MKL1888:Meininger

[433] Meininger, vulgäre Bezeichnung der durch ihre zahlreichen Gastspiele im In- und Ausland rühmlichst bekannt gewordenen Hoftheatergesellschaft des regierenden Herzogs von Meiningen. Dieselbe verdankt ihre Bedeutung für das deutsche Theater dem lebhaften Interesse Herzog Georgs, der die Oper seiner Residenz auflöste, um alle zu Gebote stehenden Mittel auf die Hebung des Schauspiels zu verwenden, und auch hier wiederum nur das Bedeutende und Dauernde zur Darstellung brachte. Die Vorzüge der Aufführungen der M., wie sie sich unter der Leitung des Herzogs und seines Mitarbeiters Chronegk gestalteten, bestehen im wesentlichen einerseits darin, daß die äußere Ausstattung der Stücke bis ins kleinste stilvoll und echt ist, d. h. dem betreffenden Stück nach Zeit und Art vollständig entspricht, anderseits in der harmonischen Gesamtwirkung der Darstellungen, bewirkt dadurch, daß sich alle Spieler als Teile des Ganzen betrachten und diesem unterordnen, so daß ein unbefugtes virtuoses Hervordrängen Einzelner ganz ausgeschlossen bleibt. Das erste Gastspiel der M. fand im Mai 1874 in Berlin am Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater statt; seitdem ist die Gesellschaft auf zahlreichen deutschen Bühnen wie auch in Ausland (in Amsterdam, London, Petersburg etc.) aufgetreten. Die von den Meiningern aufgeführten Stücke wurden unter dem Titel: »Repertoire des herzoglich meiningenschen Hoftheaters, offizielle Ausgabe« veröffentlicht. Vgl. R. Prölß, Das herzoglich meining. Hoftheater und die Bühnenreform (2. Aufl., Erfurt 1882); Derselbe, Führer durch das Repertoire [434] der M. (Leipz. 1887); H. Herrig, Die M. (2. Aufl., Dresd. 1879).