MKL1888:Blankenburg

[1004] Blankenburg, 1) Kreisstadt im Herzogtum Braunschweig, am Nordrand des Unterharzes (234 m hoch) und an der Eisenbahn Halberstadt-B., ist durch die nach dem Brand von 1836 aufgeführten Neubauten eine sehr freundliche Stadt geworden, hat 2 evangelische und 1 kath. Kirche, 1 Schloß auf dem Blankenstein, einem 337 m hohen Kalksteinfelsen, mit Tiergarten (in dem das verfallene Luftschloß Luisenburg), 1 schönes Rathaus, 1 Amtsgericht, 1 Gymnasium, 1 Anstalt für Nervenleidende, 1 Kiefernadelbad, Wasserleitung, Garten- und Obstbau, Samenhandel und mit der Garnison (1 Inf. Bat. Nr. 67) (1880) 5117 Einw. (214 Katholiken). B. ist ein beliebter Aufenthaltsort für Harzreisende und hat in der Umgegend im D. die Klippenreihe der Teufelsmauer, mit Aussicht vom Großvaterstuhl (319 m) u. vortrefflichen Sandsteinbrüchen, im N. den Regenstein (s. d.), im W. den Ziegenkopf (403 m), mit herrlicher Aussicht und Wirtshaus, und noch weiter das ehemalige Kloster Michaelstein (jetzt Domäne) in reizender Waldlandschaft. B. bildete früher unter dem Namen Hartingau eine Grafschaft und war Lehen des Bistums Halberstadt. Zu Anfang des 12. Jahrh. wurde sie mit der Grafschaft Regenstein vereinigt, gehörte aber von 1143 bis 1368 einer Seitenlinie der Grafen von Regenstein. Nach dem Tode des letzten Grafen von Regenstein, Johann Ernst, fiel die Grafschraft 1599 dem Herzog von Braunschweig zu. 1707 ward B. Ludwig Rudolf, dem zweiten Sohn Anton Ulrichs von Wolfenbüttel, als Apanage übergeben, zugleich zum Fürstentum erhoben und bis 1731 selbständig regiert, dann aber, weil Ludwig Rudolf Herzog wurde, wieder mit Braunschweig vereint, bei welchem es seitdem geblieben ist. Die Stadt B. erhielt schon im 10. Jahrh. Mauern, wurde 1180 und nochmals 1386 verwüstet, auch 1625 durch Wallenstein hart belagert. Hier wohnte Ludwig XVIII. nach seiner Flucht aus Dillingen unter dem Namen eines Grafen von Lille vom 24. Aug. 1796 bis 10. Febr. 1798. Von 1807 bis 1813 gehörte B. zum Königreich Westfalen. Vgl. Leibrock, Chronik der Stadt und des Fürstentums B. (Blankenb. 1864).

2) Stadt in der schwarzburg-rudolstädt. Oberherrschaft, Amt Rudolstadt, an der Rinne und am Eingang in das romantische Schwarzathal, ist durch eine Zweigbahn mit Schwarza (Saalbahn) verbunden, hat Wollspinnerei, Holzwaren, Holzpappen, Schlauch- und Farbenfabrikation, Sägemühlen, Obstbau, Sandstein- und Schieferbrüche, eine Wasserheilanstalt mit Fichtennadelbad u. (1880) 1889 evang. Einwohner. Die sanft abfallenden Thalgehänge sind mit zahlreichen Villen besetzt, die meist nur während der Sommermonate (B. ist ein vorzüglicher klimatischer Kurort) von Fremden bewohnt werden. Nördlich liegt auf einem 160 m hohen Kalkfelsen das Schloß Greifenstein, eine der schönsten Ruinen Thüringens (s. Plan derselben bei Burgen). Von Heinrich I. erbaut, war dasselbe von 1275 bis 1583 der Sitz einer Seitenlinie der Grafen von Schwarzburg, von welcher die spätern Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen abstammen; ihr gehört auch der Gegenkönig Karls IV., Günther von Schwarzburg, an, welcher hier 1304 geboren wurde.

Blankenburg, Heinrich, deutscher Geschichtschreiber, geb. 7. Okt. 1820 in der Nähe von Köln, trat in das preußische Ingenieurkorps und leitete 1850–57 den Bau der Stammburg Hohenzollern, kam 1857 zum Generalstab, stieg zum Major und führte eine Zeitlang ein Infanteriebataillon, nahm jedoch bald unter Ernennung zum Oberstleutnant den Abschied. Seitdem lebt er in Breslau als Redakteur der »Schlesischen Zeitung«; seine Kriegsberichte und Kritiken verliehen derselben 1870/71 besondern Wert. Mehrere Jahre war er liberales Mitglied des Abgeordnetenhauses. Er schrieb: »Der deutsche Krieg von 1866« (Leipz. 1868); »Die innern Kämpfe der nordamerikanischen Union bis zur Präsidentenwahl 1868« (das. 1869).