora von ganz Europa zu Gebote. Mit ihm gelangte die Periode der sogen. Väter der Botanik zum Abschluß, sowohl betreffs der Namengebung und Einzelbeschreibung als auch bezüglich der Anordnung nach habituellen Ähnlichkeiten. Er führte zuerst die Unterscheidung von Spezies und Gattung vollständig durch und schuf die binäre Nomenklatur. Dagegen fehlen bei ihm noch die Diagnosen der Gattungen. In der Anordnung der Pflanzen legte er großen Wert auf die natürliche Verwandtschaft. Seine Hauptwerke [479] sind: „Phytopinax“ (Bas. 1596), ein Verzeichnis von 2460 Pflanzen, wovon aber nur der 1. Teil erschien; „Prodromus theatri botanici“ (Frankf. 1620, mit 250 neuen Pflanzen; 2. Aufl., Bas. 1671), „Pinax theatri botanici“ (das. 1623, neu aufgelegt 1671 u. 1735). Aus seinem berühmten „Theatrum anatomicum“ (Frankf. 1605; vermehrte Aufl., das. 1621; die Kupfer daraus wurden mit einigen Zusätzen von M. Merian allein herausgegeben, das. 1640) erhellt am vollständigsten der Stand der Anatomie zu Anfang des 17. Jahrh. Sein „Theatri botanici liber unicus“ wurde von seinem Bruder und Nachfolger Johannes Kaspar B., geb. 1541 zu Basel, gestorben als Leibarzt Herzog Ulrichs von Württemberg in Mömpelgard 1613, zu Basel 1658 herausgegeben. Vgl. Heß, Kaspar Bauhins Leben und Charakter (Bas. 1860).