MKL1888:Brunfels
[514] Brunfels (Brunsfels), Otto, Theolog und Botaniker (nach Linnés Ausspruch „der Vater der Botanik“), geb. 1488 zu Mainz, studierte anfangs Theologie und Philosophie und trat dann in ein Kartäuserkloster bei Mainz. Später ging er nach Straßburg, bekannte sich zur lutherischen Lehre, wurde Prediger und stand dann neun Jahre einer von ihm zu Mainz gegründeten Schule vor. Das von der Universität zu Löwen 1550 auf Befehl des Kaisers aufgestellte Verzeichnis der Hauptketzer enthält des B. Namen an erster Stelle. B. war ein intimer Freund Ulrich v. Huttens. Nach dessen Tod (1523) neigte er mehr den Prinzipien der altevangelischen Brüdergemeinden zu und kam dadurch in Konflikte mit Luther und Zwingli. Er wandte sich nunmehr der Medizin zu und ging als Arzt nach Bern, wo er 23. Nov. 1534 starb. Er hat neben seinen zahlreichen ausgezeichneten theologischen Werken sich besonders durch Schriften über Pädagogik, arabische Sprache, Arzneimittellehre und Botanik bekannt gemacht. Die Botanik verdankt ihm wesentlich mit ihre Neubegründung im Abendland, indem er, anstatt in der üblichen Erklärung der botanischen Schriften des Altertums, in der Naturbetrachtung selbst die Aufgabe der Botanik suchte, und namentlich brach sein Werk „Herbarum vivae icones“ (Straßb. 1530 u. 1536, 3 Tle.; deutsch: „Contrafayt Kräuterbuch“, das. 1532–37, 2 Tle.; Frankf. a. M. 1546) dadurch eine ganz neue Bahn, daß B. die von ihm gefundenen einheimischen Pflanzen in Holz schneiden ließ und unter die Abbildungen die deutschen Namen setzte. Seine übrigen Hauptschriften sind: „Catalogus illustrium medicorum seu de primis medicinae scriptoribus“ (Straßb. 1530); „Iatron medicamentorum simplicium“ (das. 1533); „Epitome medices, summam totius medicinae complectens“ (Antwerp. 1540); „Onomastikon medicinae, continens omnia nomina herbarum, fruticum etc.“ (Straßb. 1534); „In Dioscoridis historiam plantarum certissima adaptatio“ (das. 1543).