MKL1888:Brendel
[395] Brendel, 1) Franz, musikal. Schriftsteller, geb. 26. Nov. 1811 zu Stolberg am Harz, studierte in Leipzig und Berlin, wendete sich nach längerm Aufenthalt in Leipzig der Musikgeschichte zu, hielt Vorlesungen über dieselbe in Dresden und ging 1844 nach Leipzig zurück, wo er die Redaktion der von R. Schumann 1834 gegründeten „Neuen Zeitschrift für Musik“ übernahm und dieselbe in der Folge zum Hauptorgan der Wagnerschen Richtung machte. Außerdem lehrte er am Konservatorium Geschichte und Ästhetik der Musik. Er schrieb: „Grundzüge der Geschichte der Musik“ (5. Aufl., Leipz. 1861); „Geschichte der Musik in Deutschland, Italien und Frankreich“ (das. 1852; 6. Aufl., hrsg. von Stade, 1879); „Die Musik der Gegenwart“ (das. 1854); „Die Organisation des Musikwesens durch den Staat“ (das. 1866); „Geist und Technik im Klavierunterricht“ (das. 1867) u. a. Auch gab er mit R. Pohl die Monatsschrift „Anregungen für Kunst, Leben und Wissenschaft“ (Leipz. 1856–61) heraus. B. starb 25. Nov. 1868 in Leipzig, nachdem er bis an sein Ende unermüdet für den musikalischen Fortschritt gekämpft. Ein dauerndes Denkmal seines vorwiegend auf die Förderung der strebenden Jugend gerichteten Wirkens hinterließ er in dem von ihm im Verein mit Fr. Liszt gegründeten Allgemeinen deutschen Musikverein, dessen Leitung nach seinem Tod in die Hände Karl Riedels überging.
2) Albert, Maler, geb. 7. Juni 1827 zu Berlin, zeigte früh Vorliebe für Tiere und ihre Darstellung. [396] Der Landschaftsmaler Wilh. Schirmer nahm ihn in sein Atelier und ermunterte ihn zum Besuch der Akademie. Später widmete er sich der Marinemalerei bei W. Krause, betrieb aber nebenher das Studium der Tiere in der Tierarzneischule zu Berlin. 1851 ging B. über Holland und durch die Normandie nach Paris, wo er anfangs bei Couture, dann bei dem Tiermaler Palizzi arbeitete. Im J. 1852 ging B. nach Italien und Sizilien. In den Jahren 1854 bis 1864 war er wieder in Paris und während des Sommers in Barbizon im Wald von Fontainebleau ansässig, wo er im Verkehr mit den französischen Meistern Rousseau, Millet und Troyon seinen seinen Natursinn ausbildete. In angestrengtester Arbeit erwuchsen jetzt in schneller Folge die Früchte seiner gereiften Bildung, welche größte Anerkennung ebensowohl in Paris wie in Berlin fanden, so daß selbst eins seiner Schafbilder (1863) für das Luxembourgmuseum angekauft wurde. Ganz besonders geschätzt sind seine Bilder mit Schafherden in verschiedener Lage und Umgebung, stets mit reicher und tiefgehender Charakteristik, mit dem Reiz malerischer Auffassung und sorgfältiger Durchbildung der Landschaft. Von 1869 bis 1875 lebte er vorzugsweise in Berlin. 1875 siedelte er nach Weimar über, wo er Professor wurde und 1882–85 Direktor der Kunstschule war.