MKL1888:Diezmann
[966] Diezmann (Dietrich III., der jüngere), Landgraf von Thüringen, Sohn Albrechts des Entarteten und Margaretes, der Tochter Kaiser Friedrichs II., geboren um 1260, ward, nachdem seine Mutter 1270 infolge der Zuneigung ihres Gatten zu Kunigunde von Eisenberg von der Wartburg hatte fliehen müssen, [967] nebst seinem Bruder Friedrich dem Freidigen am Hof seines Oheims Dietrich von Landsberg erzogen. Herangewachsen, gelangte er zunächst in den Besitz des Pleißnerlandes und erhielt nach Heinrichs des Erlauchten Tode die Lausitz, überwarf sich aber nun mit seinem Vater, weil dieser den mit Kunigunde von Eisenberg erzeugten Sohn Apitz bevorzugte. Nach dem Tod seines Oheims Friedrich Tutta 1291 erhielt er das Osterland. Durch den König Adolf von Nassau seines Erbes beraubt, gewann er es nach dessen Sturz wieder. Als aber König Albrecht I. seines Vorgängers Ansprüche erneuerte, brachten D. und Friedrich dem königlichen Heer bei Lucka, unfern Altenburg, 31. Mai 1307 eine vollständige Niederlage bei. D. kehrte sodann nach Leipzig zurück und starb (wahrscheinlich 10. Dez.) 1307 daselbst. Friedrich August von Sachsen errichtete ihm in der Leipziger Paulinerkirche 1841 ein von Rietschel in Sandstein gearbeitetes Denkmal.
Diezmann, Joh. August, Schriftsteller, geb. 1805 zu Gazen bei Pegau, widmete sich 1824–28 in Leipzig dem Studium der Medizin, lebte aber dann ausschließlich als Schriftsteller daselbst und starb 25. Juli 1869 in Schloß-Chemnitz. Gewandter und höchst thätiger Übersetzer, vermittelte er die Verbreitung zahlreicher Romane französischer und englischer Autoren, auch einiger Reisen und wissenschaftlicher Werke. Seine eignen Schriften: „Aus Weimars Glanzzeit“ (Leipz. 1855), „Goethe und die lustige Zeit in Weimar“ (das. 1857), „Goethe-Schiller-Museum“ (das. 1858), „Weimar-Album, Blätter der Erinnerung an Karl August und seinen Musenhof“ (das. 1860), „Friedrich v. Schillers Denkwürdigkeiten“ (das. 1862) und „Goethes Liebschaften“ (das. 1868), enthalten viel biographisches Material. Zuletzt schrieb er die Romane: „Leichtes Blut“ (Jena 1864, 3 Bde.) und „Frauenschuld“ (das. 1866, 2 Bde.).