MKL1888:Kupfervitriol

[333] Kupfervitriol (schwefelsaures Kupferoxyd, Kupfersulfat, Kuprisulfat, blauer, cyprischer Vitriol, blauer Galitzenstein) CuSO4 findet sich in der Natur (Chalkanthit) als Zersetzungsprodukt von Kupfererzen, meist in stalaktitischen oder nierenförmigen Aggregaten, als Überzug und Beschlag, auch gelöst in Grubenwassern (Zementwassern) und wird erhalten, indem man Kupferoxyd (Kupferhammerschlag) in verdünnter Schwefelsäure oder metallisches Kupfer in heißer konzentrierter Schwefelsäure löst (bei der letzten Operation entweicht schweflige Säure, und etwas Schwefelkupfer scheidet sich ab). Man erhält auch K., wenn man das Kupfer mit verdünnter Schwefelsäure bei Luftzutritt oder mit verdünnter salpetersäurehaltiger Schwefelsäure behandelt. Zur Darstellung im großen verdampft man Zementwasser zur Kristallisation, oder man erhitzt Kupfer im Flammofen mit Schwefel, röstet das gebildete Schwefelkupfer und laugt das Produkt mit Wasser und Schwefelsäure aus, um das neben K. gebildete Kupferoxyd ebenfalls zu lösen. Man röstet auch Konzentrationsstein (Spurstein), der aus Schwefelkupfer und Schwefeleisen besteht, laugt mit Wasser aus und bringt die Lauge zur Kristallisation. Aus der Mutterlauge, welche reich an Eisenvitriol ist, fällt man das Kupfer durch Eisen. Man löst ferner geröstetes Schwarzkupfer, Kupferhammerschlag, Malachit (kohlensaures Kupferoxyd) in Schwefelsäure und läßt über Kupfergranalien, Kupferabfälle etc. wiederholt warme verdünnte Schwefelsäure fließen, oder man röstet kupferhaltige Eisenkiese, laugt mit Wasser aus, fällt mit Schwefelwasserstoff Schwefelkupfer und röstet dies. Beim Affinieren, bei der Silbergewinnung nach Ziervogel und bei der Verarbeitung von Kupferjodür auf Jod entsteht K. als Nebenprodukt. Zur Reinigung von rohem K. kristallisiert man ihn um, oxydiert aber vorher darin enthaltenen Eisenvitriol durch Erhitzen im Flammofen, wobei unlösliches Eisenoxyd entsteht, oder fällt das Eisen durch kohlensaures Kupferoxyd. Über den eisenhaltigen K. des Handels s. Eisenvitriol. Schwefelsaures Kupferoxyd bildet lasurblaue Kristalle mit 5 Molekülen Kristallwasser, vom spez. Gew. 2,28, besteht in 100 Teilen aus 31,85 Kupferoxyd, 32,07 Schwefelsäure und 36,08 Wasser, schmeckt herb, widrig metallisch, reagiert sauer, und 100 Teile Wasser lösen bei 10°: 36,9, bei 20°: 42,3, bei 40°: 56,9, bei 80°: 118, bei 100°: 203,3 Teile K. Den Gehalt der Lösungen von verschiedenen spezifischen Gewichten (15°) an kristallisiertem K. zeigt folgende Tabelle:

Proz. Spez. Gew.
0 1,000
1 1,007
2 1,013
3 1,020
4 1,027
5 1,033
6 1,040
7 1,048
8 1,055
9 1,062
10 1,069
11 1,076
12 1,084
13 1,091
14 1,096
15 1,114
16 1,121
17 1,129
18 1,129
19 1,137
20 1,144
21 1,152
22 1,160
23 1,169
24 1,177
25 1,185

In Alkohol ist K. unlöslich. Er verwittert in trockner Luft oberflächlich, wird bei 200° wasserfrei und weiß und zerfällt erst in starker Glühhitze in Kupferoxyd, [334] Sauerstoff und schweflige Säure. Das wasserfreie Salz ist sehr hygroskopisch und dient zum Entwässern des Alkohols. Man benutzt K. in der Färberei und Zeugdruckerei, zur Darstellung von Kupferfarben, in der Galvanoplastik, zum Konservieren des Holzes und der Tierbälge, zum Brünieren des Eisens, zum Färben des Goldes, zum Präparieren der Thonmasse im Draconschen Chlorbereitungsprozeß, zum Beizen des Saatgetreides, zum Ausbringen des Silbers aus seinen Erzen, als Brechmittel bei narkotischen Vergiftungen, Krupp, Diphtheritis, bei Phosphorvergiftung, Diabetes, auch äußerlich als Ätzmittel etc. Bei Einwirkung von Kupferoxyd, kohlensaurem Kupferoxyd, ätzenden oder kohlensauren Alkalien auf K. entstehen basische Salze, welche sich zum Teil in der Natur in mehreren Mineralien finden, auch in der Farbentechnik benutzt werden. Mit überschüssigem Ammoniak gibt K. eine tief lasurblaue Lösung, aus welcher nach vorsichtigem Übergießen mit Alkohol schwefelsaures Kupferoxydammoniak (Kupfersalmiak) CuSO4 + 4NH3 + H2O kristallisiert. Diese großen, tief dunkelblauen Kristalle riechen schwach ammoniakalisch, schmecken ekelhaft metallisch-ammoniakalisch, verlieren an der Luft Wasser und Ammoniak und lösen sich in 1,5 Teilen Wasser. Man benutzt das Salz in der Feuerwerkerei und als Arzneimittel. K. war schon den Alchimisten bekannt, welche oft von eisenhaltigem K. (Verbindung von Venus und Mars) ausgingen, um den Stein der Weisen zu finden. Van Helmont erhielt 1644 K. durch Erhitzen von Kupfer mit Schwefel an der Luft und Glauber 1648 aus Kupfer und Schwefelsäure.


[515] Kupfervitriol muß rein blau und gut kristallisiert sein, grünlicher Farbenton deutet auf beträchtlichen Eisengehalt. Löst man K. in Wasser, setzt Salzsäure hinzu, fällt das Kupfer vollständig durch Schwefelwasserstoff, filtriert und verdampft das Filtrat zur Trockne, so darf bei reinem K. kein fester Rückstand bleiben. Bleibt ein solcher, so kocht man einen Teil des Filtrats mit wenig Salpetersäure und fällt das Eisen durch überschüssiges Ammoniak, nach dem Übersättigen mit Essigsäure fällt Schwefelwasserstoff weißes Schwefelzink; man filtriert, neutralisiert mit Ammoniak und fügt Schwefelwasserstoff hinzu, wodurch Schwefelnickel gefällt wird. Aus dem Filtrat von letzterm fällt Ammoniak mit Natriumphosphat phosphorsaure Ammoniakmagnesia. Will man nur auf Eisen prüfen, so kocht man eine Lösung von K. mit etwas Salpetersäure und übersättigt mit Ammoniak, wodurch Eisenhydroxyd gefällt wird. Die quantitative Untersuchung wird ähnlich ausgeführt. Oft genügt eine Kupferbestimmung; man löst das Salz in einer tarierten Platinschale, fügt etwas reines Zink in mäßigem Überschuß hinzu, läßt dies einwirken, bis das Kupfer vollständig gefällt ist, setzt dann Schwefelsäure zu, um das Zink zu lösen (wobei das Kupfer vollständig mit Flüssigkeit bedeckt sein muß), wäscht das Kupfer mit ausgekochtem Wasser, dann mit Alkohol und Äther, trocknet bei 100° und wägt.