MKL1888:Erdmann
[762] Erdmann, 1) Otto Linné, Chemiker, geb. 11. April 1804 zu Dresden, widmete sich der Pharmazie, dann der Medizin und den Naturwissenschaften auf der medizinisch-chirurgischen Akademie zu Dresden und in Leipzig, wandte sich bald der Chemie ausschließlich zu und habilitierte sich 1825 an der Universität für dieses Lehrfach. Als 1826 die Anwendung des Nickels zur Fabrikation des Neusilbers bekannt wurde, widmete sich E. ein Jahr lang diesem Industriezweig in einer Fabrik am Harz, kehrte aber 1830 nach Leipzig in seine Stellung als Privatdozent zurück. Im J. 1827 wurde er außerordentlicher und 1830 ordentlicher Professor der technischen Chemie daselbst; 1842 errichtete er ein chemisches Laboratorium in Leipzig, welches das Muster mehrerer ähnlicher Anstalten geworden ist. Er starb 9. Okt. 1869 in Leipzig. Von eignen Arbeiten Erdmanns sind vorzüglich die Untersuchungen über das Nickel (Leipz. 1827), den Indigo und einige andre Farbstoffe sowie die von ihm mit Marchand ausgeführten Arbeiten über die Atomgewichte der einfachen Körper zu erwähnen. Diese und andre Arbeiten Erdmanns finden sich in dem von ihm herausgegebenen „Journal für technische und ökonomische Chemie“ (Leipz. 1828–33) und in [763] dem teils von ihm allein, teils im Verein mit Schweigger-Seidel und Marchand geleiteten „Journal für praktische Chemie“ (das. 1834 ff.). Er schrieb auch: „Lehrbuch der Chemie“ (Leipz. 1828, 4. Aufl. 1851); „Grundriß der Warenkunde“ (das. 1833; 11. Aufl. von König, 1885) und „Über das Studium der Chemie“ (das. 1861).
2) Johann Eduard, Philosoph, geb. 13. Juni 1805 zu Wolmar in Livland, studierte zu Dorpat und Berlin, wo ihn namentlich Hegel fesselte, Theologie, ward 1829 Geistlicher in seiner Vaterstadt, wandte sich aber schon 1832 nach Berlin, wo er sich nach Vollendung seines Werkes „Versuch einer wissenschaftlichen Darstellung der Geschichte der neuern Philosophie“ (Leipz. 1834–51, 3 Bde.) 1834 bei der philosophischen Fakultät habilitierte, wurde 1836 als außerordentlicher Professor der Philosophie nach Halle berufen und hier 1839 zum ordentlichen Professor der Philosophie ernannt. Seinen Schriften: „Natur und Schöpfung“ (Leipz. 1840) und „Leib und Seele“ (Halle 1837, 2. Aufl. 1849) folgten: „Grundriß der Psychologie“ (Leipz. 1840, 5. Aufl. 1873); „Grundriß der Logik und Metaphysik“ (das. 1841, 4. Aufl. 1864); ferner „Vermischte Aufsätze“ (das. 1847) und „Über einige der vorgeschlagenen Universitätsreformen“ (das. 1848); „Vorlesungen über den Staat“ (Halle 1851); „Psychologische Briefe“ (Leipz. 1851, 6. Aufl. 1882), worin er die Psychologie mit Glück zu belehrender Unterhaltung darzustellen suchte; „Glaube und Wissenschaft“ (Halle 1856); „Vorlesungen über akademisches Leben und Studium“ (Leipz. 1858) und der „Grundriß der Geschichte der Philosophie“ (Berl. 1865–67, 2 Bde.; 3. Aufl. 1877), worin er das Mittelalter sehr ausführlich und, obgleich selbst der „letzte Mohikaner“ der Hegelschen Schule, deren Selbstauflösungsprozeß sehr unparteiisch darstellt. Seine oft sehr geistreichen, größtenteils in Berlin und Halle vor einem größern Kreis gehaltenen Vorträge sind unter dem Titel: „Ernste Spiele“ (Berl. 1855, 3. Aufl. 1875) gesammelt erschienen.
3) Ludwig, Maler, geb. 1820 zu Bödecke (Regierungsbezirk Minden), studierte auf der Akademie in Düsseldorf und widmete sich der Genremalerei. Von seinen meist humoristischen und gemütvollen Bildern sind hervorzuheben: der Schuster lehrt seinen Vogel pfeifen, der Blumenfreund und die Ziegen im Garten, der Morgen nach dem Maskenball.
4) Christian Friedrich David, protest. Theolog, geb. 28. Juli 1821 zu Güstebiese in der Neumark, studierte 1843–47 zu Berlin, habilitierte sich 1853 in der theologischen Fakultät daselbst, wurde 1856 ordentlicher Professor der Theologie in Königsberg und 1864 Generalsuperintendent und zugleich Honorarprofessor zu Breslau. Unter seinen Schriften sind zu nennen: „Lieben und Leiden der ersten Christen“ (Berl. 1854); „Die Reformation und ihre Märtyrer in Italien“ (das. 1855); „Der Brief des Jakobus“ (das. 1881); „Luther und die Hohenzollern“ (Bresl. 1883).
5) Otto, Maler, geb. 1834 zu Leipzig, studierte auf der dortigen Akademie und später in Dresden und München und ließ sich 1858 in Düsseldorf nieder. Er malt mit besonderer Vorliebe Genrebilder aus der Rokokozeit, die durch gefällige Motive, feinen Humor, pikante Auffassung und ein klares, freundliches Kolorit anziehend sind. Als die hervorragendsten derselben sind zu nennen: die glückliche Werbung, das Blindekuhspiel, die Erwartung, der Empfang des Bräutigams, das Liebesorakel, die geheime Botschaft, die unterbrochene Klavierstunde, die Brautschau, der Verlobungsring, der Gelegenheitsdieb.
6) Moritz, Maler, geb. 15. April 1845 zu Arneburg bei Stendal, besuchte die Berliner Kunstakademie und wurde Schüler des Marine- und Landschaftsmalers H. Eschke. Er unternahm alsdann Studienreisen nach Thüringen, dem Harz, Schleswig, Holland, Schweden und hielt sich ein Jahr in Italien auf. Seine Landschaften zeichnen sich durch poetische, etwas schwermütige Auffassung und durch tiefe, kräftige Färbung aus. Die hervorragendsten derselben sind: Heide am Regenstein im Harz, das Morsumkliff auf der Insel Sylt, Mondnacht im Gallmarsfjord, die Grüne Grotte auf Capri, die Villa Hadriana in Tivoli, die Aqua Claudia des Campo santo in Neapel, die römische Campagna, biblische Landschaft mit den Frauen am Grab Christi.
[255] Erdmann, Gustav Adolf, Schriftsteller, geb. 16. Juli 1859 zu Ahrenshagen bei Stralsund, besuchte das Gymnasium zu Wittenberg, dann 1878 bis 1881 das Seminar zu Halberstadt und wurde im Herbst 1881 Lehrer an dem königlichen Militärknabenerziehungsinstitut zu Schloß Annaburg, wo er seitdem eine rege schriftstellerische Thätigkeit entfaltete. Er schrieb außer zahlreichen Aufsätzen (einige unter dem Pseudonym Gustav Lehrer) in deutschen und amerikanischen Zeitschriften: „Geschichte des Militärknabenerziehungsinstituts zu Schloß Annaburg“ (Wittenb. 1883); „Holda, ein Elfentraum in neun Gesängen“ (Wien 1886); „Ratsversammlung der Asen in Walhalla“ (Wittenb. 1886); „Geschichte der Entwickelung und Methodik der biologischen Naturwissenschaften“ (Kassel 1887); „Deutschlands Weihnachtsbitte für seinen Kronprinzen“ (Berl. 1887); „Die Lutherfestspiele, litterarhistorisch-kritische Studien“ (das. 1888); „Populäre Abhandlungen über Erziehung und Unterricht“ (Gotha 1890); „Darwin und sein Einfluß auf die Methode des Unterrichts in den biologischen Naturwissenschaften“ (das. 1891); „Sempach, ein Schweizer Epos“ (1891).