MKL1888:Hörmann
[461] Hörmann, 1) Ludwig von, Schriftsteller, geb. 12. Okt. 1837 zu Feldkirch, wirkte zuerst als Philolog am Innsbrucker Staatsgymnasium, trat aber später in den Bibliothekdienst, wurde Kustos der Universitätsbibliothek in Graz, seit 1878 ist er Direktor der Universitätsbibliothek in Innsbruck. Seinen Ruf begründete er durch die Kulturbilder: „Tiroler Volkstypen“ (Wien 1877). Darauf folgten sein „Tirolisches Volksleben“ (1879) und seine sorgfältige Ausgabe der „Schnaderhüpfel aus den Alpen“ (2. Aufl., Innsbr. 1882), „Haussprüche aus den Alpen“ und „Grabschriften und Marterlen“ (beide Leipz. 1890), „Die Jahreszeiten in den Alpen“ (das. 1889), „Volkstümliche Sprichwörter und Redensarten aus den Alpenlanden“ (das. 1891). Außerdem schrieb er: „Durch den Arlberg“ (in den „Europäischen Wanderbildern“, Zürich 1884) und beteiligte sich an dem Sammelwerk „Unser Vaterland“. Mit Hans v. Vintler und J. E. Waldfreund gab er die Gedichtsammlung „Frühblumen aus Tirol“ (Innsbr. 1863) heraus.
2) Angelika von, Dichterin, Gattin des vorigen, geb. 28. April 1843 zu Innsbruck als Tochter des Universitätsprofessors Matthias Geiger, genoß eine sorgfältige Erziehung und trat schon nach ihrer Verheiratung (1863) in der Anthologie ihres Gatten: „Frühblumen aus Tirol“, als Dichterin auf; dann folgten „Grüße aus Tirol“, Gedichte (Gera 1869), die Erzählung in Versen: „Die Seligen“ (1876), behandelt dieselbe Sage wie Rudolf Baumbachs „Zlatorog“, endlich das erzählende Gedicht: „Oswald von Wolkenstein“ (Dresd. 1890). Mit größter sprachlicher Sauberkeit verbindet die Dichterin Innigkeit und Wahrheit des Gefühls, besonders glücklich ist sie im lyrischen Naturbild; ihr „Oswald“ wird zwar der ganzen Größe des Stoffes nicht Meister, beruht aber auf guten Studien und ist mit steigender Wirkung fesselnd erzählt. Auch in der Prosaerzählung hat sie sich versucht mit der Novelle: „Das Nähmädchen“ (1872).