MKL1888:Erdmannsdörffer

[763] Erdmannsdörffer, 1) Bernhard, Historiker, geb. 24. Jan. 1833 zu Altenburg, studierte seit 1852 in Jena und Berlin Philologie und Geschichte, lebte nach seiner Doktorpromotion („De prytaniis atticis“) als Privatlehrer, zuletzt in einer deutschen Familie in Venedig, wo er im Archiv und in der Markusbibliothek historischen Studien oblag, namentlich über die Beziehungen der Republik zu Deutschland. 1857 nach Deutschland zurückgekehrt, habilitierte er sich 1858 mit einer Schrift: „De commercio, quod inter Venetos et Germaniae civitates aevo medio intercessit“ (Leipz. 1858), als Dozent der Geschichte in Jena, reiste im November 1859 bis August 1860 im Auftrag der Historischen Kommission zu München wieder nach Italien zu archivalischen Forschungen für die Sammlung der Reichstagsakten und siedelte 1861 von Jena nach Berlin über, um an den von Droysen, M. Duncker und v. Mörner geleiteten Arbeiten zur Geschichte des Großen Kurfürsten mitzuwirken. Auf [764] Grund der Schrift „Herzog Karl Emanuel I. von Savoyen und die deutsche Kaiserwahl von 1619“ (Leipz. 1862) habilitierte er sich an der Berliner Universität, wurde 1864 Lehrer der Geschichte an der Kriegsakademie und 1869 außerordentlicher Professor. 1871 folgte er einem Ruf als ordentlicher Professor nach Greifswald, im Herbst 1873 nach Breslau und Ostern 1874 als Nachfolger v. Treitschkes nach Heidelberg. E. schrieb noch: „Graf Georg Friedrich von Waldeck. Ein preußischer Staatsmann im 17. Jahrhundert“ (Berl. 1869), „Das Zeitalter der Novelle in Hellas“ (das. 1870) und gab in dem Aktenwerk „Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg“ (das. 1864 ff.) die „Politischen Verhandlungen“ (1864–1883, 5 Bde.) heraus.

2) Max, Komponist und Orchesterdirigent, geb. 14. Juni 1848 zu Nürnberg, machte seine Studien in Leipzig auf dem Konservatorium sowie später bei Rietz in Dresden, war 1871–80 Hofkapellmeister in Sondershausen, wo er, als Musiker der neudeutschen Richtung huldigend, auch den Schöpfungen der Anhänger derselben besonders thätige Förderung und Pflege angedeihen ließ, und wurde zu Anfang 1882 Dirigent der Konzerte der Russischen Musikgesellschaft in Moskau sowie bald darauf auch Professor am Konservatorium daselbst. Von seinen Kompositionen sind hervorzuheben die Chorwerke: „Prinzessin Ilse“, „Schneewittchen“, „Traumkönig und sein Lieb“ und „Selinde“, eine Orchestereinleitung zu Brachvogels „Narziß“, verschiedene Lieder und Klavierstücke etc. – Seine Gattin Pauline E., geborne Fichtner, Pianistin, geb. 28. Juni 1851 zu Wien und daselbst ausgebildet, trat bereits mit dem 15. Jahr öffentlich auf, konzertierte darauf mit gutem Erfolg in Deutschland und Rußland und nahm 1870–71 noch Unterricht bei Liszt in Weimar, wo sie vom Großherzog zur Kammerpianistin ernannt wurde. Mit E. ist sie seit 1874 verheiratet.


[273] Erdmannsdörffer, 2) Max, Komponist und Orchesterdirigent, ging 1889 als Dirigent der Philharmoniekonzerte nach Bremen.