MKL1888:Chlodwig
[45] Chlodwig (Chlodovech, s. v. w. Ludwig, „berühmter Kämpfer“), Name mehrerer fränkischer Könige aus dem Geschlecht der Merowinger:
1) C. I., Childerichs I. und Basinas Sohn, geb. 465, folgte 481, 15 Jahre alt, seinem Vater als König eines Teils der salischen Franken in Tournai (Doornik). Er ist der Gründer des großen Frankenreichs. Zuerst vernichtete er den Rest römischer Herrschaft in Gallien 486 durch seinen Sieg über Syagrius bei Soissons, wodurch er das Land bis zur Seine gewann. Bald darauf eroberte er das Land der Thoringer (das Land von Tongern). 493 vermählte er sich mit Klothilde (Chrotechildis), einer Nichte des burgundischen Königs Gundobad, die ihn zum Christentum zu bekehren suchte, doch zunächst ohne Erfolg. Erst als er, von dem ripuarischen König Siegbert zu Hilfe gerufen, gegen die Alemannen zog und in der Entscheidungsschlacht (496) der Sieg sich von ihm abzuwenden schien, gelobte er, Christ zu werden, wenn ihm Christus den Sieg verleihe. Als es darauf gelang, die Alemannen zu besiegen, ließ sich C. nebst 3000 Franken zu Reims durch den Bischof Remigius taufen und zwar auf den römisch-katholischen Glauben. Das bei seiner Salbung angeblich gebrauchte heilige Öl (s. Ampulla) diente seitdem bei der Salbung aller fränkischen und französischen Könige. C. fand fortan in der Geistlichkeit eine wesentliche Stütze für seine Herrschaft. Nun unterwarfen sich ihm die unabhängigen katholischen Städte Aremoricas zwischen Seine und Loire freiwillig. 500 zog C. gegen den Burgunderkönig Gundobad, schlug ihn, von dessen Bruder Godegisil unterstützt, bei Dijon und belagerte ihn in Avignon, schloß aber dann gegen das Versprechen eines jährlichen Tributs Frieden. Angeblich aus Glaubenseifer, in der That aber aus Eroberungssucht zog C. 507 gegen die arianischen Westgoten unter Alarich, schlug sie bei Voullon unweit Poitiers und drang bis Bordeaux vor, während sein natürlicher Sohn Theoderich alle Städte bis an die Grenze von Burgund einnahm. Vom griechischen Kaiser Anastasius erhielt C. hierfür den Titel eines Patricius und Konsuls. Er verlegte nun seine Residenz nach Paris. Die weitere Eroberung des westgotischen Reichs hinderte der Ostgotenkönig Theoderich, doch blieben den Franken Aquitanien und Toulouse. Um alle Frankenstämme unter seiner Herrschaft zu vereinigen, beseitigte er deren Könige mit Hinterlist und Gewalt. Chararich ließ er mit seinem Sohn töten. Als er den Fürsten von Cambrai, Ragnachar, und dessen Bruder Richar gefangen genommen, schlug er den ersten mit der Streitaxt nieder, weil er durch seine Feigheit das königliche Geschlecht geschändet habe, und dann auch den letztern, weil er seinem Bruder nicht genug beigestanden. Den Sohn des ripuarischen Königs Siegbert von Köln, Chloderich, verleitete er zur Ermordung seines Vaters und ließ ihn dann selbst ermorden. Er starb 511 in Paris und wurde in der von ihm den heiligen Aposteln zu Ehren erbauten, nachher der heil. Genoveva gewidmeten Kirche bestattet. Sein Reich teilten seine vier Söhne, Theoderich, Chlodomar, Childebert und Chlotar, unter sich. Vgl. Junghans, Die Geschichte der fränkischen Könige Childerich und Chlodovech (Götting. 1857).
2) C. II., Dagoberts I. zweiter Sohn, geb. 633, ward 638 König von Neustrien und Burgund unter der Vormundschaft seiner Mutter Nantechilde, bemächtigte sich nach König Siegberts von Austrasien Tod (656) und nach Ermordung Grimoalds, des Majordomus desselben, der seinen eignen Sohn auf den Thron erheben wollte, auch Austrasiens und ward so wieder Herr des ganzen Frankenreichs, starb aber schon 656, kaum 23 Jahre alt, nachdem er die letzten Jahre seines Lebens an Geisteszerrüttung gelitten.
3) C. III., Theoderichs III. Sohn, folgte 690, noch ein Kind, während der Majordomus Pippin von Heristall die Herrschaft ausübte, starb aber schon 694.