MKL1888:Galjaß und Galjot

[848] Galjaß (Galraß) und Galjot (Galeot), zwei Arten von Fahrzeugen der neuern Handelsmarine, besonders der nordischen, welche ihre Namen von den mittelalterlichen Ruderkriegsschiffen Galeasse und Galeote (s. Galeere) ableiten, aber heutzutage nur kleine Segelfahrzeuge ganz andern Charakters sind. Sie haben, abgesehen vom Bugspriet mit seinen Klüvern (dreieckigen Segeln), 2 Masten, von denen der vordere, bedeutend größere 3 (auch 2 oder 4) Raasegel, der hintere ein Besahn- (trapezoidisches, normal längsschiffs stehendes) Segel und zuweilen darüber ein ebensolches, aber kleineres Toppsegel führt. Sie sind also ebenso getakelt wie die Schoner (nur daß bei diesen der hintere Mast höher ist), aber rationeller als dieselben: während der hintere Mast und das Bugspriet für die Wendungen berechnet sind, erscheint [849] im mittlern Maste die Hauptbewegungskraft konzentriert, und dieser ist deshalb größer. Die Galjaß und die Galjot haben einen Großmast und einen Besahnmast, aber keinen Fockmast, während der Schoner einen Groß- und einen Fock-, aber keinen Besahnmast hat. Die Galjot, mehr in der Ostsee gebräuchlich, ist rundgattet (mit rund gewölbtem hintern Teil), die Galjaß, mehr in der Nordsee gebräuchlich, plattgattet, mit über Wasser in einer Querplatte abschneidendem hintern Teil gebaut. Galjasse und Galjote sind aus der Kuff (s. d.) hervorgegangene jüngere Schiffstypen, gleichsam modernisierte Kuffschiffe. Der charakteristische Unterschied der Galjasse und Galjote von der Kuff besteht darin, daß der Vorsteven und Bug der erstern nach vorn überfallend gebaut ist, während der der Kuff gerade aufsteht und ganz oben nach binnen einfällt.