MKL1888:Medresse

[409] Medresse (arab.), Bezeichnung für die Hochschulen der mohammedanischen Welt, in welchen Theologie, Jurisprudenz, arabische Grammatik und ethische Wissenschaften vorgetragen werden. Jetzt ausschließlich der Sitz humaner, zumeist auf den Koran und die Religion Bezug habender Gelehrsamkeit, waren die Medressen ehedem auch Lehranstalten für abstrakte Wissenschaften, namentlich Medizin, Astronomie und Mathematik. Dies war besonders im Mittelalter der Fall, wo der Glanz dieser mohammedanischen Hochschulen das damals in Unwissenheit gehüllte Abendland weit überstrahlte, und es gehörte nicht zu den Seltenheiten, daß auch Christen an diesen Quellen der Wissenschaft schöpften. Mit dem Sinken der mosleminischen Weltherrschaft verfielen auch die Medressen allmählich. Die Hochschulen von Cordova, Toledo, Syrakus, Bagdad und Damaskus machten den Anfang, und die der östlichen Islamwelt folgten ihnen bald nach. Ihrem Ursprung nach waren die Medressen zumeist fromme Stiftungen fürstlicher Personen und reicher Privaten, in denen für Kost, Quartier, Kleidung und Bücher der Hörer reichlich gesorgt war. Die Professoren (Muderris) waren glänzend besoldet, und es ist leicht erklärlich, daß die berühmtern Anstalten dieser Art Hunderte, ja Tausende von Hörern zählten. Heute erfreuen sich nur die Azharie in Kairo, die Ahmedie, Nur-Osmanie und Aja Sofia in Konstantinopel, nach diesen die von Medina, Ispahan und Bochara eines gewissen Ansehens im Osten. Die Lokalität der M., aus einzelnen Zellen, Hörsälen, Hallen und Höfen bestehend, befindet sich meist in der Nähe einer Moschee, auch in der Moschee selber.