MKL1888:Edda

[303] Edda, Bezeichnung für zwei verschiedene Denkmäler der altnordischen Litteratur, genannt die ältere und die jüngere E. Der Name bedeutet „Urgroßmutter“; alle andern Erklärungen der ältern Zeit sind ebenso unhaltbar wie die neuesten von Vigfusson, der das Wort zu einem keltischen stempeln will, und von Gislason, nach dem es „Poetik“ bedeuten würde.

Die ältere E. enthält Lieder, welche Stoffe der germanischen Götter- und Heldensage behandeln. Über Heimat und Alter dieser Gedichte ist vielfach gestritten worden. Während einerseits (namentlich von dänischen Gelehrten) angenommen wurde, daß dieselben als gemeinsamer Besitz des gesamten skandinavischen Nordens anzusehen seien, also in eine Zeit hinaufreichten, wo die Trennung der drei nordischen Völker noch nicht eingetreten war, und einzelne (darunter Svend Grundtvig) sogar zu der Behauptung sich verstiegen, daß die Lieder dänischen Ursprungs seien, hat anderseits die norwegische Schule (Keyser und Munch) die ältere E. ausschließlich für Norwegen in Anspruch genommen und den Isländern nur die schriftliche Fixierung und Erhaltung der aus dem Mutterland mitgebrachten Dichtungen zuerkennen wollen. Diesen einseitigen Anschauungen gegenüber hatte sich seit dem Ende der 60er Jahre in eingehender und vorurteilsloser Untersuchung der einzelnen Lieder (durch E. Jessen u. a.) mehr und mehr die Überzeugung Bahn gebrochen, daß in der ältern E. Produkte aus verschiedenen Zeiten (9.–11. Jahrh.) vereinigt seien, und daß nur für einen kleinen Teil der Gedichte norwegischer Ursprung angenommen werden könne, während die Hauptmasse erst in Island (oder zum Teil in der isländischen Kolonie Grönland), wenn auch vielleicht teilweise mit Benutzung älterer Gesänge, entstanden sei. Dieses Resultat wird heute nur insofern zu modifizieren sein, als auch den Bewohnern der nordschottischen Inselgruppen einiger Anteil an der eddischen Dichtung, wenn auch durchaus nicht in dem von Vigfusson angenommenen Maß, zugestanden werden muß.

Ihren Hauptwert haben die Lieder der ältern E. als Quelle für die germanische Mythologie, über welche uns aus Deutschland und England nur höchst ungenügende und fragmentarische Nachrichten erhalten sind, und für die ältere Gestalt der deutschen Heldensage. Dieser Wert würde allerdings in hohem Grad geschmälert sein, wenn die Behauptungen Sophus Bugges sich als wahr erweisen ließen, welcher in jüngster Zeit den Nachweis zu führen versuchte, daß ein großer Teil der in der ältern E. behandelten Götter- und Heldensagen nicht in autochthoner Volksüberlieferung wurzele, sondern seine wesentlichsten Züge altklassischen Mythen und christlichen Legenden verdanke, mit denen die Nordgermanen während der Wikingerzeit auf den britischen Inseln bekannt geworden seien („Studier over de nordiske Gude- og Heltesagns Oprindelse“, Christiania 1881 ff.; deutsch von O. Brenner, Münch. 1881 ff.). Indessen wird man so lange an der Richtigkeit dieser Behauptungen, welche zum Teil durch höchst gewagte Etymologien gestützt werden, zu zweifeln befugt sein, bis es Bugge gelingt, die keltischen Mittelglieder, welche den Skandinaviern die Kenntnis der antiken und christlichen Litteratur zugeführt haben sollen, als wirklich existierend nachzuweisen.

Die Lieder der ältern E., welche zuerst unzweifelhaft nur mündlich überliefert sind, wurden im 13. Jahrh. auf Island gesammelt und niedergeschrieben. Leider ist uns der Archetypus nicht erhalten, auch keine unmittelbaren Abschriften. Die wichtigste und umfangreichste Handschrift, der Codex regius (auf der königlichen Bibliothek in Kopenhagen), aus dem Ende des 13. Jahrh., bietet jetzt noch auf 45 Quartblättern 29 Lieder und Liedbruchstücke; der Codex arnamagnaeanus (auf der Universitätsbibliothek in Kopenhagen) bringt auf sechs Blättern größtenteils schon im Codex regius Enthaltenes, nur ein neues Lied kommt noch hinzu. Einige Lieder liegen zerstreut in andern Handschriften vor, so im Regius und Wormianus der prosaischen E., in dem Hauksbók und Flateyjarbók. Gegenüber dieser alten Überlieferung sind die zahlreichen Papierhandschriften des 17. und 18. Jahrh. für die Kritik wertlos und ihre Abweichungen nur als Konjekturen gelehrter Schreiber zu betrachten, seit sie durch Sophus Bugge (in der Einleitung zu seiner Ausgabe der Lieder, s. unten) lediglich als Abschriften der uns erhaltenen Pergamenthandschriften nachgewiesen sind.

Der Name E. gilt für diese Lieder erst, seitdem der Skalholter Bischof Brynjulf Sveinsson zwischen 1639 und 1643 den Codex regius wiedergefunden. Er bezeichnete sie als E. Saemundi multiscii, weil er der Ansicht war, daß die seiner Zeit allein bekannte prosaische E. des Snorri (s. unten) nur Auszug eines verlornen Werkes des hochberühmten gelehrten isländischen [304] Priesters Sämundr inn Frodhi (1056–1133) sei; dies glaubte er nun im Codex regius zu finden. Lange galt Sämundr unbestritten als Verfasser, später schrieb man ihm wenigstens die Sammlung und die Urheberschaft der Prosa zu. Jetzt ist wohl allgemein anerkannt, daß er nichts mit unsern Liedern zu thun hat (vgl. Möbius in Zachers „Zeitschrift für deutsche Philologie“, I, 399 ff.). Nicht einmal der Name E. ist authentisch für die Lieder; doch paßt seine Bedeutung für ihren Inhalt zu treffend, als daß man ihn ausmerzen sollte. Zum Unterschied von Snorris erst um 1230 entstandener, größtenteils Prosa enthaltender E. gebraucht man für sie die Ausdrücke ältere, poetische oder Lieder-E. Die Gedichte nun, die vermöge ihrer alten Überlieferung hierher gehören, sind, 33 an der Zahl, mehr oder minder vollständig und ursprünglich; nur in der Hälfte und zwar meist in den sagenhistorischen Liedern finden sich eingeschobene Prosastücke des Sammlers, die teils dunkle Stellen erläutern, teils Lücken der poetischen Darstellung ergänzen, teils den sachlichen Zusammenhang mehrerer Lieder geben sollen. Zwei Stücke (Sinfjötlalok, „Tod des Sinfiotli“, und Niflungadráp, „Untergang der Nibelungen“) stehen selbständig. Die Lieder sind sämtlich in allitterierenden Versen und Strophen, teils im kvidhuháttr, teils im ljódhaháttr (s. Isländische Verskunst), abgefaßt. Ihrem Inhalt nach behandeln sie entweder die nordische Mythologie oder Heldensage und zwar in episch-erzählender oder dramatisch-didaktischer Darstellung. Die mythischen Lieder sind folgende: Völuspá („Offenbarung der Seherin“), gibt eine Übersicht der heidnischen Weltanschauung; Vafthrúdhnismál, erzählt die Reise Odins unter Gangrads Gestalt zu dem Riesen Vafthrudnir und den Wettstreit beider in der Religionsweisheit; Grímnismál, erzählt, wie Odin als Grimnir bei dem König Geiroddr den Zustand der Welt und sein eignes Wesen offenbart; För Skírnis („Skirners Fahrt“), wie Skirner, Freys Diener, für seinen Gebieter um die Riesentochter Gerdr freit; Hárbardsljódh („Harbards Lied“), wie Thor auf seiner Reise mit Harbard, dem Fährmann, Streit anfängt; Hýmiskvidha, erzählt die Sage vom Riesen Hymir, welchem Thor und Tyr den Kessel abgenommen, in dem von Ögir das Bier für die Götter gebraut wurde; Ögisdrekka („Der Trank bei Ögir“) oder Lokasenna („Lokes Streit“), auch Lokaglepsa („Lokes Biß“), wie Loke an einem Gastmahl bei Ögir die Asen lästerte; Thrymskvidha oder Hamarsheimt („Die Wiedererlangung des Hammers“), wie Thor und Loke dem Riesen Thrymr den Hammer Thors wieder nehmen; Vegtamskvidha („Wanderers Lied“), wie Odin als Vegtamr in der Unterwelt die Zauberin nötigt, ihm Baldrs Tod zu weissagen; Alvísmál („Des Allwissenden Lied“) handelt von Synonymen der himmlischen, irdischen und unterirdischen Wesen in der Dichtersprache; Rígsthula oder Rigsmál, erzählt die Entstehung der drei sozialen Stände durch Heimdall, der unter dem Namen Rigr die Welt durchwandert; Hyndluljódh, mit dem in der Tradition die Völuspá hin skamma (die kürzere Völuspa) zusammengewachsen ist, berichtet, wie die Zauberin Hyndla, um den Erbschaftsstreit zwischen Angantyr und Ottar zu schlichten, die Abstammung der Helden von den Göttern beweist. Außer diesen elf hat man früher allgemein auch einige nur in Papierhandschriften überlieferte Lieder mythischen Inhalts zur E. gerechnet. Aber von dem einen, dem Forspjallsljódh oder Hrafnagaldr Odhins (trübe Träume und dunkle Ahnungen der Asen vor Baldrs Tod), hat Bugge nachgewiesen, daß es ein Kunstprodukt des 17. Jahrh. und gemacht ist als Einleitung zur Vegtamskvidha, die selbst auch interpoliert wurde. Jener Einleitung dürfte der Name Forspjallsljódh, dieser erweiterten Vegtamskvidha der Name Hrafnagaldr (oder Hrævagaldr, „Totenzauberlied“?) gehören. Zwei andre: Grógaldr (worin der Geist der gestorbenen Zauberin Groa ihrem Sohn kräftige Zaubersprüche mitteilt) und Fjölsvinnsmál (unter dem Namen Fiölsvidr kommt der Held Svipdagr zur Burg seiner Geliebten Menglöd, der Wächter wehrt den Eingang; lange Unterredung beider, bis Menglöd herbeieilt), sind philosophische Gedichte des spätern gelehrten Mittelalters. Bugge freilich faßt sie als Teile eines noch in dänisch-schwedischer Nachdichtung erhaltenen Volksliedes, der Svendalsvise, auf und bezeichnet sie demnach als Svipdagsmál I und II. Neuerdings hat dies Bergmann („Vielgewandts Sprüche und Groas Zaubersang“, Straßb. 1874) bekämpft (vgl. auch Kölbing in „Germania“, Bd. 19, 359 ff.). Ebensowenig dürfen die Sólarljódh zur E. gerechnet werden, die aus christlicher Zeit, aber kaum von Sämund herrühren und die christliche Mythologie mit altheidnischen Bildern ausschmücken.

Den Hauptteil der E. machen die sagenhistorischen Lieder aus, von denen jedoch nur vier ihren Stoff der heimisch-nordischen Sage entnehmen: drei Lieder von Helgi (s. d.) und der Grottasöngr (die Frieden mahlenden Riesenmägde prophezeien dem Frodi nahen Untergang). Die Völundarkvidha zeigt die nordische Gestaltung der gemeingermanischen Sage vom Schmied Wieland. Sämtliche übrigen Lieder behandeln die deutsche Siegfried- (nord. Sigurdhr) und Nibelungensage, die in früher Zeit (etwa im 6. Jahrh.) im Norden bekannt wurde und sich in den Liedern reiner erhielt, während sie im deutschen Stammland in lebhafter Entwickelung blieb. Man unterscheidet zunächst drei Sigurdlieder (Sigurdarkvidhur Fáfnisbana). Im ersten läßt sich Sigurd von seinem Oheim Gripir sein Schicksal vorhersagen (daher besser Grípisspá, „Gripirs Prophezeiung“). Im zweiten wird dem Sigurd vom Zwerg Regin der Ursprung des Horts erzählt und er angestachelt, den Horthüter Fafnir zu töten; doch rächt Sigurd erst den Tod seines Vaters (besser Reginsmál). Darauf berichten die Fáfnismál erst von der Tötung Fafnirs und Regins und Sigurds Besitznahme von dem Schatz, die Sigrdrífumál Sigurds Zusammentreffen, Unterhaltung und Verlobung mit Brynhild (Sigrdrifa als Walküre), bis das eigentliche (dritte) Sigurdlied uns erzählt, wie Sigurd an Giukis (deutsch Gibich) Hof kommt, sich mit Gudrun vermählt und Gunnar und Brynhild zusammenbringt, wie dann Brynhild sich durch Ermordung Sigurds rächt, aber ihm freiwillig in den Tod folgt. Die Mordgeschichte nebst den nähern Umständen danach liegt noch in einem Liedfragment vor, dem sogen. Brot af Sigurdharkvidhu (auch Brynhildarkvidhu). Die Helreidh Brynhildar beschreibt Brynhilds Fahrt in die Unterwelt. Drei Gudhrunarkvidhur schildernden gewaltigen Schmerz und die Klage Gudruns um Sigurd, wie sie dazu gebracht wird, sich mit Atli zu vermählen, und wie sie, der Untreue beschuldigt, sich durch den Kesselfang vom Verdacht reinigt. Die beiden Atlilieder (Atlakvidha und Atlamál in grœnlensku) zeigen schon durch ihre Form relativ späte Entstehung; sie erzählen (das zweite ausführlicher) Einladung, Fahrt und Tod der Nibelungen bei Atli (Etzel) und Gudruns Rache. Zwei andre Lieder führen uns in die Ermanarichsage. Ermanarich hat seine Frau Swanhilde [305] (Gudruns Tochter) töten lassen; Gudrun mahnt ihre Söhne zur Rache und zählt dabei alles erfahrene Leid auf (Gudhrúnarhvöt). Die Brüder erschlagen auf dem Weg zu Ermanarich ihren Stiefbruder und vollführen die Rache, aber auch sie selbst fallen in rühmlichem Kampf. Noch ist ein Lied übrig, der Oddrúnargrátr: Oddrun, Atlis Schwester, war Gunnars Geliebte; doch vor Brynhild muß sie zurücktreten. Auch nach deren Tod widersetzt sich Atli der Verbindung, die Liebende muß Gunnar im Schlangenturm sterben lassen. Früher rechnete man noch ein nur in Papierhandschrift des 18. Jahrh. enthaltenes Lied zu diesem Teil der E., den Gunnarsslagr (wie der gefesselte Gunnar im Schlangenturm durch Harfenspiel die Schlangen von sich scheucht); doch ist dies jetzt als Produkt des vorigen Jahrhunderts erwiesen (s. Pfeiffers „Germania“, Bd. 13, S. 72, 284). Ein Produkt eigner Art sind endlich die Hávamál („Sprüche des Hohen“, d. h. Odins), ein Gedicht von wesentlich gnomisch-didaktischem Inhalt, in dem sich um einen ursprünglichen Kern (die Loddfáfnismál) eine Fülle von Sprüchen verwandter Art angeschlossen haben (vgl. Müllenhoff, Deutsche Altertumskunde, Bd. 5, Abt. 1, S. 250, Berl. 1883).

Authentisch haftet der Name E. an jenem berühmten Lehrbuch altnordischer Kunstpoesie, an der jüngern oder prosaischen oder Snorra-E., die 1628 Arngrim Jonson ebenfalls nach jahrhundertelanger Vergessenheit wieder auffand; die unterscheidenden Epitheta finden sich jedoch erst, seit jene Volkslieder auch E. genannt wurden. Sie wurde von dem Isländer Snorri Sturluson (s. d.) um 1230 verfaßt, bez. zusammengestellt; doch ist in der Folge diesem ursprünglichen Buch manches hinzugefügt worden. Sie liegt uns in drei Haupthandschriften vor, von denen die Upsalasche von ca. 1300 den Namen E. führt; ob Snorri ihn selbst gegeben, ist ungewiß. Es sind zu unterscheiden: a) Die Gylfaginning, eine euhemeristische Darstellung der nordgermanischen Mythologie in einem Wechselgespräch zwischen dem mythischen Schwedenkönig Gylfi und den drei Asen Har, Jafnhar und Thridi. Daran schließen sich in geringerm Umfang die Bragarœdhur, worin der Dichtergott Bragi manches von den Thaten und Schicksalen der Götter erzählt. Dieser Teil ist von einem Vor- und Nachwort (For- und Eptirmáli) eingeschlossen. b) Die Skaldskaparmál, welche die formale Seite der Dichtkunst zum Gegenstand haben, also eine Poetik für die Skalden. Da sind zunächst die kenningar oder poetischen Umschreibungen aufgezählt, dann die ókend heiti oder die in der gewöhnlichen Sprache veralteten Ausdrücke, endlich die fornöfn oder Ersatznamen, Umschreibungen für Eigennamen. Alle Regeln sind mit Beispielen aus der ältern Skaldenpoesie belegt und dabei ca. 70 Skalden genannt. c) Háttatal (auch Háttalykill), ein Lobgedicht des Snorri auf König Hakon von Norwegen (gest. 1263) und den Jarl Skuli, das aus 102 Strophen besteht, deren jede eine besondere Versart repräsentiert. Das ganze Gedicht wird durch einen weitläufigen Kommentar erläutert, welcher somit eine Art von skaldischer Metrik bildet (Ausgabe von Th. Möbius, Halle 1879–81). Der zweite und dritte Teil der Snorra-E. werden auch unter dem Namen Skálda zusammengefaßt.

Von allem bisher Genannten galt Snorri schon um 1300 als Verfasser, doch ist sicher schon Vor- und Nachwort des ersten Teils nicht von ihm. Wieviel ihm sonst zuzuschreiben, ist Streitfrage. In dem Codex Wormianus aus dem 14. Jahrh. sind noch ein paar grammatische Traktate angehängt, die aber durchaus nicht in die E. gehören. Das Verhältnis der jüngern zur ältern E. ist nun folgendes: Die Sammlung der Lieder nebst der ergänzenden Prosa kannte Snorri noch nicht, und doch gibt er in Gylfaginning eine Paraphrase fast aller mythischen Lieder mit wörtlicher Anführung vieler Strophen und in den Skaldskaparmál eine Übersicht der Sigurd- und Nibelungensage (um zu erklären, wie der umschreibende Ausdruck otrgjöld [„Otterbuße“] Bezeichnung für Gold wurde). Er entnahm dies unmittelbar aus der mündlichen Tradition; möglich, daß auch einzelnes schon aufgezeichnet war.

[Ausgaben und Übersetzungen.] Die ältere E. wurde zuerst vollständig herausgegeben von der arnamagnäanischen Kommission mit lateinischer Übersetzung, Kommentar, Glossaren und Finn Magnusens „Mythologischem Lexikon“ (Kopenh. 1787–1828, 3 Bde.), von Rask (Stockh. 1818), von Munch (Christiania 1847); nächstdem sind die deutschen Ausgaben von Lüning (Zür. 1859, mit Glossar, Grammatik, Mythologie, Anmerkungen) und Möbius (Leipz. 1860) zu erwähnen. Trotz wiederholter Lesung der Handschriften blieb aber doch noch vieles unsicher; ihre abschließende Ausnutzung dürfte erst durch Sophus Bugge gegeben sein, dessen Ausgabe (Christiania 1867) für jede Eddaforschung Grundlage sein muß. Auf Bugge beruhen Grundtvigs Handausgabe (Kopenh. 1868, 2. Aufl. 1874) und die kritische Ausgabe von K. Hildebrand (Paderb. 1876). Sämtliche Lieder der E. haben jetzt auch Aufnahme gefunden in Vigfussons „Corpus poeticum boreale“ (Oxf. 1883, 2 Bde.). Durch Herausgabe einzelner Teile und Lieder haben sich verdient gemacht: Resenius (1665, Völuspá und Hávamál), v. d. Hagen (Berl. 1812), die Brüder Grimm (das. 1815, die Heldenlieder) und Bergmann (1838–79). Ein kritisch gereinigter Text der Völuspá mit ausführlichem Kommentar findet sich jetzt auch in Müllenhoffs „Deutscher Altertumskunde“, Bd. 5, Abt. 1 (Berl. 1883). Übersetzungen sind vorhanden: dänisch von Finn Magnusen (Kopenh. 1821–23, 4 Bde. mit Kommentar), Hjort (das. 1860–1865), Winkel Horn (das. 1869), Möller (das. 1871); englisch von Thorpe (1866) u. R. B. Anderson (Chicago 1879); schwedisch von Afzelius (1818), Gödecke (Stockh. 1877); französisch von Mlle. R. du Puget (2. Ausg., Par. 1865), E. de Laveleye (Brüssel 1866); spanisch von D. A. de los Rios (Madr. 1857); deutsch von Gräter (1789), v. d. Hagen (Berl. 1814), Studach (Nürnb. 1829), Ettmüller (Zür. 1837, nur einzelne Teile), Ad. Holtzmann (Leipz. 1873), B. Wenzel (das. 1877) und Simrock (Stuttg. 1851, 8. Aufl. 1882), ohne Zweifel die beste, obschon gründliche Revision nötig wäre. Vollständige Ausgaben der jüngern E. besitzen wir von Resenius (Kopenh. 1665), Rask (Stockh. 1818), Sveinbjörn Egilsson (Reykjawik 1848–49) und Thorleifr Jonsson (Kopenh. 1875). Noch unvollendet ist die große kritische Ausgabe durch die arnamagnäanische Kommission (Kopenh. 1848–80, Bd. 1–3, I). Die für die Sagengeschichte wichtigen Teile sind mit der Völsungasaga und dem Nornagests tháttr herausgegeben von E. Wilken (Paderb. 1877). Übersetzungen: deutsch von Rühs (Berl. 1812), Majer (Leipz. 1818), Simrock (Gylfaginning und Bragarœdhur vollständig, aus der Skálda nur ein paar Auszüge); dänisch von Nyerup (Kopenh. 1808). Vgl. Köppen, Litterarische Einleitung in die nordische Mythologie (Berl. 1837); Grimm, Geschichte der deutschen Sprache (4. Aufl., Leipz. 1880, 2 Bde.); Möbius, Catalogus librorum islandorum et norvegicorum aetatis mediae [306] (das. 1856); Derselbe, Verzeichnis der auf dem Gebiet der altnordischen Sprache und Litteratur erschienenen Schriften (das. 1880); Gudbr. Vigfusson, Prolegomena zur „Sturlunga saga“ (Oxf. 1878).