MKL1888:Beere

[603] Beere (lat. Bacca), mehr oder minder fleischige und saftige, im Zustand der Reife nicht aufspringende Frucht, bei der die innern Schichten des Fruchtgehäuses ebenfalls aus fleischigem oder saftigem Gewebe bestehen, während die äußern Schichten derselben derber sind, zum Unterschied von der Steinbeere oder Steinfrucht, bei welcher der innere Teil hart und trocken ist, wie bei der Kirsche. Beeren sind z. B. die Früchte der Weinrebe, der Stachel- und Johannisbeere, des Nachtschattens etc. Die B. ist bald ein-, bald mehrfächerig, bald ein-, bald zwei-, drei-, bald vielsamig. Ihr saftiges Zellgewebe wird entweder vorzugsweise vom Fruchtgehäuse und von den Scheidewänden oder hauptsächlich vom Samenträger, wie z. B. beim Nachtschatten (Solanum), gebildet, oder es besteht vornehmlich aus einem erst während des Reifens innerhalb der Fruchtfächer erzeugten neuen Zellgewebe (Fruchtbrei, pulpa), wie bei der Gurke und Zitrone. Oft nennt man im gewöhnlichen Sprachgebrauch eine Frucht B., welche im botanischen Sinn keine solche ist, wie z. B. die Erdbeere, bei welcher der größere Teil der aufgeschwollene und saftig gewordene Fruchtboden ist, in welchem die kleinen Früchte stecken, oder wie die Maulbeere, welche einen ganzen Blütenstand darstellt, indem die Perigone der kleinen Blüten eine fleischige Masse bilden, in welcher erst die kleinen, nußartigen Früchte eingesenkt liegen. Derartige Früchte und Fruchtstände heißen Scheinbeeren. Dagegen ist im botanischen Sinn manche Frucht eine B., welche der gewöhnliche Sprachgebrauch nicht so nennt, z. B. der Granatapfel, die Kürbis- und Gurkenfrucht u. a.