MKL1888:Gall
[849] Gall, 1) Franz Joseph, Anatom und Phrenolog, geb. 9. März 1758 zu Tiefenbronn bei Pforzheim, studierte zu Straßburg und Wien und ließ sich in letzterer Stadt als Arzt nieder. Nachdem er sich durch seine „Philosophisch-medizinischen Untersuchungen über Natur und Kunst im gesunden und kranken Zustand des Menschen“ (Wien 1791, 2 Bde.) einen Namen erworben hatte, trat er mit Vorträgen über Schädellehre hervor, die ihm aber in Wien erst gänzlich untersagt, dann nur in beschränktem Maß gestattet wurden; auch auf Reisen durch Deutschland suchte er seiner neuen Lehre Anhänger zu gewinnen, die freilich auch viele Gegner fand. Im J. 1807 ließ er sich zu Paris nieder, hielt hier und in London kranioskopische und phrenologische Vorträge und starb 22. Aug. 1828 in Montrouge bei Paris. Er schrieb: „Introduction au cours de physiologie du cerveau“ (Par. 1808); mit Spurzheim: „Recherches sur le système nerveux“ (das. 1809; deutsch, das. 1809) und „Anatomie et physiologie du système nerveux“ (das. 1810–1820, 4 Bde.; 2. Aufl. 1822–25, 6 Bde. nebst Atlas mit 180 Kupfertafeln; auch deutsch); ferner: „Des dispositions innées de l’âme et de l’esprit“ (das. 1812); „Sur les fonctions du cerveau et sur celles de chacune de ses parties“ (das. 1822, 2 Bde.).
2) Ludwig, Techniker, geb. 28. Dez. 1791 zu Aldenhoven bei Jülich, ward 1811 Gerichtsschreiber zu Kleve, war dann als Beamter anderweitig beschäftigt und wurde 1816 Regierungssekretär in Trier. Hier konstruierte er 1817 eine Dampfbrennerei und erleuchtete sein Haus mit Gas. 1819 ging er als Kommissar einer Auswanderungsgesellschaft in Bonn nach Nordamerika, kehrte aber schon 1820 zurück, worauf er Kreissekretär in Trier und 1825 in Wetzlar ward. 1834 legte er in Galizien und der Bukowina mehrere Brennereien an, und 1836 errichtete er in Ungarn auf dem Gute des Barons Ghillany eine Versuchs- und Lehranstalt mit Werkstätten zur Anfertigung von Destilliergeräten. 1839 ward er Oberinspektor der landwirtschaftlich-technischen Gewerbe auf den Gütern des Barons Eötvös und führte hier neben Verbesserungen technischer Apparate 1842 in Pest die Dampfwäsche ein. 1849 nach Trier zurückgekehrt, konstruierte er einen Futterdämpfapparat und einen tragbaren Dampferzeuger, und seit 1852 lehrte er aus sauren Trauben gewonnenen Most verbessern (Gallisieren, s. Wein). Als die Behörden der Pfalz hierin eine Weinverfälschung erkannten und die gallisierten Weine mit Beschlag belegten, richtete G. ein Sendschreiben an den König von Bayern, worin er sich über jenes Verfahren der pfälzischen Verwaltungsbehörden beklagte. Infolge davon ward er 1857 in Stuttgart, wohin er behufs der Gründung eines Anzeigeblattes zeitweilig übergesiedelt war, auf Requisition der pfälzischen Behörden verhaftet, entfloh aber und gelangte glücklich nach Trier, wo er 31. Jan. 1863 starb. Über seine verschiedenen technischen Verfahren hat er zahlreiche Schriften veröffentlicht. Auch beschäftigte er sich mit sozialen Problemen und wollte durch Erfindungen die zur Errichtung kommunistischer Musteranstalten nötigen Geldmittel erlangen.
3) Luise von, Dichterin, s. Schücking.