MKL1888:Grün

[856] Grün, die aus Blau und Gelb zusammengesetzte Farbe. Grüne Farben werden häufig aus blauen und [857] gelben, z. B. aus Berliner Blau und Chromgelb, zusammengesetzt; doch liefern viele Chromverbindungen (Chromoxyd, Chromhydroxyd) und Kupferverbindungen (Schweinfurter Grün, Schwedisches Grün, Malachit etc.), auch manche Pflanzen (Saftgrün, Lokao) sehr schöne grüne Farben. Ebenso hat man einige grüne Teerfarben dargestellt. G. ist die Farbe der Hoffnung. Es gilt aber auch im eigentlichen wie im übertragenen Sinn als Bezeichnung des Unreifen. – Französisches G., s. Grünerde.

Grün, 1) Karl, Publizist, geb. 30. Sept. 1817 zu Lüdenscheid in Westfalen, studierte zu Bonn und Berlin, wurde dann Lehrer des Deutschen am Kollegium in Kolmar und gründete 1842 in Mannheim die radikale „Mannheimer Abendzeitung“. Aus Baden und Bayern ausgewiesen, wandte er sich nach Köln, wo er Vorlesungen über Litteratur- und Kunstgeschichte hielt und sein Werk „Friedrich Schiller als Mensch, Geschichtschreiber, Denker und Dichter“ (Leipz. 1844) schrieb, wie in Paris, wohin er 1844 ging, das Buch „Die soziale Bewegung in Frankreich und Belgien“ (Darmst. 1845) und „Über Goethe vom menschlichen Standpunkt“ (das. 1846). Im J. 1848 nach Deutschland zurückgekehrt, ward er in die preußische Nationalversammlung (in der er zur äußersten Linken gehörte), 1849 auch in die preußische Zweite Kammer gewählt, nach deren Auflösung aber wegen „intellektueller“ Beteiligung an dem Pfälzer Aufstand verhaftet und erst nach achtmonatlicher Haft freigesprochen. G. lebte seitdem schriftstellerisch thätig in Belgien, brachte ein Jahr (1861) in Italien zu, wurde nach seiner Rückkehr Lehrer an der Handels- und der höhern Gewerbeschule zu Frankfurt, hielt 1865–68 Vorlesungen in den rheinischen Städten und siedelte 1870 nach Wien über, wo er noch jetzt lebt. Er veröffentlichte noch: „Ludwig Napoleon Bonaparte, die Sphinx auf dem französischen Kaiserthron“ (3. Aufl., Hamb. 1860); „Frankreich vor dem Richterstuhl Europas“ (anonym, Trier 1860); „Italien im Frühjahr 1861“ (Münch. 1861); „Fragmente aus Italien; Natur und Kunst“ (das. 1862); „Kulturgeschichte des 16. Jahrhunderts“ (Leipz. 1872); „Ludwig Feuerbach in seinem Briefwechsel und Nachlaß“ (das. 1874, 2 Bde.); „Die Philosophie in der Gegenwart“ (das. 1876); „Kulturgeschichte des 17. Jahrhunderts“ (das. 1880, 2 Bde.) u. a.

2) (Grien) Maler, s. Baldung.

3) Anastasius, Pseudonym, s. Auersperg 1).


[404] Grün, 1) Karl, Publizist, starb 18. Febr. 1887 in Wien.