MKL1888:Frost
[753] Frost (Schauer, Horripilatio, Horror), in den geringern Graden Frösteln, ein mehr oder weniger unbehagliches Gefühl, welches bei stärkerer Abkühlung der Haut entsteht. Diese Abkühlung kann entweder durch direkte Entziehung der Wärme, z. B. in kalter Luft, im kalten Bad, hervorgebracht, oder sie kann durch innere Ursachen bedingt werden. Da das Blut der Träger und Verteiler der tierischen Wärme ist, so empfängt die Haut mit der geringern Blutmenge innerhalb einer gewissen Zeiteinheit auch eine geringere Wärmemenge, und die Temperaturdifferenz empfinden wir als subjektives Frostgefühl. Auch objektiv gibt sich die Blutleere der Haut durch ein Gefühl von Kälte zu erkennen, welches man beim Betasten eines Fröstelnden, wenigstens seiner Hände und Füße, empfängt. Bei stärkerm F. ist die Haut des Gesichts, der Hände etc. bläulich gefärbt, weil ein Krampf der kleinsten Arterien stattfindet und eine Stockung des Bluts in den feinen Hautvenen zur Folge hat. Abgesehen von dem subjektiven Frostgefühl, kommen während eines Frostes noch leichte [754] Schüttelkrämpfe in verschiedenen Muskelgruppen, namentlich in den Kaumuskeln, vor: Zähneklappern. In schweren Frostanfällen werden die Schüttelkrämpfe so stark, daß der Kranke im Bett förmlich herumgeworfen wird. Eigentümlich ist ferner für den F. die sogen. Gänsehaut. Die kleinen, dicht nebeneinander stehenden Erhöhungen auf der Haut, welche jene Bezeichnung führen, rühren von den Haarbälgen und Talgdrüsen her, welche im F. stärker hervortreten, weil die dünnen Muskelbündel, welche in der Haut liegen und sich an den Haarbälgen ansetzen (die Arrectores pilorum), sich krampfhaft verkürzen und somit das Haar aufrichten. Die krampfhafte Zusammenziehung aller der genannten unwillkürlichen Muskeln der Haut und der Arterien geschieht durch Vermittelung des Nervensystems, weshalb der F. mit Recht als ein nervöses Symptom bezeichnet wird. Die beteiligten Nerven heißen vasomotorische im Gegensatz zu den motorischen, welche die willkürlichen Bewegungen vermitteln. Mitunter kann auch ein rein psychischer Affekt (Schauder) auf jene Nerven reflektorisch übertragen werden und das Gefühl des Fröstelns verursachen. Hiernach begreift sich die Berechtigung des Ausdrucks: es stehen einem, beim Anhören oder Sehen von etwas Entsetzenerregendem, die Haare zu Berge. Ein F. entsteht nicht selten beim Katheterisieren der Harnröhre, indem die dabei auftretenden unangenehmen Empfindungen durch das Gehirn reflektorisch auf die oben genannten Gefäßnerven etc. übertragen werden. F. kommt vor allem im Beginn und im Verlauf des Fiebers vor. Doch ist über die Bedingungen seines Entstehens und über die Bedeutung des Fieberfrostes noch so gut wie nichts bekannt.
Frost, William Edward, engl. Maler, geb. 1810 zu Wandsworth (Surrey), trat 1829 in London als Schüler der Akademie ein und widmete sich anfangs vorzugsweise der Porträtmalerei. 1839 bekam er für sein erstes größeres Bild: der gefesselte Prometheus, eine Medaille und später einen andern Preis für einen dornengekrönten Christus. Nachher bildete er sich mehr nach Etty, dem Maler schöner Frauengestalten, und schilderte vorzugsweise mythologische Gegenstände. Dahin gehören die seiner Zeit sehr bewunderten Bilder: das Bacchanal, die tanzenden Nymphen (1844), Diana und Aktäon (1846), Una und die Waldnymphen (1847), Euphrosyne, die Sirene, der entwaffnete Amor, Andromeda, der Raub des Hylas, der Frühlingsmorgen, die Grazien, Narkissos und ähnliche mythologische Darstellungen. Seine letzten bedeutendern Werke waren eine Nymphe und Amor (1874) und eine Bacchantin. Er starb 8. Juni 1877.