MKL1888:Kriegsgeschichtliche Litteratur
[506] Kriegsgeschichtliche Litteratur, neuere. Wie der Feldzug der deutschen Großmächte gegen Dänemark im J. 1864 vermöge des Auftretens der Hinterladungswaffen einen wichtigen Abschnitt in der Kriegskunst bildet und wie er die Bewegung einleitete, aus welcher die Wiedergeburt Deutschlands und eine ganz veränderte Machtstellung der europäischen Staaten hervorgingen, so kennzeichnet er den Beginn eines neuen Zeitalters für die Kriegsgeschichte. Der gewaltige Umschwung in den Verhältnissen der Völker zu einander und die in den meisten Ländern stattfindende Einführung oder Ausdehnung der allgemeinen Wehrpflicht steigerten das Interesse für die Kenntnis kriegerischer Vorgänge, vorzüglich aus neuerer Zeit, und in weit größerm Umfang als früher erfolgte die Vermittelung dieser Kenntnis von berufenster Seite, nämlich durch die Generalstäbe. Von großer Wichtigkeit für die Zahl der nichtamtlichen Arbeiten und für deren Wert waren die vermehrte Leichtigkeit, Zutritt zu den Archiven zu erlangen, und die Fortschritte, welche das Verständnis für quellenkritische Forschung gemacht hat. Das Feld geistiger Thätigkeit, über welche hier Bericht erstattet werden soll, ist daher ein reich angebautes. Nur die hauptsächlichsten unter den Früchten, welche es gezeitigt hat, können zur Nennung kommen. Der deutsche und demnächst der französische Büchermarkt werden vorzugsweise Beachtung finden; was in weniger verbreiteten Sprachen geschrieben ist, kann nicht ebenso eingehend angeführt werden. Der Inhalt von Zeitungen und Zeitschriften ist nicht berücksichtigt worden, teils weil er meist von geringerer Bedeutung ist als das in selbständigen Werken Gebotene, teils weil seine Aufnahme zu weit geführt haben würde. Ein vorzügliches Hilfsmittel sich mit demselben bekannt zu machen, ist das an eine gleichnamige, bis 1859 reichende Arbeit von v. Sturmfeder anschließende „Repertorium der deutschen Militärjournalistik“ (Berl. 1878) von Hirsch und Kowalski, welches in zwei von Hirsch bearbeiteten, bis 1883 reichenden Nachträgen (das. 1882 u. 1885) und in einem 1890 erschienenen ersten Teil des 4. Bandes auch das Ausland in Betracht zieht. Ferner geben seit 1884 die seit 1874 in Berlin erscheinenden „Jahresberichte über die Veränderungen und Fortschritte im Militärwesen“, herausgegeben von v. Löbell, in ihren „Berichten über die Kriegs- und heeresgeschichtliche Litteratur“ auch über die Erscheinungen in der Militärjournalistik des In- und Auslandes Auskunft. Der Übersichtlichkeit wegen gliedern wir unsern Stoff in vier Abteilungen.
Eine „Allgemeine Kriegsgeschichte aller Völker und Länder“ zu schreiben hat der Fürst N. S. Galitzin unternommen. Leider ist das Unternehmen, wie viele ähnliche zuvor, nicht zur Vollendung gediehen, sondern nur bis an die Wende des 18. und 19. Jahrh. gelangt. Das Werk ist russisch geschrieben und teils von Eichwald, teils von Streccius in das Deutsche übersetzt (Kassel 1874–89). In seinen 15 Bänden gibt es umfassende und auch meist zuverlässige Auskunft über die behandelten Zeiten. Ein ähnliches Werk ist in einer im Ausland noch weniger bekannten Sprache, der dänischen, erschienen. Es ist die „Almindelig Krigshistorie“ von Schnitler (Christiania 1879–81, 3 Bde.), eine Arbeit, welche nicht sämtliche kriegerische Vorgänge gleichmäßig in den Rahmen ihrer Betrachtung zieht, sondern die verschiedenen Zeitabschnitte zuerst allgemein und darauf durch Berichte über Einzelereignisse näher kennzeichnet, ganz in der Weise, wie es in der „Anleitung zum Studium der Kriegsgeschichte“ von J. v. H.(ardegg), fortgesetzt von v. Troschke (Darmst. 1868–78), der umgearbeiteten 2. Auflage der „Vorlesungen über Kriegsgeschichte“ des erstgenannten Verfassers, geschieht. Die oben erwähnte schriftstellerische Thätigkeit der Generalstäbe macht sich, außer durch die Herausgabe der später zu erwähnenden „Generalstabswerke“, durch Veröffentlichungen bemerkbar, welche sich über das ganze Gebiet der Kriegsgeschichte verbreiten. So läßt seit 1878 das k. und k. Kriegsarchiv zu Wien „Mitteilungen“, der Große Generalstab zu Berlin seit 1883 „Kriegsgeschichtliche Einzelschriften“ bearbeiten; in Kopenhagen erscheinen „Meddelelser fra Krigsarkiverne“, in Stockholm, verwandten Ursprungs, „Krigsvetenskaps-Akademiens-Handlingar“. Auch die „Beihefte zum Militärwochenblatt“ (Berlin) behandeln häufig kriegsgeschichtliche Stoffe.
Einen sichern Wegweiser beim Suchen nach den Quellen gibt die „Bibliotheca historico-militaris“ von Pohler (Kassel 1887 ff.), ein Bücherverzeichnis, welches das kriegsgeschichtliche Schrifttum aller Völker, soweit es durch den Druck selbständiger Werke zugänglich gemacht ist, umfassen soll. Zwei stattliche Bände, den Hauptteil der Aufgabe erledigend, liegen vor, und keinem Zweifel ist daher unterworfen, daß ein oft begonnenes, ebenso oft unvollendet gebliebenes Unternehmen diesmal zu Ende geführt werden wird. Eine gedrängte Darstellung der wichtigsten Kriegsvorfälle nebst Angabe von Werken, welche weitere Belehrung bieten, ist in dem „Handwörterbuch für die gesamten Militärwissenschaften“, herausgegeben von B. Poten (Bielef. u. Leipz. 1877 bis 1880, 9 Bde.) enthalten.
Trotz anerkennenswerten Strebens nach Wahrheit und nach Unparteilichkeit, welches die neuere Geschichtsschreibung kennzeichnet, besteht eine große Zahl von Sagen und Legenden in betreff einzelner Ereignisse und Persönlichkeiten. Ihnen entgegenzutreten, ist vor allem das Verdienst der neuern Forschung, welche sich nicht begnügt, aus den Quellen zu schöpfen, sondern letztere vorher auf ihre Glaubwürdigkeit prüft, sie kritisch untersucht. Einzelheiten, welche zu landläufigem Ansehen gelangt waren und selbst zu geflügelten Worten den Anlaß gegeben hatten, sind durch W. v. Janko in „Fabel und Geschichte“ (Wien 1880) gewürdigt worden. Eine bedenkliche Art der Behandlung kriegsgeschichtlicher Aufgaben würde, wenigstens für die weitere Öffentlichkeit, diejenige sein, welche unter der Maske der Wahrheit auf dem Hintergrunde der Thatsachen Erzeugnisse der eignen Einbildungskraft vorführt, wie es z. B. durch K. Bleibtreu in „Dies irae“ (Berl. 1884), „Napoleon bei Leipzig“ (das. 1885), einer sogen. „Studie“ oder unter dem geheimnisvollen Titel „Wer weiß es?“ (das. 1884), und durch de la Croix in den aus dem Französischen übersetzten „Enthüllungen“ (Hannov. 1885) in Beziehung auf den Krieg von 1870/71 geschehen ist, wenn nicht die Kritik sie rasch in ihren Bereich, den des Romans, verwiese.
Was hier hervorzuheben ist, bezieht sich erklärlicherweise hauptsächlich auf die Ereignisse der Neuzeit. Der Eindruck, welchen diese machten, war ein gewaltiger, [507] und der Einfluß, welchen sie ausübten, ist ein so tief einschneidender, daß das Interesse an allem Frühern weit dagegen zurücktreten mußte.
Was über das Altertum gedruckt worden ist, hat wenig Neues von Wert an das Licht gefördert. Der Streit über den Ort der Varusschlacht, welcher, wohl im Andenken an jene erste Erhebung der Deutschen gegen fremde Anmaßung, zahlreiche Federn in Bewegung gesetzt hat, ist noch nicht zum Austrag gelangt, wenn auch die meisten Stimmen sich dahin einigen, daß die Stelle nördlich von Osnabrück, in der Nähe des Gutes Barenau, zu suchen sei, und die Mehrzahl der sonstigen, die Zeiten der Griechen und Römer behandelnden Schriften beschäftigt sich mit der Erörterung unerledigter Fragen durch Philologen. Eine wesentliche Bereicherung hat die Cäsarlitteratur durch eine Arbeit des Obersten Baron Stoffel, Napoleons III. tüchtigsten Mitarbeiters, über „La guerre civile“ (Par. 1887) erhalten.
Die Kreuzzüge erfuhren eine Gesamtdarstellung durch B. Kugler (Berl. 1880) in Onckens „Allgemeiner Geschichte in Einzeldarstellungen“. Licht in das Dunkel, welches die Zeit des Mittelalters verschleiert, bringt ein höchst verdienstliches, freilich nicht in erster Linie der Kriegsgeschichte gewidmetes, aber diese wesentlich bereicherndes Werk: „Entwickelung des Kriegswesens und der Kriegführung in der Ritterzeit“ von General Köhler (Bresl. 1885–89). Es geht bis zu den Hussitenkriegen. Wo es aufhört, setzen „Urkundliche Berichte zur Geschichte des Hussitenkriegs 1419–36“ von F. Palaczky (Prag 1872–74) und für Schlesien „Die Hussitenkriege 1420–35“ von F. Grünhagen (Bresl. 1872) sowie des nämlichen Verfassers „Geschichtsquellen der Hussitenkriege“ (das. 1871) ein. Die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges, welchem vor vielen andern eine gründliche und unparteiische Darstellung not thäte, ist namentlich von zwei eine solche anstrebenden Schriftstellern behandelt. Der eine von ihnen, A. Gindely, welcher mit der Veröffentlichung seiner Geschichte des Krieges 1869 begann, steckt aber noch in den Anfängen (2. Abt.: „Die Strafdekrete Ferdinands II. und der pfälzische Krieg“, Prag 1880); der andre, O. Opel, behandelt nur den niedersächsisch-dänischen Krieg, der 2. Band (Magdeb. 1878) geht bis zum Jahre 1626. Beide haben außerdem zu den Schriften beigesteuert, welche in reicher Menge Einzelheiten des Krieges gewidmet wurden. Zum Abschluß ist eine gedrängtere, meist auf deutschen Druckwerken beruhende „Histoire de la guerre de trente ans“ von Charveriat (Par. 1878, 2 Bde.) gekommen. Der 200jährigen Wiederkehr des Tages der Errettung Wiens aus der Türkengefahr danken zahlreiche Schriften ihr Entstehen. Vor allen ist zu nennen „Das Kriegsjahr 1683“, vom Kriegsarchiv herausgegeben, daneben „Beiträge zur Geschichte der Belagerung etc.“ von F. Newald, „Wien im J. 1683“, im Auftrag des Gemeinderats von V. v. Renner, und von den Darstellungen, welche für die Hilfsvölker eintreten: „Die Beteiligung der kursächsischen Truppen“ von P. Hassel und Graf Vitzthum, „König Johann III. vor Wien“ von P. Kluczycki, deutsch von J. Petelenz, letztere Arbeit, wie eine gegen „Das Jahr 1683 etc.“ von O. Klopp gerichtete kleine Schrift von J. Chelmecki, „Johann Sobieski“, vom polnischen Standpunkt geschrieben.
Die Kriegsereignisse des daran sich schließenden Zeitraums haben eine Darstellung gefunden, so mustergültig, wie sie kaum je einem solchen zu teil geworden, indem das k. und k. Kriegsarchiv unter dem Titel: „Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen“ auf Grund der Urkunden und unter Benutzung aller übrigen vorhandenen Quellen ein bändereiches Werk veröffentlicht, welches, nach vorausgeschickter Einleitung mit dem Feldzug von 1697 beginnend, bis zum Jahre 1712 gediehen und somit von seiner Vollendung nicht mehr allzuweit entfernt ist. Dasselbe bietet weit mehr als der Titel andeutet, da es die gesamten kriegerischen Ereignisse in den Kreis seiner Betrachtungen zieht, an denen in jener Zeit die Truppen Österreichs und seiner Verbündeten teilnahmen. Die daneben hergehende Geschichte des spanischen Erbfolgekriegs von C. v. Noorden (Düsseld. 1870–72) erwähnen wir besonders wegen der gedrängten und übersichtlichen Darstellung und wegen der gelungenen Schilderung der politischen Verhältnisse. Eine Lücke füllten „Die Feldzüge Karls XII.“ von Ch. v. Sarauw (Leipz. 1880), zugleich ein wertvoller Beitrag zur Geschichte des Königs.
Um zu den Kämpfen Brandenburgs und Preußens zu gelangen, greifen wir notwendigerweise zurück. Einzeldarstellungen sind es, denen wir zunächst begegnen, so „Die Schlacht bei Warschau“ von A. Riese (Bresl. 1870), der „Krieg des Großen Kurfürsten gegen Frankreich“ von H. Peter (Halle 1870) und aus Veranlassung der 200jährigen Wiederkehr des Tages mehrfach bearbeitet: „Die Schlacht von Fehrbellin“, am besten durch A. v. Witzleben und P. Hassel (Berl. 1876), woneben jedoch die Kenntnis einer „Schwedischen Darstellung etc.“ (Sonderabdruck aus dem „Militärwochenblatt“, 1876, Nr. 83 bis 86) nicht fehlen darf. Größere Arbeiten liegen erst aus der Zeit Friedrichs des Großen vor. Der Zeitfolge nach ist zuerst eine Veröffentlichung des Großen Generalstabes anzuführen, welche „Die Kriege Friedrichs des Großen“ schildert. Es ist nach langer Vorarbeit des 1. Teiles 1. Band erschienen (Berl. 1890), welcher „Die Besetzung Schlesiens und die Schlacht bei Mollwitz“ enthält. Wichtige Beiträge zur Geschichte jener Zeit hat auch C. Grünhagen namentlich durch seine „Geschichte des ersten schlesischen Krieges“ (Gotha 1881, 2 Bde.) geliefert; es darf ferner, neben den betreffenden Bänden von J. G. Droysens ebensosehr durch gewissenhafte Forschung wie durch glänzende Darstellung hervorragender „Geschichte der preußischen Politik“, desselben Verfassers „Schlacht von Chotusitz“ (Berl. 1873) nicht unerwähnt bleiben. Mehrseitige Beachtung noch hat der Siebenjährige Krieg gefunden. Vor allem durch eine vorzügliche Gesamtdarstellung von A. Schäfer (Berl. 1867–74), dann durch die sehr gründliche Schilderung der Vorgänge in Pommern etc., welche K. Marschall v. Sulicki (Berl. 1867) geliefert hat, und durch den russischen Obersten Masslowski, von dessen Arbeit der 1. Teil, den Feldzug 1756–57 in Ostpreußen enthaltend, durch A. v. Drygalski (das. 1889) in das Deutsche übersetzt ist. Die Gesamtheit der Kriege behandelt in „Friedrich d. Gr. als Feldherr“ (Berl. 1881) in geistvoller Weise und gegen die Lobredner des Prinzen Heinrich Front machend, Th. v. Bernhardi. Sein Buch hat indessen nicht durchweg Beifall gefunden, wovon A. v. Taysen in einer Schrift: „Zur Beurteilung des Siebenjährigen Krieges“ (Berl. 1882), Zeugnis ablegt. Eine sehr wichtige Quelle für den Verlauf der Kriege ist die aus den Staatsarchiven geschöpfte „Politische Korrespondenz Friedrichs d. Gr.“, welche vom 13. Bande an (Berl. 1885), welcher mit dem Jahre 1756 anhebt, auch den militärischen Schriftwechsel des Königs bringt. Mit Recht, denn beide Seiten [508] der Thätigkeit des staatsleitenden Feldherrn sind so innig miteinander verbunden, daß sie nicht von einander getrennt werden dürfen. In den Kriegsjahren bis zum Juni 1759, mit welchem Zeitpunkt die zuletzt erschienene erste Hälfte des 18. Bandes abbricht, ist der militärische Schriftverkehr bedeutender als der politische. Daneben darf nicht übersehen werden, was auf gegnerischer Seite veröffentlicht ist: des Österreichers A. v. Arneth „Maria Theresia und der Siebenjährige Krieg“ (Wien 1875), des Generals Grafen Pajol „Guerres sous Louis XV“ (Par. 1881–87), beide schon durch die Namen der Verfasser als hochwichtig gewährleistet, die letztere Arbeit ergänzt durch „Frédéric II et Louis XV 1740–44“ vom Herzog von Broglie (das. 1884), sowie „Die schlesischen Kriege und das Kurfürstentum Hannover“ (Hannov. 1879), ein Buch, dessen Verfasser, W. v. Hassell, nicht zu den Verehrern des Königs gehört; dasselbe behandelt dem Titel zuwider fast nur den Feldzug von 1757 auf dem nordwestlichen Kriegsschauplatz.
Die Wiederkehr der Zeit, in welcher 100 Jahre früher die Vereinigten Staaten von Nordamerika ihre Selbständigkeit errangen, hat zu keiner umfassenden Darstellung der Vorgänge Veranlassung gegeben; doch gehört das Beste, was darüber geschrieben ist, dem hier behandelten Zeitraum an; es findet sich in Bancrofts „Geschichte der Vereinigten Staaten“.
Das Streben nach Wahrheit und nach unparteiischer Darstellung tritt erfreulicherweise auch in Frankreich hervor, dessen Geschichtschreiber wegen Mangels an diesen Eigenschaften früher vielfach in wenig gutem Rufe standen. Es verdient dieses mannhafte Vorgehen um so mehr Anerkennung, als es sich gegen tief eingewurzelte Lieblingsideen der Bevölkerung richtet und der Beginn in eine Zeit fiel, in welcher die jenen Ideen verschwisterte Staatsform soeben wieder die herrschende geworden war. Wir sprechen von kriegsgeschichtlichen Werken, welche unter der zweiten französischen Republik erschienen sind. Zwei davon betreffen die Schaffung der Heere, mit denen die Kriege der Revolution geführt wurden: A. Duruy weist in „L’armée royale en 1789“ (Par. 1888) nach, daß Carnot seine Heere keineswegs aus der Erde stampfte, sondern daß er die Massen, welche das Aufgebot ihm stellte, um den festen Kern scharte, welchen die königlichen Truppen bildeten, und schon vorher hatte C. Rousset in „Les Volontaires 1792–93“ (deutsch von K. Braun, Berl. 1875) unwiderleglich dargethan, daß die sogen. Freiwilligen diesen Namen zumeist wenig verdienten, und daß es zuchtlose, oft feige, ihrer Aufgabe wenig gewachsene Banden waren. Wie es kam, daß sie trotzdem Erfolge hatten, zeigt die „Histoire des guerres de la Révolution“ von A. Chuquet, dessen meist auf den Urkunden des Dépôt de la guerre beruhende Arbeit bis jetzt fünf Teile: „La première invasion prussienne“, „Valmy“, „La retraite de Brunsvic“, „Jemappes et la conquête de la Belgique“ und „La trahison de Dumouriez“ (Par. 1886 bis 1891), brachte. Ein Gegenstück dazu bildet eine Schrift aus dem Nachlaß des verdienstvollen M. v. Ditfurth: „Die Hessen in den Feldzügen in der Champagne, am Main und am Rhein 1792–94“ (Marb. 1881); die Kriegsgeschichte der Kurhessen, die Domäne des Verfassers, steht im Vordergrund. Ein zweites, „Les guerres de la Révolution“ benanntes Werk, von E. d’Ornano verfaßt (Par. 1887), führt den Nebentitel „Hoche“, um dessen Lichterscheinung die Erzählung gruppiert ist; ein Abschnitt aus dem Leben dieses Generals ist außerdem von G. Escandre in „Hoche en Irlande“ (das. 1888) dargestellt. Noch mehrere von den zahlreichen Einzelschriften zu nennen, würde zu weit führen. Nicht unerwähnt darf dagegen eine Arbeit bleiben, welche die größte unter den gewaltigen Persönlichkeiten jener Zeit, Napoleon, den Schlachtenkaiser, zum Gegenstand hat. Unter dem Titel: „Napoleon als Feldherr“ (Berl. 1885–86) ist Graf Yorck, ein preußischer Offizier, an der Hand der Ereignisse dem Andenken des großen Heerführers nach jeder Richtung hin gerecht geworden. Zur Geschichte der nachfolgenden Kriege, denen Napoleon ihr Gepräge verlieh, sind nur Bausteine geliefert worden: „Geschichte des Krieges von 1805“ (Wien 1874), aus der Feder des Österreichers Schönhals, welcher Radetzkys Feldzüge in Italien glänzend geschildert hat, ist schon 1821 geschrieben und aus dem Nachlaß herausgegeben, es fehlt daher die Bekanntschaft mit den spätern Veröffentlichungen; „Roßbach und Jena“, von C. Freiherrn von der Goltz (Berl. 1883), gehört nicht streng der Kriegsgeschichte an, trägt aber zum Verständnis derselben bei, wie „Österreichs Teilnahme an den Befreiungskriegen“, nach Aufzeichnungen von Fr. v. Gentz durch den Fürsten Richard Metternich herausgegeben (Wien 1886), trotz der vorwiegend politischen Eigenart des Buches beim Studium jener nicht entbehrt werden kann, und wie die Auseinandersetzungen zwischen M. Lehmann und seinen Widersachern über den Einfluß der in den Befreiungskriegen maßgebend gewesenen Persönlichkeiten („Aus Schöns Papieren“, „Zu Schutz und Trutz am Grabe Schöns“, „Knesebeck und Schön“, „Eine diplomatische Trilogie aus dem Leben Knesebecks“), sowie endlich W. Oncken in „Österreich und Preußen im Befreiungskrieg“ (Berl. 1876–79) neues Licht über die Kriegspläne und deren Verwirklichung verbreiten. In strengerm Sinne kriegsgeschichtlich sind die Beiträge des Kapitäns Foucart zu der Geschichte der Kriege von 1806/1807 („Campagne de Prusse“, Par. 1887, und „Campagne de Pologne“, 1882), denen jüngst der 1. Band des vom preußischen Obersten v. Lettow verfaßten „Krieg von 1806/1807“ (1891) gefolgt ist, und zu derjenigen der Kämpfe von 1813–15, welche General v. Ollech um das Lebensbild des Generals v. Reyher, des Vorgängers von Moltke, gruppiert hat. Sie finden sich in den Beiheften zum „Militärwochenblatt“ (1861–78), der Feldzug von 1815 ist auch in einer Sonderausgabe (Berl. 1876) erschienen. Während Ollech nicht das Gesamtgebiet jener Kriege darstellt, sondern sich auf diejenigen Teile beschränkt, welche mit Reyhers Thätigkeit in Verbindung standen, hat das Deposito de guerra in Madrid dem General Don Jose Gomez de Arteche das Ziel gesteckt, in „Guerra de la Independencia“ eine militärische Geschichte Spaniens von 1808 bis 1814 auf breitester Grundlage zu schreiben. Die nächste Veranlassung zu kriegerischen Unternehmungen gab der Zug der Franzosen nach Algier. Derselbe hatte vielfache Kämpfe im Gefolge, welche der schon genannte C. Rousset in mehreren Werken geschildert hat. Das erste war „La conquête d’Alger“ (Par. 1879), dann folgte „L’Algérie 1830–40“ (das. 1887), den vorläufigen Schluß machte „La conquête de l’Algérie 1841–57“ (1889).
Über die Geschichte der Kämpfe in den Jahren 1848 bis 1850 ward seiner Zeit viel geschrieben. Dann wurde der Anteil, welchen man an ihnen nahm, geringer, so daß hier nur ein bedeutenderes Werk zu nennen ist: „Den dansk-tydske Krig i Aarene 1848–50“. Die Bearbeitung, ursprünglich vom Generalstab unternommen, [509] ging bald in andre Hände über, und erst 1867 begann die Herausgabe, welche 1888 zu Ende kam, dafür aber 12 starke Bände geliefert hat. Rousset begegnen wir von neuem auf einem ganz andern Schauplatz, dem des Orientkriegs, so daß seine Ergiebigkeit Zweifel an dem Wert der Früchte seiner Thätigkeit wachrief. Dieselben sind indessen ohne Grund. Auch in „La guerre en Crimée“ (Par. 1878) bekundet er neben Scharfsinn und Unparteilichkeit gründlichen Fleiß und gewissenhafte Forschung; seine Arbeit ist eine unentbehrliche Ergänzung zu den übrigen amtlichen und halbamtlichen Werken. Eine solche ist ferner in einer von dem als Schriftsteller bekannten General Bogdanowitsch geschriebenen Geschichte des Krieges (Petersb. 1876, 4 Bde.) gegeben. Englands nächste Kämpfe, die Niederwerfung des indischen Aufstandes, sind Gegenstand von „A history of the Sepoy war“ von J. W. Kaye und deren Ergänzung durch Oberst Malleson in „History of the Indian mutiny“ (beide Lond. 1878).
„Der Krieg in Italien 1859“, bearbeitet durch das k. k. Generalstabsbüreau für Kriegsgeschichte (Wien 1872–76), eröffnet den Reigen der sogen. Generalstabswerke, mit welchen wir uns zu beschäftigen haben. Ihre Herstellung ist eine schwierige, ihr Wert ein vielfach angezweifelter. Man hat behauptet, daß die mannigfaltigen Rücksichten, welche eine amtliche Schriftstellerei sich auferlegen muß, der Aufrichtigkeit und der Treue ihrer Erzeugnisse allzusehr im Wege ständen. Es ist wahr, daß sie nicht immer alles sagen kann und darf, was sie weiß, daß sie, wenigstens noch lange nach dem Stattfinden der Ereignisse, in ihren Mitteilungen vorsichtig, in ihren Urteilen zurückhaltend sein muß, daß sie zuweilen nur andeuten, nicht aussprechen darf, und daß sie nicht selten genötigt ist, zwischen den Zeilen lesen zu lassen. Es sind dies aber verschwindend kleine Nachteile gegenüber den großen Vorzügen, daß die Geschichte von Kundigen und Wissenden auf Grund der besten Quellen geschrieben wird, vorausgesetzt natürlich, daß die Beauftragten von dem Geiste beseelt sind, dessen Besitz wir den Bearbeitern der hier zu nennenden Werke nachrühmen dürfen, von dem Streben nach Wahrheit und nach Unparteilichkeit. Neben jenem Generalstabswerk ist „La guerre d’Italie“ von dem Herzog d’Almazan (Par. 1882) zu bemerken. Das amtliche Werk über den nächsten unter den hier zu nennenden Kriegen, das im Auftrag des Kongresses von der Kriegsverwaltung der Vereinigten Staaten von Nordamerika über den nordamerikanischen Bürgerkrieg herauszugebende, ist so breit angelegt und bisher so langsam gefördert worden, daß, obgleich es seit 1880 erscheint, noch nicht abzusehen ist, wann es vollendet sein wird. Die größere Lesewelt verliert nicht viel dadurch, weil das Werk nicht eine zusammenhängende Erzählung, sondern eine Sammlung von Urkunden bietet. Dasselbe gilt von den „Parliamentary papers“ und den „Reports of the joint committee on the conduct of war“, das Komitee war eine nordstaatliche Untersuchungsbehörde. Für jene weitern Kreise ist durch eine große Zahl von Büchern gesorgt, von denen auf nordstaatlicher Seite das leider noch nicht ganz zu Ende geführte Werk des Grafen von Paris, auf südstaatlicher die unter verschiedenen Titeln veröffentlichten Darstellungen von E. Pollard genannt werden mögen. Die beste deutsch geschriebene Geschichte, die von C. Sander, neubearbeitet von F. Mangold (Hannov. 1881), geht leider nur bis 1862; den südstaatlichen Standpunkt wahrt in engerm Rahmen J. Scheibert (Berl. 1874). In das Deutsche übersetzt (Leipz. 1877 durch Bartels) ist die „History of the American war“ von J. W. Draper. Einzeldarstellungen sind um so zahlreicher vorhanden, als die Ereignisse sich auf weit voneinander entfernten Schauplätzen vollzogen.
Während wir bisher nur solche Werke hervorzuheben hatten, deren Erscheinen in die letztverflossenen 25 Jahre fällt und demzufolge nur ein lückenhaftes Bild des Schrifttums geben konnten, welches die betreffenden Kriege behandelt, treten wir mit den Darstellungen des deutsch-dänischen Krieges vom Jahre 1864 in die Reihe derjenigen Kämpfe, deren Geschichte wir voll in Betracht zu ziehen haben. Die Generalstabswerke nehmen hier die vordersten Plätze ein. Nachdem zuerst eine im k. k. Generalstabsbüreau geschehene Bearbeitung durch F. v. Fischer (Wien 1870) veröffentlicht worden war, folgte mit einer zweibändigen, reich ausgestatteten Darstellung (Berl. 1886–87) der preußische Generalstab, dessen Quellenmaterial bereits der früher (das. 1865) erschienenen Darstellung durch G. Gr.(af) W.(aldersee) zu Grunde gelegen hatte. Der dänische Generalstab hat mit seiner Veröffentlichung spät begonnen, so daß gegenwärtig nur der 1. Teil, die Vorgeschichte und die Zeit bis einschließlich des Rückzugs aus den Danewerken umfassend, vorliegt. Dagegen hat Oberst Vaupell der Neubearbeitung einer frühern Arbeit über die Kriege von 1848 bis 1850 im J. 1888 eine Erzählung der Begebenheiten von 1864 hinzugefügt. Es wird hier der Ort sein, einen Schriftsteller zu erwähnen, dessen Arbeiten seit dem Orientkrieg bis zum russisch-türkischen Kriege von 1877–78 jedesmal auf dem Büchermarkt erschienen, sobald in irgend einem Lande die Pforten des Janustempels geöffnet wurden. Es ist der Oberst W. Rüstow. Unter den ersten Eindrücken und auf Grund von Zeitungsberichten geschrieben, haben seine betreffenden Arbeiten trotz seiner Befähigung keinen bleibenden Wert; es sei daher unterlassen, sie zu nennen. Die Kämpfe des Jahres 1866 haben die Federn aller beteiligten Generalstäbe in Bewegung gesetzt. Die Erzeugnisse derselben erschienen auf preußischer Seite unter dem Titel: „Der Feldzug von 1866 in Deutschland“ (Berl. 1868), auf österreichischer als „Österreichs Kämpfe“ (Wien 1867–69), auf bayrischer (Münch. 1868) und auf sächsischer (Dresd. 1869) als „Der Anteil etc.“, auf hannöverscher als „Offizieller Bericht etc.“ (Wien 1866–67). Für das Armeekorps des Prinzen Alexander von Hessen trat das „Feldzugsjournal des 8. Bundesarmeekorps“ (Leipz. 1867) ein; dazu ließ die bayrische Heeresleitung „Erläuterungen“ (Münch. 1867) erscheinen. Den „Badischen Verrat“ behandeln zwei zu Stuttgart (1866) und eine zu Lahr (1867) ohne Angabe der Verfasser erschienene Schriften. Ganz zuletzt, aber um so gehaltvoller, kam Italien (Rom 1875). Eine erwünschte Vervollständigung der Darstellungen der Vorgänge in West- und Süddeutschland in 3 Bänden gab E. Knorr (Hamb. 1867–70); über die „Kriegsereignisse zwischen Hannover und Preußen“ berichtete in gewissenhafter Forschung Fr. von der Wengen (Gotha 1886) und beantwortete die seiner Arbeit gemachten Vorwürfe durch ein offenes Sendschreiben, welches unter dem Titel: „General Vogel v. Falckenstein und der hannöversche Feldzug 1866“ (Gotha 1887) erschien; das wichtigste Ereignis, die Schlacht von Königgrätz, hat M. Jähns (Berl. 1876) ausführlich geschildert. Von zusammenfassenden Darstellungen nennen wir die durch F. Blanckenburg (Leipz. 1867–68), welche den Krieg in Deutschland, und die des Timeskorrespondenten [510] Hozier, welche den Feldzug in Böhmen zum Gegenstand hat; die Schriften, welche das Für und Wider der Kriegführung Lamarmoras behandeln, sind so zahlreich, daß wir nur auf ihr Vorhandensein hinweisen. Von den volkstümlichen Behandlungen haben die durch Th. Fontane (2. Aufl., Berl. 1871) und die durch A. Hiltl (4. Aufl., das. 1874) die meiste Verbreitung gefunden. Als eigenartig und mehr taktischer als geschichtlicher Belehrung dienend, sind die „Kritischen und unkritischen Wanderungen über die Gefechtsfelder in Böhmen“ (Berl. 1872) von M. Kühne und als geistesverwandt „Die österreichische Nordarmee“ (Potsd. 1876) von einem Ungenannten anzuführen.
Noch nie hat ein Krieg ein so umfangreiches Schrifttum ins Leben gerufen wie der deutsch-französische Krieg von 1870/71. Von den Nachweisen über dasselbe sei eine „Bibliographie de la guerre franco-allemande et de la Commune“, welche A. Schultz (Par. 1886) herausgegeben hat, erwähnt; sie nennt alle bis zum Jahre 1885 erschienenen französischen und deutschen Werke. Die festeste und zuverlässigste Grundlage für unsre Kenntnis der Begebenheiten gibt das von der Berliner Akademie der Wissenschaften mit dem großen Preise für Geschichtsschreibung ausgezeichnete Generalstabswerk, welches unter dem Titel: „Der deutsch-französische Krieg 1870–71“ in 5 Bänden (Berl. 1874–81), reich ausgestattet mit Karten, Plänen und Skizzen, erschien. Dasselbe ist in das Französische, Englische, Russische, Italienische, Schwedische und Spanische übersetzt. Französisch erschien außerdem eine abgekürzte und mit Anmerkungen versehene Bearbeitung: „Guerre franco-allemande“ von dem Eskadronschef Bonnet (Par. 1878–83). Der Große Generalstab selbst veröffentlichte einen „Gefechtskalender des deutsch-französischen Krieges 1870/71“ (Berl. 1886), welcher die Teilnahme der Mitkämpfer bei den Ereignissen nachweist. Mit Bewilligung des Generalstabes verarbeitete W. Kocks die Darstellung des letztern für weitere Kreise in einem gleichnamigen Buche (Berl. 1878). Eine geistvolle Beurteilung des Generalstabswerkes und zugleich der Kriegführung findet man in den „Kritischen Versuchen“ des preußischen Generals v. Hartmann (Berl. 1876); dieselben gehen bis zum Sturze des Kaiserreichs. Ein Versuch, durch knapperes Zusammenfassen des Inhalts eine für Studienzwecke geeignete Bearbeitung herzustellen, welche durch Herausgabe eines Auszugs: „Der Krieg zwischen Deutschland und Frankreich 1870/71“ (Berl. 1889, W. Pauli), unternommen wurde, hat keinen Erfolg gehabt, weil der Bearbeitung die Klarheit der Darstellung und die Zuverlässigkeit der Angaben fehlen, welche die Hauptvorzüge der Urschrift ausmachen. Gegen die letztere ist mit Recht der Vorwurf erhoben worden, daß sie nicht alle Teile ihrer Aufgabe in gleicher Ausführlichkeit behandelt. Das Eingehen auf Einzelheiten, welches in den ersten Teilen auch minder Wichtiges aufnehmen ließ, verliert sich immer mehr, so daß gegen das Ende des Werkes nur das Wesentliche verzeichnet ist. An ebenso wahrheitsgetreuen, aus amtlichen Quellen schöpfenden Einzelschriften, aus denen eine Ergänzung entnommen werden kann, fehlt es aber nicht. Dergleichen Bücher entstanden schon vor dem Beginn der Veröffentlichung des Generalstabswerkes und haben das Erscheinen desselben begleitet. Sie behandeln teils die Vorgänge auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen, teils die Geschichte einzelner Heereskörper und Waffengattungen. Wir nennen zuerst diejenigen Schriften, welche sich mit den Operationen der mehr oder minder selbständig auftretenden Armeen etc. beschäftigen und in großen Umrissen, mehr Strategisches als Taktisches bringend, den Verlauf der Ereignisse samt den für die gefaßten Entschlüsse maßgebend gewesenen Erwägungen nachweisen. So hat die Operationen der ersten Armee unter General v. Steinmetz und unter General v. Goeben in zwei gesonderten Werken Major v. Schell, unter General v. Manteuffel Oberst Graf Wartensleben dargestellt, welch letzterer auch die Operationen der Südarmee im Januar und Februar 1871 geschrieben hat; die der dritten Armee stellte bis zur Kapitulation von Sedan Oberstleutnant v. Hahnke, die der zweiten Hauptmann Freiherr von der Goltz, die der deutschen Heere überhaupt von der Schlacht bei Sedan bis zum Ende des Krieges Major Blume dar. Alle diese Schriften erschienen in den ersten Jahren nach dem Schlusse des Friedens, ihre Bearbeiter hatten den Stäben der Heereskörper angehört, über welche berichtet wurde. Ähnliche Ziele verfolgen Hauptmann Stieler v. Heydekampf in: „Das 5. Armeekorps im Kriege 1870/71“, L. v. Wittich, der Kommandeur der vielgebrauchten 22. Division (Kassel 1872), und E. v. Colomb, Kommandeur einer Brigade der Kavalleriedivision Stolberg (Berl. 1876), in Tagebüchern. Der Thätigkeit größerer Heeresteile sind ferner von Offizieren, welche den betreffenden Stäben angehörten, gewidmet: Hauptmann Helvig, „Das 1. bayrische Armeekorps“ (Münch. 1872), Oberst Heilmann, „Das 2. bayrische Armeekorps“ (das. 1872), die gesonderten Arbeiten des Obersten Schubert über den Anteil der Sachsen an den Schlachten von Gravelotte und Sedan und an der Einschließung von Paris, des Oberstleutnants Scherf, „Die Teilnahme der großherzoglich hessischen Division“ (Darmst. 1875 ff.), eines ungenannten Verfassers: „Anteil der unter dem Kommando des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin gestandenen Truppen“ (Berl. 1875) und eines Bestandteils der letztern, der 17. Infanteriedivision, vom Obersten Fischer (das. 1872). Auf die zahlreichen Veröffentlichungen, welche kleinere Abteilungen betreffen, kann hier nicht eingegangen werden. Die Schrift des badischen Hauptmanns Löhlein über „Die Operationen des Korps des Generals v. Werder“ wird uns weiter unten beschäftigen. Bei den einzelnen Waffengattungen ist „Die Thätigkeit der deutschen Ingenieure und technischen Truppen“ durch Hauptmann Goetze (Berl. 1872–73), „Die deutsche Artillerie“, aber nur in den Kämpfen gegen die Heere des Kaiserreichs, in Einzeldarstellungen des Majors Hoffbauer und des Hauptmanns Leo dargestellt worden. „Die Reiterei in den Kämpfen des 16. August“ hat Major Kaehler (3. Aufl., Berl. 1874) geschildert. Auf gegnerischer Seite haben wir nur T. Bonie, „La cavalerie française“ (Par. 1871, zwei deutsche Übersetzungen), anzuführen; da nach dem Untergang der Heere des Kaiserreichs von einer französischen Reiterei nicht mehr die Rede sein konnte, so reicht die Schrift nur bis Sedan. Gegenstand von Einzeldarstellungen durch Artillerie- und Ingenieuroffiziere auf Grund der deutschen amtlichen Quellen sind sämtliche Belagerungen geworden: Über Straßburg schrieb Wagner, über Metz Paulus, über Toul v. Werder, über Verdun v. Hellfeld, über Diedenhofen, Montmédy und Mézières Spohr, über Longwy Wolf, über Schlettstadt und Neubreisach schrieben Wolf und Neumann, über Soissons Gärtner und H. Müller, über Belfort Wolf und Castenholz, über Paris Heyde u. Froese, über den Festungskrieg im allgemeinen [511] sowie über „Ursachen und Wirkungen im Festungskriege“ berichtete v. Tiedemann. Von österreichischer Seite besitzen wir „Die Verteidigung von Straßburg“ durch M. Brunner, einem Genieoffizier, und „Zur Geschichte der Belagerungen von Belfort und Straßburg“ von Graf Geldern, einem Artilleristen.
Auf französischer Seite haben die Kommandanten der letztgenannten Festungen Denfert-Rochereau und Uhrich das Wort genommen, die Schicksale der Bergfeste Bitsch, von welcher in deutschen Büchern wenig die Rede ist, haben Dalsème, „Le siège de Bitsch“ (Par. 1874), und Pradal, „Forteresse de Bitsch“ (Annecy 1875), geschildert, und Gegenstand zahlreicher Schriften ist dort die Verteidigung von Paris geworden, am eingehendsten durch ein vierbändiges Werk des Generals Ducrot, ferner durch Schriften der Generale Trochu und Vinoy, mehr belletristisch durch F. Sarcey und den Zeitungskorrespondenten Labouchère. Als kriegsgeschichtlich beachtenswert sind noch die Schriften von Viollet le Duc und von H. de Sarrepont zu nennen. Die Verbündeten vor Paris betrachtet Joguet-Tissot. Viel Licht geben über alles, was unter der Regierung der nationalen Verteidigung vorging, die Berichte der zur Untersuchung derselben niedergesetzten Kommission, welche vollständig als „Actes du gouvernement de la défense nationale“ (4. Sept. 1870 bis Februar 1871, Par. 1876) im Druck erschienen sind und, wenn auch nicht alle Berichterstatter unparteiisch gewesen sein mögen, durch ihre offene Darlegung der Verhältnisse und die beigegebenen Beweisstücke einen höchst wertvollen Beitrag zur Kriegsgeschichte liefern. An der Spitze steht ein Bericht über Veranlassung und Ausbruch des Krieges, deren Kenntnis man durch die Berichte des Obersten Baron Stoffel (deutsch von K. Braun, Berl. 1872) vervollständigen möge, welche dieser als Militärbevollmächtigter zu Berlin in den Jahren 1868–70 erstattet hat. Es waren Kassandrarufe gewesen. In Einzeldarstellungen, welche ein Ganzes bilden werden, deren Reihe aber noch nicht zum Abschluß gediehen ist, behandelt A. Duquet die Hauptereignisse des Krieges. Die französischen Generale, welche sich während des Krieges in hervorragenden Stellungen befanden, haben fast sämtlich zur Feder gegriffen und dadurch vielfach Kämpfe andrer Art heraufbeschworen. Von mehreren unter ihnen ward es schon oben erwähnt. Von ihnen haben Ducrot außerdem über Sedan, wo er den angeblich Erfolg versprechenden Versuch eines Durchbruchs nach Norden nicht zur Ausführung bringen durfte, und Vinoy über seinen gelungenen Marsch von Mézières nach Paris geschrieben, welcher der Hauptstadt den Kern ihrer Verteidiger zuführte. Dem General Ducrot steht Wimpffen gegenüber, welchem jener den nach Mac Mahons Verwundung zeitweilig geführten Oberbefehl abtreten mußte, und welcher demnächst die Kapitulation abschloß. Er schrieb „Sedan“ und eine „Réponse au général Ducrot“. Nach seinem Tode ergriff in einer Neuauflage von Wimpffens Rechtfertigungsschrift noch einmal E. Corra (Par. 1886) die Feder; sein Nebentitel bezeichnet als die véritables coupables Napoleon und Mac Mahon. Letzterer hat bis jetzt geschwiegen, obgleich seine Denkwürdigkeiten druckfertig sind. Eine fernere Schrift über die Schlacht Bazeilles-Sedan vom General Lebrun (neue Auflage, Par. 1884) ist wegen des vielfachen Widerspruchs zu nennen, welchen sie erfahren hat. Die größte litterarische Thätigkeit hat wohl Bazaine entfaltet, indem er einen „Rapport sommaire“ (deutsch, Berl. 1872) über die Thätigkeit der Rheinarmee vom 13. Aug. bis zum 29. Okt. erstattete, „L’armée du Rhin“ in einer zweiten Schrift (deutsch, das. 1872) beleuchtete und schließlich „Épisodes de la guerre de 1870“ (Par. 1883, deutsch im Auszug von Premierleutnant Wewers) veröffentlichte; am wichtigsten sind trotzdem seine in der obengenannten Sammlung enthaltenen Aussagen vor der Untersuchungskommission. Wegen der Kapitulation von Metz hat auch der Kommandant der Festung, General Coffinières de Nordeck (Par. 1871), sich verantworten zu müssen geglaubt; sehr gut und sachlich ist der Hergang vom preußischen General v. Hanneken (Darmst. 1872) dargestellt. Mancherlei Licht über die politischen Verhandlungen, über das Schicksal von Metz und des dort eingeschlossenen Heeres, welche neben den militärischen Maßregeln herliefen, bringt Andlau in „Metz, campagne et négociations par un officier supérieur de l’armée du Rhin“ (Par. 1871). Rechtfertigungsschriften aus der ersten Zeit des Krieges veröffentlichten ferner Frossard (Saarbrücken und Spichern), de Failly (Fehlen bei Wörth und Beaumont) und Montauban-Palikao, der Kriegsminister für 24 Tage. Wichtig ist des Obersten Fay „Journal d’un officier de l’armée du Rhin“ (zuletzt 1890; deutsch, Posen 1871); wie die gleichzeitig erschienene „Histoire de la guerre de 1870“ von V. D(errécagaix) strebt jenes Buch nach Wahrheit und Besserung.
Ebenso zahlreich wie in dem ersten Teile des Krieges erheben in dem zweiten die Leiter der außerhalb Paris im Felde stehenden Heere ihre Stimmen. Die wichtigste unter ihnen hat allerdings geschwiegen und ist auf immer verstummt, „Gambetta und seine Armeen“ sind aber von gegnerischer Seite durch C. Freiherrn von der Goltz (Berl. 1877) in ihrem ganzen Werte gewürdigt worden. Über die Vorgänge auf allen Kriegsschauplätzen außerhalb Paris schrieb Ch. de Freycinet, welcher als Gambettas délégué à la guerre zur Verwirklichung von dessen Gedanken, guerre à outrance, dem Kampfe auf das Messer, die défense nationale ins Werk setzte, „La guerre en province“ (deutsch, 3. Aufl., Gera 1876), ein Buch, welches durch „Histoire du gouvernement de la défense nationale en province“, von zwei Männern, Steenacker und de Goff, welche damals unter Freycinet gewirkt hatten (Par. 1884), ergänzt wird. Über die erste Loirearmee, die Zeit bis nach der zweiten Einnahme von Orléans durch die Deutschen begreifend, schrieb ihr Heerführer Aurelle de Paladines; die Thaten der zweiten Loirearmee, den Rest der Kämpfe an diesem Strome und die später an der Sarthe ausgefochtenen bis zu Ende des Krieges, schilderte Chanzy (deutsch von O. v. Busse, Hannov. 1873); um die Schicksale einzelner Heereskörper als Kern gruppiert sich die Darstellung der Ereignisse auf diesen Kriegsschauplätzen in Gougéard, „Deuxième armée de la Loire, division de l’armée de Bretagne“, Cathélineau, „Le corps Cathélineau“, Martin de Pallières, „Orléans“, Crouzat, „Le 20. corps à l’armée de la Loire“, Pourcet, „Les débuts du 16. corps. Le 25. corps“. Auf französischer Seite verdient ferner Beachtung „Le blocus de Paris et la première armée de la Loire“ von A. G. (Par. 1889); auf deutscher nennen wir von Einzeldarstellungen v. Scherff, „Die Schlacht bei Beaune la Rolande“ (Berl. 1873), Draudt, „Die Thätigkeit des Detachements Rantzau vom 20. Dezember 1870 bis zum 19. Februar 1871 an der obern Loire“ (Darmst. 1874) und in dreifacher Bearbeitung durch C. Freiherr [512] von der Goltz (Berl. 1873), v. Twardowski (das. 1873) und v. Kleist (Hannov. 1880) die Schilderung der Januartage von le Mans. Den Krieg im Norden beschrieb wieder der dortige Oberbefehlshaber Faidherbe, dessen „Campagne de l’armée du Nord“ (deutsch, Leipz. 1872) 1873 eine „Réponse à la relation du général de Goeben“ folgte, welche durch die Bemerkungen des letztern zu jenem ersten Werke in der „Darmstädter allgemeinen Militärzeitung“ veranlaßt war. Von den französischen Generalen, welche auf dem südöstlichen Kriegsschauplatz thätig waren, haben Bourbaki und Clinchant geschwiegen; Cremer hat seine eignen Thaten (Cremer und Poullet, „La campagne de l’Est“, Par. 1874) – dazu ein von Poullet geschriebener „Appendice“ (das. 1875) und verschiedene Gegenschriften – und Bordone die Leistungen Garibaldis („Garibaldi et l’armée des Vosges“, 4. Aufl., das. 1874) verherrlicht. Auch das letztere Buch gab Anlaß zu Federkämpfen. Die beste Quelle für die Richtigstellung der Für und Wider in den vielfach wenig saubern Thatsachen sind auch hier die Akten der Untersuchungskommission; der Berichterstatter Perrot hat das hierher Gehörige in einer Sonderausgabe veröffentlicht (Par. 1875, mit einem Anhang, Montbéliard 1875). Daneben geben Aktenstücke, welche die Witwe von Jules Favre als „La vérité sur la guerre de l’Est“ (Par. 1884) erscheinen ließ, mancherlei Aufklärung. Die obenerwähnte Darstellung der Verhältnisse durch den Hauptmann Löhlein erfuhr einen heftigen Angriff durch den schon früher genannten Fr. von der Wengen, welcher sich in „Die Kämpfe vor Belfort“ (Leipz. 1875) gegen die Auffassung wendete, als wenn das standhafte Ausharren des Generals v. Werder an der Lisaine Süddeutschland vor einem Einbruch der Franzosen bewahrt hätte. Mit Recht wies er darauf hin, daß ein solcher Einbruch nie geplant gewesen sei; das Vorgehen Bourbakis habe sich gegen die rückwärtigen Verbindungen der Deutschen gerichtet. Eine andre Schrift Wengens: „Villersexel und Belfort“ (Leipz. 1876), kennzeichnet sich durch den Zusatz zum Titel als ein Gegensatz zu derjenigen Auffassung der Kriegslage, welche v. Loos in „Zur Geschichte des 25. Infanterieregiments“ (Wesel 1875) vertritt. Als Versuch einer Gesamtdarstellung der Ereignisse muß, weniger ihres Wertes als des Urhebers wegen, des Generals Boulanger „L’Invasion allemande“ (deutsch, Wien) genannt werden; die Veröffentlichung begann in der Zeit, in welcher der General eine politische Rolle spielte, und ist noch nicht abgeschlossen; das Buch ist maßvoll gehalten, bringt aber keine Bereicherung der Kriegsgeschichte. Dagegen hat letztere einen würdigen Vertreter in dem österreichischen Hauptmann Junck gefunden („Der deutsch-französische Krieg“, Leipz. 1876).
Ein wichtiges Hilfsmittel zur Veranschaulichung der Hergänge ist eine „Marschroutenkarte der deutschen Armeen“, bearbeitet vom Hauptmann v. Goessel (Berl. 1873). Reiche Beiträge zur politischen Geschichte des Krieges liefern L. Hahn, „Der Krieg Deutschlands gegen Frankreich“ (Berl. 1871), und noch mehr das Werk „Die Begründung des neuen Deutschen Reiches durch Kaiser Wilhelm I.“ von H. v. Sybel (Münch. 1889–90), welch letzteres auch für die beiden vorangegangenen Kriege von höchster Bedeutung ist. Eine Sammlung der Quellen enthält das „Tagebuch“, welches G. Hirth und J. v. Gosen (2. Aufl., Leipz. 1874, Register 1876) herausgegeben haben. Von den Kriegsschilderungen mehr unterhaltender Art ist in erster Linie die von Hiltl, von denen der Zeitungsberichterstatter sind „Spezialberichte der Daily News-Korrespondenten bei den deutschen und französischen Armeen“ (Berl. 1871), Hozier, „The Franco-Prussian war“, Russell, „My diary“ (deutsch, Leipz. 1874), und Washburne, „Franco-German war“ (Washington 1878), zu nennen. Die Ereignisse auf See schilderten deutscherseits Livonius, „Unsre Flotte“ (Berl. 1871), französischerseits de Pont-Jest, „Les escadres françaises, etc.“ (Par. 1871) und „La campagne de la mer“ (deutsch, Brem. 1871), und E. Chevalier „La marine 1870/71“ (Par. 1873). Die Thätigkeit der Marinetruppen bei der Verteidigung von Paris hat La Roncière de Noury geschildert. Über die Verkehrsverhältnisse schrieb Budde, „Die französischen Eisenbahnen 1870/71“ (Berl. 1877). Von den zahlreichen Werken über Lazarettwesen ist das wichtigste der amtliche „Sanitätsbericht über die deutschen Heere im Kriege 1870/71“; die „Verluste der deutschen Armeen“ sind von Engel (Berl. 1872) nachgewiesen; den Friedensschluß erzählt Valfrey in „Histoire du traité de Francfort et de la libération du territoire“ (Par. 1875). Das Nachspiel des Krieges, in der Niederwerfung des Kommuneaufstandes bestehend, hat Maxime Ducamp in „Les convulsions de Paris“ (Par. 1879) vortrefflich geschildert; eine Darstellung der Thätigkeit der Truppen gibt General Vinoy (das. 1872); auf der Gegenseite schrieb Lissagaray eine „Geschichte der Kommune“ (deutsch, Leipz. 1877); von deutschen Offizieren schrieb Hauptmann von der Boeck: „Die Kämpfe der französischen Armee etc.“ (Berl. 1879) und General v. Meerheimb eine „Geschichte der Kommune“ (das. 1880). Auch die Enqueten der Untersuchungskommission beschäftigen sich mit dem Gegenstand.
Der nächste große Krieg war der russisch-türkische der Jahre 1877–78. Er hatte ein Vorspiel in den Kämpfen der Pforte gegen ihre Vasallenstaaten Montenegro und Serbien, welche eine entsprechende Darstellung noch nicht gefunden haben. Was erschienen ist, ward meist von einem Parteistandpunkt geschrieben, so namentlich „Der turko-montenegrinische Krieg“ (Wien 1877–79, 3 Tle.) von Spiridion Gopčevič. Eine rein sachliche Darstellung dieser sowie aller übrigen Kämpfe geben seit ihrem 1874 beginnenden Erscheinen die schon genannten „Jahresberichte“ von H. v. Löbell; die betreffenden Aufsätze sind unter Benutzung der besten Quellen vollkommen sachlich von befähigten Offizieren geschrieben. Der Hauptkrieg hat eine amtliche Darstellung nur von einer Seite erfahren, indem der serbische Generalstab eine in das Französische übersetzte kurze Darstellung in „Guerre de la Serbie, etc.“ (Belgrad 1879) veröffentlichte; sie ist als der Vorläufer einer ausführlichern Arbeit angekündigt, letztere ist aber noch nicht erschienen. Das bedeutendste, was von russischer Seite veröffentlicht worden ist, sind die „Kritischen Rückblicke“ des Generals Kuropatkin, während des Krieges Chef des Generalstabes Skobelews, zumal in ihrer deutschen Bearbeitung durch den preußischen Obersten Krahmer (Berl. 1884–90). Preußische Offiziere haben überhaupt manchen wichtigen Beitrag geliefert, allerdings immer ohne urkundliche Unterlagen, nur auf Grund von Druckschriften, so v. Trotha, „Die Mobilmachung der russischen Armee“ (Berl. 1878), „Der Kampf um Plewna“ (das. 1878), „Die Operationen im Etropol-Balkan“ (das. 1886); Cardinal v. Widdern, „Die russischen Kavalleriedivisionen und die Armeeoperationen im Balkanfeldzug“ (das. 1878); Schröder, „Das verschanzte Lager von Plewna“ (das. 1878); [513] v. Hartmann hat seine „Kritischen Versuche“ (das. 1878) auf den ersten Teil des Krieges ausgedehnt; v. Stuckrad hat eine Gesamtdarstellung des letztern gegeben (Hannov. 1878); dasselbe hat auf Grund der amtlichen russischen Berichte der Däne v. Sarauw (2. Ausg., Leipz. 1879) gethan. Greene, ein nordamerikanischer Ingenieuroffizier, welcher den Ereignissen im russischen Hauptquartier beiwohnte, hat in „The Russian army and its campaigns“ (Lond. 1880) mehr die erstere als die letztern geschildert. Von russischen Schilderungen seien noch Pusyrewsky, „Die russische Garde etc.“ (deutsch, Berl. 1888), genannt und des Generals Kischmischew Veröffentlichungen über den von fremdländischen Schriftstellern vernachlässigten Kriegsschauplatz in Asien; andre nicht übersetzte Bücher übergehen wir. „Der rumänische Anteil am Kriege“, vom Oberstleutnant Vascarescu auf Grund der Quellen bearbeitet, ist von Mite Kremnitz ins Deutsche übersetzt (Leipz. 1887). Aus dem türkischen Heerlager stammen: „Subdetul-Chakaik“, eine Sammlung von Urkunden aus den Staatsarchiven, von A. v. Drygalski (Berl. 1880) deutsch bearbeitet, und „Guerre d’Orient. Défense de Plevna“ (Par. 1889), das Tagebuch eines Adjutanten von Osman Pascha, Talaat Bey, ergänzt und richtig gestellt auf Grund amtlicher Urkunden und mit dem Beistand von Teilnehmern an den Ereignissen. Nicht so zuverlässig ist ein Buch, welches ein andrer Türke, aber ein gegen sein Vaterland kämpfender, herausgab: „Les Russes en 1877/78“ von dem Major Osman-Bey (Berl. 1889), es behandelt den asiatischen Kriegsschauplatz. Anspruch auf Beachtung haben die Berichte, welche A. Forbes etc. den „Daily News“ erstatteten; sie sind von Helms ins Deutsche übersetzt (Berl. 1878).
Wer über die weniger wichtigen, seit 1865 stattgehabten Kriege eingehendere Belehrung sucht, als die Löbellschen Jahresberichte bieten, findet solche: über den Krieg der Tripelallianz gegen Paraguay in einem dreibändigen Werke von L. Schneider (Berl. 1872–75); über das britische Unternehmen gegen Abessinien in Henty, „The march to Magdala“ (Lond. 1868), Markham, „The history of the Abyssinian expedition“ (das. 1869), H. M. Stanley, „Coomassie and Magdala“ (das. 1874), Kodolitsch, „Die englische Armee im Feldzug 1867–68“ (Wien 1869), und in den mehr persönlich gehaltenen Schriften des Afrikareisenden Rohlfs, des preußischen Hauptmanns G. Grafen v. Seckendorff und des Berichterstatters der „Times“, Hozier; über den Kampf der Niederländer gegen Atschin in einem gründlichen und eingehenden Werke von Kielstra (holländisch), über den Karlistenkrieg von 1872 bis 1876 in denen von Bermejo (spanisch) und Martner (französisch); über Rußlands Kämpfe in Mittelasien 1873–81 in den russisch herausgekommenen Schriften des Generals Grodekow, über das Unternehmen gegen Chiwa im J. 1873 besonders in einem Buche von E. Schmidt; über den Zulukrieg in denen von Colenso und Wilmost (englisch); über den Krieg, welchen Chile gegen Peru und Bolivia führte, in „Histoire de la guerre du Pacifique“ (Par. 1882), auf Geheiß der chilenischen Regierung bearbeitet durch Arana; über Österreichs Kämpfe im Okkupationsgebiet in „Der Aufstand etc. 1881–82“ (Wien 1883), bearbeitet im Kriegsarchiv; über den serbisch-bulgarischen Krieg von 1885 in den Arbeiten des Obersten v. Bilimek-Waissolm (Wien 1886), von A. v. Huhn (Leipz. 1886) und des Hauptmanns Möller (Hannov. 1888). Allgemein gehalten sind die kurzen Übersichten über Kriege der neuen Geschichte, welche eine in Brüssel erscheinende „Bibliothèque internationale d’histoire militaire“ bringt, und der Inhalt eines seit 1886 in Iglau erscheinenden „Schlachtenatlas des 19. Jahrhunderts“, welcher jedoch erst nach den Befreiungskriegen beginnt. Beide Unternehmen sind wesentliche Bereicherungen der Kriegsgeschichte, aber noch nicht zum Abschluß gekommen.
Auf diesem Gebiet sind zahlreiche wichtige Beiträge zur Kriegsgeschichte gebracht worden. Wie zu allen Zeiten, ist Frankreich besonders fruchtbar gewesen. Da ist zuerst die von der Akademie der Wissenschaften mit dem Preise Gobert gekrönte „Histoire de Bertrand du Guesclin“ von Simon Luce (2. Aufl., Par. 1882). Dieser folgt der Zeit nach eine ganze Reihe von Schriften, welche der Jungfrau von Orléans gewidmet sind. Der Drang des französischen Volkes, nach den 1870–71 erlittenen Demütigungen sich an einer ruhmreichen Vergangenheit geistig wieder emporzurichten, hat die Blicke der Forscher zurückgelenkt auf die Zeit, in welcher Johanna ihr Vaterland von den Engländern befreite, und das allgemeine Interesse an ihren Thaten und Leistungen gemehrt. H. Blaze de Bury schildert ihre Persönlichkeit auf Grund der alten Chroniken, P. Marin würdigt sie als „Tacticien et stratégiste“, E. Lesigne bemüht sich darzuthun, daß nicht die Jungfrau, sondern das Volk selbst Frankreich errettet habe, P. Lanéry liefert in „Mémoires et consultations en faveur de Jeanne d’Arc“ einen Nachtrag zu den von Puicherad veröffentlichten Prozeßakten, A. Sorel stellt seine Heldin in „La prise de Jeanne d’Arc devant Compiègne“ als ein Feldherrngenie hin; sachlich und gründlich urteilt in „Jeanne d’Arc in Geschichte, Legende und Dichtung“ ein Deutscher, R. v. Marenholtz. Aus der Zeit Heinrichs IV. folgen „Actes et correspondance du Connétable des Lesdiguières“, urkundlich durch Douglas und Roman; aus der Zeit Ludwigs XIV. Lebensbeschreibungen seines großen Festungsbaumeisters Vauban von G. Michel, der Marschälle Fabert von Bourelly und Villars von du Voguë; aus dem Beginn der Revolutionszeit tritt zu den vielen vorhandenen, welche Dumouriez gewidmet sind, eine solche von v. Boguslawski, daran reihen sich zwei Biographien Klébers, die ältere von Ernouf, die jüngere vom General Grafen Pajol dargeboten, welch letztern wir schon oben kennen gelernt haben, und welcher auch eine Lebensbeschreibung seines Vaters, eines der Reiterführer Napoleons I., geliefert hat. Einen zweiten Kavalleriegeneral lernen wir in den „Souvenirs et traditions“ des Generals Auguste Colbert kennen, des jüngsten, schon 1809 gefallenen unter drei Brüdern, welche sämtlich tüchtige Kavalleristen waren, und auch in Grouchy, welcher später aus dem Wirkungskreis eines solchen heraustrat; ein Enkel schrieb des letztern „Mémoires“. Das erste Kaiserreich ist vertreten durch Davoût, dessen Leben zuerst Chénin, dann („raconté par les siens et par lui-même“, 1879) seine Tochter beschrieb, die Marquise de Blocqueville, welche 1887 noch einen Nachtrag lieferte; Vandamme, dessen Thaten und Schicksale A. Du Casse erzählt; Ségur, dessen „Histoire et mémoires“ die Zeit von 1790 bis 1840 begreifen; Dessaix, nicht zu verwechseln mit Desaix, dem Helden von Marengo, einen tüchtigen Soldaten und Führer, und einen in weitern Kreisen nicht bekannten Colonel de Gonneville, dessen Lebensgang aber trotzdem einen interessanten Beitrag zu der Geschichte der Kriege des Kaisers von 1804 bis [514] 1815 bietet, aus denen der Oberst plus d’honneur que d’honneurs nach Hause brachte. Den Übergang zum Königtum stellt der Graf Rochechouart dar, seine „Souvenirs“ erzählen von seiner Teilnahme an den Befreiungskriegen im großen Hauptquartier der Verbündeten. Hauptsächlich afrikanischen Andenkens sind Bugeaud, der eigentliche Eroberer Algeriens, vom Comte d’Ideville geschildert, und Randon, dessen Leben ein Ungenannter schrieb. Auf dem nämlichen Boden wurzeln „Le général Yusuf“, der es vom Sklaven, und „Le général Margueritte“, der es vom Gendarmen zum General brachte; das Leben des erstern beschrieb Oberst Trumelet, das des letztern General Philibert. Die „Souvenirs et campagnes“ des Generals de Lamotterouge ergänzen zugleich eine Lücke, welche oben bei Nennung der Schriften der Führer in den Kämpfen um Orléans blieb; Lamotterouge befehligte dort bis nach der ersten Einnahme der Stadt durch die Deutschen. Von den zahlreichen Schriften, welche Chanzys Andenken gewidmet sind, gilt die neueste (1889), von Villefranche geschriebene für die beste. Als ein Sammelwerk sei noch „Nos généraux 1871–84“ von Roger de Beauvoir erwähnt.
Aus Deutschland nennen wir zuerst zwei Helden des Dreißigjährigen Krieges, deren Leben unter Benutzung aller vorhandenen Biographien auf Grund neuer Quellenforschung in zwei gesonderten Werken G. Droysen dargestellt hat: „Gustav Adolf“ und „Bernhard von Weimar“. Ebenfalls zwei Arbeiten danken wir dem Grafen Thürheim: Gegenstand der einen ist Starhemberg, der tapfere Verteidiger Wiens in der Türkennot von 1683, die andre behandelt Khevenhüller, welcher ebenfalls gegen die Türken und später im österreichischen Erbfolgekrieg focht. Ein andrer österreichischer Feldherr, Raimondo Montecuccoli, ist durch Cesare Campori (Flor. 1876) in italienischer Sprache geschildert; ihm ist auch eine kleine Schrift von Großmann (Wien 1878) gewidmet. Über das Leben von Loudon hat W. v. Janko neue Aufschlüsse gegeben. Ein andrer Österreicher, der vielgeschmähte Fürst Windischgrätz, der Retter aus der Not des Jahres 1848, hat einen ungenannten Biographen gefunden, dessen Berichte über seines Helden Heerführung in Ungarn der Leser durch den vierten Band der „Geschichte Österreichs vom Ausgang des Wiener Oktoberaufstandes“ von Freiherrn v. Helfert ergänzen möge. Zahlreich sind die Schriften, welche das Leben von Angehörigen des preußischen Heeres beschreiben. Die erste geht zugleich Schweden an, denn unter dem Titel: „Der Prinz von Homburg in seinem Verhältnis zu Karl X. und dem Großen Kurfürsten“ (Berl. 1890) behandelt E. Jungfer die schwedischen und brandenburgischen Kriegsdienste des Landgrafen („mit dem silbernen Beine“) Friedrich von Homburg, welchen H. v. Kleist auf die Bühne gebracht hat; er spielt auch in den oben angeführten Schriften über Fehrbellin eine Rolle. Dann folgen Beiträge zur Geschichte des Zeitgenossen Friedrichs d. Gr., eine Darstellung des Lebens des Prinzen Heinrich von A. v. Crousaz (Berl. 1877), zumeist auf den Schriften des Rheinsberger prinzlichen Kreises, der dem König abgeneigt war, beruhend, zu welch letztern Schriften „Briefe der Brüder Friedrichs d. Gr.“, an die Großeltern des Grafen Henckel und von letzterm herausgegeben, einen neuen Beitrag geliefert haben; zwei Arbeiten über Zieten, von denen die eine, von Winter bearbeitete, breit angelegt und bestimmt, ein volles Lebensbild zu bieten, nur trocknen Stoff für ein solches zusammengetragen hat und militärischen Sachverstand vermissen läßt, die andre, ein knappes Büchlein aus der Feder des Grafen E. zur Lippe, viel Wertvolles, leider auch in der 2. Ausgabe (Berl. 1885) in wenig abgerundeter Gestalt, darbietet. Einen „Seydlitz“ hat ein bayrischer Offizier, Premierleutnant Buxbaum, über den Husaren Natzmer hat ein Namensgenosse geschrieben. Die Zeit der Befreiungskriege ist reich vertreten. Scharnhorst allein hat drei Biographen gefunden: Schweder, ein Soldat, verarbeitete das allgemein zugängliche Material (1865), Klippel, ein Schulmann, schaffte mit großem Fleiße viel Urkundliches herbei (1869), W. Lehmann, ein Historiker von Fach, stellte (1886–87) unter Benutzung der Archive ein umfangreiches Werk zusammen, welches aber namentlich in seinen letzten Teilen mehr der Zeit, in welcher Scharnhorst wirkte, als diesem selbst gewidmet ist. Die von Pertz begonnene Lebensbeschreibung des Feldmarschalls Gneisenau hat H. Delbrück zu Ende geführt. Die hochinteressanten „Erinnerungen“ Boyens, von ihm selbst aufgezeichnet, schließen leider mit der Schlacht von Leipzig ab. Das Leben ihres Gesinnungsgenossen Clausewitz, welcher nicht nur ein hervorragender Schriftsteller, sondern auch Teilnehmer an vielen wichtigen Kriegsereignissen war, hat Schwartz beschrieben. Als ein Bruchstück aus der Geschichte des Geschlechts v. Kleist ist das „Leben“ von Kleist v. Nollendorf erschienen. Eigne „Denkwürdigkeiten“ hat General v. Hüser hinterlassen, welcher in den Befreiungskriegen in Blüchers Hauptquartier sich befand und 1848 als Kommandant von Mainz den Umsturzparteien kräftig entgegentrat, desgleichen H. v. Brandt, welcher unter französisch-polnischer Fahne focht und als preußischer General starb. Von den Heerführern der Neuzeit hat Werder im General v. Conrady einen Darsteller gefunden; zu früh, da des erstern eigne Aufzeichnungen nach seinem eignen Willen erst später veröffentlicht werden dürfen. Nicht der Kriegsgeschichte unmittelbar gewidmet, aber derselben trotzdem dienend, sind die Denkwürdigkeiten des Generals Oldwig v. Natzmer, des Generals v. Canitz und des Herzogs Ernst II. von Koburg. In einem Sammelwerk hat G. v. Glasenapp die Bildnisse der deutschen Generale aus der Zeit der letzten großen Kriege nebst den auf ihren Lebensgang bezüglichen Daten gegeben. Die Zahl der Lebensbeschreibungen des Feldmarschalls Moltke ist zu groß, um sie hier alle anführen zu können. Ein reiches urkundliches Material hat General Heilmann zu einer Lebensbeschreibung des Feldmarschalls Wrede verwertet, einen niederländischen General schildert Starklof in einem zweiten „Herzog Bernhard von Weimar“.
Der Büchermarkt Englands ist arm auf diesem Gebiet. Den meisten Stoff boten die indischen Kriege: Kaye lieferte in „Lifes of Indian officers“ einen Beitrag zur Kenntnis des Aufstandes von 1857 bis 1858, über welchen selbst er außerdem geschrieben hat, und General Shadwell schilderte das Leben von Colin Campbell, später Lord Clyde; ein bemerkenswertes Buch aber schrieb der preußische Hauptmann Hoenig in seinem „Oliver Cromwell“, freilich nicht auf Forschungen an den Urquellen beruhend, aber die vorhandenen Ergebnisse solcher Forschung verständnisvoll verwertend. Den Sieger von Culloden und den Besiegten von Hastenbeck, den Herzog von Cumberland, schilderte Maclachlan. Für den Bürgerkrieg der Vereinigten Staaten liefern die Erzeugnisse der nordamerikanischen Presse eine reiche Quelle der Belehrung. Unter den eignen Aufzeichnungen nehmen die von Grant, dessen „Military life“ außerdem Badeau geschildert hat, und von Sherman auf nord-, [515] J. Johnstones „Narrative“ auf südstaatlicher Seite die erste Stelle ein; vortreffliche Lebensbeschreibungen des südstaatlichen Obergenerals Lee und des Generals Stonewall Jackson hat Easton Cooke geschrieben; „Lee and his lieutenants“ sowie das Leben des Präsidenten Davis hat Pollard, der Geschichtschreiber des Südens, geschildert; dem Andenken des südstaatlichen Kavalleriegenerals Stuart wird sein Stabschef H. v. Borcke in „Zwei Jahre im Sattel“ (2. Aufl., Berl. 1885) gerecht; von den übrigen Reiterführern haben Kilpatrick in Frank Moore, Mosby in Crawford, Morgan in Duke Biographen gefunden. Die vielen Lebensbeschreibungen, welche Watts de Peyster geliefert hat, sind minderwertig.
Von den Italienern hat Alfons Lamarmora in „Un po più di luce“ über sein politisches Wirken und über seine Feldherrnlaufbahn Bericht erstattet, und Luigi Chiala hat sich bestrebt, beide Seiten seiner Thätigkeit in hellem Glanze erstrahlen zu lassen; den Kriegsminister Fanti hat Carandini geschildert. Russisch geschrieben sind eine dreibändige Lebensbeschreibung Suworows von einem Ungenannten, des Generals Totleben von seinem ehemaligen Adjutanten Schilder; Totlebens „Vie et travaux“ hat auch sein Berufsgenosse, der belgische General Brialmont, geschrieben. Eine Biographie Skobelews veröffentlichte unter dem Namen Ossip Ossipowitsch der russische Staatsrat Heyfelder.
Aus der großen Menge der hierher gehörigen Schriften können wir nur die wichtigsten anführen. Die Darstellung der Heeresgeschichte eines ganzen Staates haben zum Gegenstand: „Illustrierte Geschichte der k. k. Armee von der Begründung an bis heute“ (Wien 1885) von G. Anger, ein Werk, welches bestimmt ist, die Bekanntschaft mit Österreichs Heer weiten Kreisen der Bevölkerung zu vermitteln; „Geschichte der sächsischen Armee“ (Leipz. 1885) von Oberstleutnant Schuster und Francke; „Geschichte der hannoverschen Armee“ (Hannov. 1866–70) von General v. Sichart, bis zum Jahr 1803 reichend; „Geschichte des russischen Heeres bis zur Thronbesteigung des Kaisers Nikolaus I.“ (Hannov. 1885) von F. v. Stein; „L’armée française à travers les âges“ von L. Jablonski, im Erscheinen begriffen. Nicht ganz so umfangreich sind, wie schon der Titel zeigt, die Ziele einer „Kriegsgeschichte von Bayern“, welche im Auftrag der Regierung die bayrischen Offiziere Erhard, Würdinger und Heilmann zu bearbeiten angefangen haben, deren erschienene 6 Bände (Münch. 1868) aber nicht über das Jahr 1651 hinausreichen. Eine „Kriegsgeschichte der Ungarn“ veröffentlichte H. Meynert (Wien 1876). Auch kleinere Staaten haben Beachtung gefunden. So das Großherzogtum Frankfurt durch den Anwalt Bernays, dessen Arbeit nach seiner Ermordung Rittmeister v. Ardenne herausgab (Berl. 1882), und die Stadt Hamburg, deren militärische Verhältnisse bis zur Errichtung der hanseatischen Legion Gaedechens (Hamb. 1889), von 1814 bis 1874 Hauptmann Mayer (das. 1874) geschildert hat. Aus einem Preisbewerbe, welchen Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch zum Zwecke der Herstellung einer Geschichte der Reiterei ausschrieb, ging als Sieger der kanadische Oberstleutnant Denison hervor, dessen „History of cavalry“ der preußische Oberstleutnant Brix unter Beifügung von Anmerkungen, deren Umfang dem des Buches gleichkommt, ins Deutsche übertragen hat (Berl. 1879). Russisch hat General Markow eine Geschichte der Kavallerie geschrieben (Petersb. 1885). General Susane hat eine Geschichte der französischen Kavallerie und der Artillerie geschrieben und die früher von ihm herausgegebene Geschichte der französischen Infanterie in ganz neuer Bearbeitung (Par. 1876) erscheinen lassen. Eine amtliche „Geschichte der k. k. Kriegsmarine“, deren bisher erschienene Bände (1885–1890) die Jahre 1797–1802 und 1848–49 behandeln, ist noch nicht abgeschlossen. Eine „Geschichte der österreichischen Artillerie“ hat Hauptmann Dolleczek (Wien 1887), eine „Geschichte des k. k. Pionierregiments“ Brinner (das. 1879–81) geschrieben. Die letztere Waffe behandelt auch des Generals v. Bonin „Geschichte des Ingenieurkorps und der Pioniere in Preußen“ (Berl. 1876–77). „Beiträge zur Geschichte der österreichischen Kavallerie aus dem 18. Jahrhundert und aus der neuesten Zeit“ hat Major Freiherr v. Mühlwerth-Gärtner (Wien 1882) geliefert. Von der „Geschichte des russischen Generalstabes“ vom General Glinojetzky (Petersb. 1883) ist der erste Teil, bis 1825 reichend, von „Den danske Generalstabs Historie“, bearbeitet vom Kapitän Lange (Kopenh. 1886), der Anfang erschienen. Die Geschichte der sächsischen Feldartillerie 1620–1820 hat Hauptmann v. Kretschmar (Berl. 1876) dargestellt.
In großer Zahl sind sogen. Regimentsgeschichten, deren Inhalt vorzugsweise die Darstellung der Kriegserlebnisse bildet, erschienen. Eine Abart derselben sind die sogen. Mannschaftausgaben, meist Auszüge aus den erstern, der Weckung und Kräftigung patriotischen Sinnes und soldatischer Tugenden gewidmet und bestimmt, die Kenntnis der Vergangenheit des Truppenteils in alle Kreise desselben zu tragen. Der Wert der Regimentsgeschichten ist ein sehr verschiedener. Es gibt ausgezeichnete Werke darunter, auf gründlicher Urkundenforschung beruhend, voll militärischen Verständnisses, reiche Fundgruben kriegsgeschichtlicher Belehrung, aber auch Arbeiten, deren sich die Verfasser und fast mehr noch deren Auftraggeber zu schämen haben. Denn sehr häufig hatten jene sich der Aufgabe, die Geschichte ihres Regiments zu schreiben, nicht aus eignem Antrieb unterzogen; sie war ihnen erteilt, weil die Erledigung gewünscht wurde, und weil gerade kein mehr geeigneter Bearbeiter zu Gebote stand. Der Umfang der Regimentsgeschichten ist sehr verschieden. Von Einfluß sind natürlich zunächst das Alter des Truppenteils, die Menge der Kriege, in denen er gefochten hat, deren Bedeutung und die mehr oder minder große Reichhaltigkeit der Quellen. Dann aber hängt derselbe wesentlich davon ab, ob der Verfasser sich lediglich auf die Erfüllung seiner Aufgabe beschränkt hat, oder ob er die Geschichte der Stammtruppen aufgenommen und ob er die allgemeinen Verhältnisse der Streitmacht des Staates in Betracht gezogen hat, welcher der betreffende Truppenteil angehörte. Wo der letztere Weg gewählt wurde, sind häufig Werke von hohem heeres- und kulturgeschichtlichen Werte entstanden, denen freilich der Vorwurf gemacht werden kann, daß sie des Guten zu viel gegeben und über ihr Ziel hinausgeschossen haben. Zu solchen Arbeiten gehören namentlich mehrere der bayrischen Regimentsgeschichten und Geschichten solcher preußischer Regimenter, in denen Stammtruppen verschiedener kleiner deutscher Staaten vereinigt sind. Die französischen Regimentsgeschichten bieten die Eigentümlichkeit, daß sie, ohne Rücksicht auf die Entstehung des Truppenteils, den letztern als den Erben der Vergangenheit aller der nämlichen Waffe angehörenden Truppenteile betrachten, welche jemals die Nummer des erstern getragen haben. Frankreich und Deutschland [516] sind die Länder, welche in der Erzeugung von Regimentsgeschichten am fruchtbarsten gewesen sind; die übrigen Heere stehen weit zurück. Die Zahl der Erscheinungen, und der bedeutenden zumal, ist aber viel zu groß, als daß wir hier darauf eingehen könnten, einzelne hervorzuheben. Die Verlagsanstalten, aus denen die meisten derselben hervorgingen, sind hier die von E. S. Mittler und Sohn in Berlin, dort die von H. Charles-Lavauzelle in Paris und Limoges.