MKL1888:Frankenthal
[496] Frankenthal, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Pfalz, an der Isenach und einem 6 km langen Kanal nach dem Rhein, Knotenpunkt für die Linien Neunkirchen-Worms und Freinsheim-F. der Pfälzischen Eisenbahn, hat eine katholische und 2 evang. Pfarreien, 4 Kirchen, eine Synagoge, ein schönes Rathaus, eine Lateinschule, ein Reallehrinstitut, eine Taubstummenanstalt, Kreisarmen- und Krankenanstalt, Spital mit Waisenhaus, bedeutende Maschinen-, Dampfkessel- und Schnellpressenfabrikation, Glockengießerei, Korkstöpselfabrik, Bierbrauerei, bedeutende Zuckerfabrik, Wein-, Eisen- und Holzhandel und (1880) 9043 Einw., darunter 3448 Katholiken und 304 Juden. F. ist Sitz eines Bezirksamts, eines Amts- und eines Landgerichts (für die sechs Amtsgerichte zu Dürkheim, F., Grünstadt, Ludwigshafen, Neustadt a. d. Haardt u. Speier). – F. kommt schon als Dorf Franconodal im 8. Jahrh. vor. Der Kämmerer Erkenbert von Worms stiftete 1119 hier ein Augustiner-Chorherrenstift, wozu später noch ein Frauenstift kam, welches jedoch schon 1431 einging; Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz hob auch das Chorherrenstift 1562 auf und schenkte dessen Besitz teilweise an 60 protestantische emigrierte Familien aus den Niederlanden, die sich hier niederließen. Johann Kasimir erhob 1577 die Kolonie zur Stadt, Kurfürst Friedrich IV. machte sie zu einer Festung. 1621 wurde F. von den Spaniern belagert, von Ernst von Mansfeld jedoch entsetzt; aber 1623 fiel es nach neuer Einschließung den Spaniern in die Hände, welche die Stadt mit [497] Ausnahme von 1632 bis 1635, wo sie von den Schweden besetzt gehalten wurde, bis 1652 behielten. 1688 eroberten die Franzosen F. und verbrannten es 13. Sept. 1689, und erst nach 1697 erstand die Stadt wieder allmählich aus ihren Trümmern. Im französischen Revolutionskrieg ward F. 14. Juni 1796 von den Franzosen eingenommen. Vgl. Wille, Stadt und Festung F. während des Dreißigjährigen Kriegs (Heidelb. 1877).