MKL1888:Cannä
[780] Cannä, Stadt des alten Apulien, am rechten Ufer des Aufidus (jetzt Ofanto) unweit von dessen Mündung in das Adriatische Meer; seine Stätte ist jetzt nur noch durch geringe Trümmer kenntlich. Berühmt wurde es durch die furchtbare Niederlage, welche die Römer durch Hannibal 216 v. Chr. hier erlitten. Nach der vorsichtigen Kriegführung des Diktators Quintus Fabius Cunctator beschloß der Senat für das Jahr 216 ein kühneres Vorgehen. Von den Konsuln L. Ämilius Paullus und C. Terentius Varro, welche täglich im Oberbefehl wechselten, drängte der letztere ungeduldig zur Schlacht. Das Heer der Römer zählte 80,000 Mann Fußvolk und 6000 Reiter, das Hannibals nur 40,000 Mann zu Fuß und 10,000 Reiter. Ersteres lagerte sich, Hannibal gegenüber, auf dem rechten Ufer des Aufidus, von wo sich Varro von Hannibal auf das linke Ufer hinüberlocken ließ. Die Schlacht begann damit, daß die Reiterei des linken Flügels der Punier die gegenüberstehende römische Reiterei zersprengte und sodann vom Rücken des römischen Heers her auch die Reiterei des linken römischen Flügels zurückwarf. Das römische Fußvolk war inzwischen in das Zentrum des absichtlich zurückweichenden punischen Heers eingedrungen, geriet aber dadurch in eine solche Stellung, daß es von den Flanken her von den rechts und links stehenden afrikanischen Truppen gefaßt werden konnte, während gleichzeitig die punische Reiterei nach Zurückwerfung der [781] feindlichen den Römern in den Rücken fiel. So wurden die Römer in der Mitte eingekeilt und von allen Seiten her niedergemetzelt. 70,000 Mann wurden nach Polybios getötet, worunter der Konsul Ämilius Paullus, 10,000 gefangen; mit einem kleinen Rest rettete sich Varro nach Venusia. Hannibals Verlust betrug nicht über 8000 Mann. Die Folge des Siegs war für Hannibal, daß viele Städte, namentlich Capua, zu ihm übergingen. Die genauere Bestimmung des Schlachtfeldes, insbesondere des Flußufers, auf dem die Schlacht stattgefunden, ist wegen der sich widersprechenden Nachrichten der Alten eine schwierige topographische Streitfrage. Vgl. Stürenburg, De Romanorum cladibus Trasumenna et Cannensi (Leipz. 1883, mit Karte).