MKL1888:Digitālis

[970] Digitālis L. (Fingerhut), Gattung aus der Familie der Skrofulariaceen, zwei- oder mehrjährige, kahle oder behaarte Kräuter mit abwechselnden, einfachen Blättern, oft einseitigen, terminalen Blütentrauben, röhrig-glockenförmigen Blüten und eiförmigen, vielsamigen Kapseln. 18 Arten in Europa, West- und Mittelasien. D. purpurea L. (roter Fingerhut, s. Tafel „Giftpflanzen II“), mit mehr als 1 m hohem Stengel, bis 20 cm langen, eiförmigen, gekerbten, rauhhaarigen Blättern und schönen purpurroten, innen behaarten, mit roten, weiß gesäumten Tropfen gefleckten Blüten, ist zweijährig, wächst in Gebirgswäldern durch den größten Teil Europas, den Nordosten und äußersten Süden ausgenommen. Die ganze Pflanze ist stark giftig. Die frisch widrig, etwas narkotisch riechenden, ekelhaft scharf und bitter schmeckenden Blätter sind offizinell und müssen von wild wachsenden blühenden Pflanzen gesammelt werden. Sie enthalten als wirksamen Stoff Digitoxin und Digitalin (s. d.). Sie mindern den Blutumlauf und daher die Pulsfrequenz und Körperwärme, wirken deprimierend auf die Nerven der Geschlechtsorgane und vermehren die Harnabsonderung; in größern Dosen wirken sie als Gift. Man benutzt sie bei entzündlichen Herzleiden, Hypertrophie und Erweiterung des Herzens, Schlagadergeschwülsten, Entzündungen der Hirnhäute und Brustorgane, Fiebern, Blutungen, Tuberkulose, wassersüchtigen Leiden, Reizungszuständen der Geschlechtsorgane, krampfhaften Neuralgien, Wahnsinn etc. Sie wurden zuerst 1775 durch Withering in Birmingham in den Arzneischatz eingeführt. In Gärten kultiviert man den roten Fingerhut als Zierpflanze, ebenso D. grandiflora Lam., mit großen, gelben, innen braun geäderten und gefleckten Blüten, aus Mittel- und Südeuropa; D. aurea Lindl., mit goldgelben, innen buntnetzartigen Blüten, aus Syrien und Griechenland; die sehr heftig wirkende D. ferruginea L., mit prachtvollen rostfarbigen, inwendig gelblichen Blüten, aus Südeuropa, etc. Ein prächtiger, immergrüner Strauch auf Madeira ist D. sceptrum L., mit geradem Stamm und steifhaarigen Ästen und sehr schönen, herabhängenden, am Ende der Äste eine eiförmige Ähre bildenden, gelblich rostfarbigen Blumen. Vgl. Lindley, Digitalium monographia (Lond. 1821).