MKL1888:Hughes

[771] Hughes (spr. juhs), 1) Thomas, engl. Schriftsteller und Politiker, geb. 20. Okt. 1823 zu Donnington Priory bei Newbury in Berkshire, zu Rugby erzogen, studierte in Oxford und wurde 1848 Rechtsanwalt. Hauptsächlich aber widmete er sich der Teilnahme am öffentlichen Leben. Er war einer der Hauptgründer des sogen. christlichen Sozialismus (s. Kingsley 1) und des Working Mens’ College, an dessen Spitze er jetzt steht. Litterarisch machte er sich zuerst bekannt durch „Tom Brown’s schooldays“ (1856 u. öfter; deutsch, Gotha 1867), eine Darstellung seiner Schulerinnerungen, welche das Wirken des englischen Erziehers Th. Arnold in helles Licht setzt, zugleich aber das ganze Schulwesen Englands beleuchtet. Eine Fortsetzung davon erschien als „Tom Brown at Oxford“ (1861, neue Ausg. 1871). Interessante Erinnerungen aus dem westlichen England enthält H.’ Werk „Scouring of the white horse“ (1858, neue Ausg. 1869); Carlyles Einfluß zeigt sich besonders in „Alfred the Great“ (1869). Von 1865 bis 1868 vertrat H. Lambeth, bis 1874 Frome im Parlament. Im J. 1879 gründete er unter dem Namen Rugby eine englische Kolonie in Tennessee, die er bei seiner Rückkehr 1880 in blühendem Zustand zurückließ (vgl. seine Schrift „Rugby, account of the settlement“, 1881), die aber gleichwohl infolge ökonomischer Schwierigkeiten bald wieder einging. Noch veröffentlichte er „Our old church; what shall we do with it?“ (1878); „The manliness of Christ“, Erbauungsschrift (1879), und ein „Memoir of Daniel Mc. Millan“ (1882).

2) David Edwin, der Erfinder des Typendrucktelegraphen, geb. 1831 zu London, kam 1838 nach Virginia und entwickelte frühzeitig eine so bedeutende musikalische Begabung, daß er schon 1850 eine Professur der Musik an der Hochschule zu Barndstown in Kentucky erhielt. Nebenbei widmete er sich der Naturwissenschaft und übernahm bald auch den Lehrstuhl für diese an der Hochschule. 1853 gab er seine bisherige Stellung auf und zog sich nach Bowlinggreen zurück, um sich der Konstruktion eines Typendrucktelegraphen zu widmen. Die Hauptschwierigkeit, welche darin bestand, dem gebenden und dem empfangenden Apparat genau übereinstimmende und [772] gleichmäßige Geschwindigkeit zu erteilen, überwand er durch Anwendung schwingender Körper zur Regulierung der Bewegung und erzielte 1855 mit seiner Erfindung den ersten durchschlagenden Erfolg. In New York bildete sich eine Gesellschaft, welche den Typendrucktelegraphen in Betrieb nahm und nach Vereinigung mit mehreren kleinern Gesellschaften als Western Union Company noch heute besteht. 1857 ging H. nach England und bemühte sich, indes ohne Erfolg, seine Erfindung dort einzuführen. Dagegen gelang dies sofort in Frankreich, und nun bahnte sich der Apparat sehr bald seinen Weg in fast alle übrigen europäischen Länder. 1865 wurde er in Preußen eingeführt, 1869 in Bayern und Württemberg, 1872 bei der Submarine Telegraph Company. Endlich wurde auf dem internationalen Telegraphenkongreß vereinbart, daß alle internationalen Telegramme nur mittels des H.- oder des Morse-Apparats befördert werden sollen. Nach der Einführung seines Apparats ließ sich H. in London nieder und erfand das Mikrophon, welches mit Hilfe einer galvanischen Batterie und eines Telephons auch das leiseste Geräusch dem Ohr wahrnehmbar macht.