MKL1888:Haselhuhn

[199] Haselhuhn (Bonasa Steph.), Gattung aus der Ordnung der Scharrvögel, der Familie der Waldhühner (Tetraonidae) und der Unterfamilie der echten Waldhühner (Tetraoninae), gedrungen gebaute Vögel mit am untern Teil nacktem Lauf, an den Rändern gefransten Zehen, abgerundetem, weichem Schwanz und stark verlängerten, aufrichtbaren Scheitelfedern. Das H. (Rotthuhn, B. sylvestris Brehm, s. Tafel „Hühnervögel“), 47 cm lang, 63 cm breit (das Weibchen ist um 1/5 kleiner), ist auf der Oberseite rostrotgrau und weiß gefleckt, auf dem Oberflügel treten weiße Längsstreifen und Flecke hervor, die Kehle ist beim Männchen schwarz; die Schwingen sind graubraun, rötlichweiß gefleckt, die Steuerfedern schwärzlich, grau getuscht, die mittlern rostfarben gebändert und gezeichnet; das Auge ist nußbraun, der Schnabel schwarz, der Fuß hornbraun. Das H. findet sich von den Alpen bis zum Polarkreis und vom Atlantischen bis zum Großen Ozean, besonders in Nord- und Nordosteuropa und in Sibirien, aber nur in gewissen Gegenden, besonders im Gebirge und im dichten, gemischten Laubwald. Es streift viel umher, geht auch auf die Felder und auf die Heide, kehrt aber immer wieder zum Wald zurück. Zur Zeit des Laubfalls bevorzugt es Nadelwälder, läuft sehr schnell und gewandt, fliegt anstrengend und geräuschvoll, lebt gern versteckt und gesellig, aber einweibig, und der Hahn tanzt bei der Balz (März, April) nicht, wie der Auer- und Birkhahn. Die Henne legt in eine gut verborgene Mulde 8–12 und mehr sehr kleine, rötlich braungelbe, rot- und dunkelbraun gefleckte Eier, welche das Weibchen in drei Wochen mit großem Eifer ausbrütet. Während der Brutzeit schweift der Hahn umher, doch findet er sich später bei der Familie wieder ein und wird ihr treuer Führer. Die Nahrung besteht aus Beeren, Gras, Knospen, Blüten und Insekten. In der Gefangenschaft ist das H. zuerst sehr ängstlich, gewöhnt sich aber allmählich ein, indes ohne eigentlich zahm zu werden. Man erlegt es auf der Suche mit dem Vorstehhund, den Hahn auch außer der Balz im September und Oktober durch Anlocken mittels einer aus einem Gänseflügelknochen gefertigten Lockpfeife. Der Lockruf wird durch den Jägerspruch: „Zieh, zieh, zieh bei der Hitz’ bei der Höh’“ bezeichnet. Der Fang in Laufdohnen und Stecknetzen ist unweidmännisch, wird aber von Wilddieben gern betrieben. Junges Haselwild liefert einen besonders feinen Braten, die Schießzeit ist nach dem Wildschongesetz für Preußen von Anfang September bis Ende Januar, jedoch können die Bezirksregierungen Anfang und Schluß bis zu 14 Tagen verschieben.