MKL1888:Ilmenau

[895] Ilmenau, Stadt im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, Verwaltungsbezirk Weimar, besuchter Bade- und Luftkurort, am Fuß des Thüringer Waldes, an der Ilm sowie an der Linie Neudietendorf-I. der Preußischen Staatsbahn und der Eisenbahn I.-Großbreitenbach, 492 m ü. M., hat 2 evang. Kirchen, ein Amtsgericht, ein Bergamt, eine Forstinspektion, ein großherzogliches Schloß (in welchem Amtsgericht und Bergamt), ein Fräuleinstift, einen großen Felsenkeller, bedeutende Porzellan-, Thonwaren-, Terrakotta-, Glas- und Glasinstrumenten-, dann Spielwaren-, Buchdruckfarben-, Handschuh- und Schuhfabrikation, Firnissiederei, Rußbrennerei, Bierbrauerei, Bergbau auf Eisen und Braunstein, eine Gußstahlfabrik (auf dem nahen Grenzhammer bei der »Schillerhöhe«), Wasser- und andre Mühlen und (1885) 5452 Einw. Seit 1839 be steht in I. eine vielbesuchte Kaltwasserheilanstalt, in welcher kalte und warme Bäder aller Art (auch Fichtennadelbäder) geboten werden; als weitere Kurmittel finden Molken, Heilgymnastik und Elektrizität Anwendung. 1886 wurde I. von 1760 Sommergästen besucht. Früher den Grafen von Käfernburg gehörig, dann 1343-1583 ein Teil der Grafschaft Henneberg, kam I. 1631 in den Besitz Kursachsens und später Weimars. Noch jetzt führt I. den Titel einer Bergstadt. In der Nähe ein Denkmal des Dichters V. v. Scheffel, der hier öfters weilte, und der 873 m hohe Kickelhahn (s. d.). Vgl. Voigt, Geschichte des ilmenauischen Bergbaues (Sondersh. 1821); Springer, Die klassischen Stätten von Jena und I. (Berl. 1869); Fils, Bad I. und seine Umgegend (4. Aufl. von Breller, Hildburgh. 1886); Lausch, I. und seine Umgebung (2. Aufl., Gotha 1883).