MKL1888:Horizontaltransport

[461] Horizontaltransport. Zum Heben von stückigem oder körnigem Material ist von Kreiß unter dem Namen Elementartransport (Schwinge-Förderrinne) eine neue, sehr einfache Vorrichtung angegeben. Diese besteht aus einem Rohre aus Eisenblech oder Holz, welches, an Flachstahlfedern aufgehängt oder auf ihnen ruhend, durch Kurbelantrieb in hin und her gehende und zugleich um ein geringes schräg auf- und abwärts gerichtete Bewegung versetzt wird,

Elementartransport von Kreiß.

wodurch das Material sozusagen in Fluß gebracht wird und sich mit großer Geschwindigkeit in dem Rohre fortbewegt. Das Rohr a (s. Figur) ruht auf den Federn bb, welche so aufgestellt sind, daß bei der Vorwärtsbewegung des Rohres in der Pfeilrichtung zugleich eine geringe Aufwärtsbewegung stattfindet, während mit der Rückwärtsbewegung ein Senken des Rohres verbunden ist. Die Bewegung des Rohres erfolgt mittels der Schubstange d von der Kurbelscheibe c aus, welche ihrerseits durch Riementrieb etc. angetrieben wird und mit dem Schwungrad e an derselben Achse befestigt ist. Das in den Rumpf f fallende Material soll nun nach dem Rohrende g hin befördert werden. Der Vorgang dabei ist folgender: Bei der schräg nach oben vorwärts gerichteten Bewegung des Rohres wird das Material in gleicher Richtung vorgeschleudert und entfernt sich dadurch etwas von dem Boden des Rohres. Während nun das schräg vorwärts geschleuderte Material sich noch in fliegender Bewegung befindet, kehrt das Rohr in seiner Bewegung um. Kurz bevor diese Rückbewegung vollendet ist, oder gleich nachher, ist das Material wieder zu Boden gefallen, um nun bei der nächsten Vorbewegung des Rohres aufs neue schräg auf- und vorwärts geschleudert zu werden. Während des Wurfes entfernt sich das Material nur um ein ganz Geringes vom Boden des Rohres, es genügt, daß beim Rückgang des Rohres die Reibung zwischen dem Rohrboden und dem Material aufgehoben wird, damit letzteres nicht mit zurückgenommen werden kann. Beim Vorwärtsgang des Rohres ist also Druck des Materials auf dasselbe und daher Reibung und Förderwirkung vorhanden, beim Rückgang dagegen nicht, so daß das Material in ganz kleinen, schnell aufeinander folgenden Sprüngen sich in der Röhre nach g hin fortbewegt. Das Hin- und Herschwingen, bez. Auf- und Abschwingen des Rohres erfordert nur einen sehr geringen Kraftaufwand, denn das gehobene Rohr leistet beim Niedergang eine gewisse Arbeit, die in dem Schwungrad d sowie auch in den Stützfedern b aufgespeichert wird, um beim nächsten Aufgang treibend mitzuwirken. Der Kraftverbrauch beträgt pro Meter horizontale Förderstrecke und 5000 kg stündliche Leistung nur etwa 1/50 Pferdekraft und ist der Länge des Transports und dem Gewichte der in einer bestimmten Zeit zu fördernden Menge proportional. Die stündliche Leistung eines horizontalen Transportrohrs von 150 mm Durchmesser beträgt bei 20 mm Kurbelhub und ca. 450 Touren pro Minute etwa 150 hl; sie steht im quadratischen Verhältnis zum Rohrdurchmesser, ist also bei 300 mm desselben das Vierfache (600 hl). Am Schluß der Förderung entleert sich das Rohr vollständig. Da das Material beim Transport mit dem Kreißschen Apparat geschont wird, so eignet sich dieser zum Transport von empfindlichem Material (Malz etc.). Der Apparat fördert auch schräg aufwärts, er wird fabriziert von E. Kreiß in Hamburg.