MKL1888:Memmingen
[456] Memmingen, unmittelbare Stadt im bayr. Regierungsbezirk Schwaben, an der Aach, unweit der Iller, Knotenpunkt der Linien Kempten-Neuulm, Leutkirch-M.
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| Wappen von Memmingen. | |
und Buchloe-M. der Bayrischen Staatsbahn, 610 m ü. M., hat 3 evang. Kirchen (darunter die gotische Martinskirche mit 67 in spätgotischem Stil ausgeführten Chorstühlen), eine kath. Kirche, Gas- und Wasserleitung und (1885) 8688 meist evang. Einwohner, deren industrielle Thätigkeit sich auf Leinweberei, Tuch-, Jacquard-, Decken-, Bindfaden-, Pulver, Seifen- und Bürstenfabrikation, Kunstmüllerei, Färberei und Brauerei, Eisen- und Glockengießerei und Fabrikation landwirtschaftlicher Maschinen wie von Feuerlöschgeräten erstreckt. Der Handel ist besonders ansehnlich in Hopfen, Getreide, Käse, Wolle, Leder und Vieh. M. hat ein Bezirksamt, ein Landgericht mit Kammer für Handelssachen, ein Hauptzollamt, eine Lateinschule, eine Realschule, ein Lehrerinnenseminar, eine Präparandenanstalt, eine Stadtbibliothek mit Archiv und ein städtisches Museum. Zum Landgerichtsbezirk M. gehören die elf Amtsgerichte zu Babenhausen, Buchloe, Günzburg, Illertissen, Krumbach, M., Mindelheim, Neuulm, Ottobeuren, Türkheim und Weißenhorn. – Urkundlich kommt M. erst 1010 vor; es gehörte den Welfen, von 1191 an den Hohenstaufen, kam nach deren Aussterben an das Reich und wurde unter Rudolf von Habsburg (1286) und Adolf, der ihm 1296 die Rechte von Ulm erteilte, freie Reichsstadt. Ihr Gebiet betrug später 110 qkm (2 QM.). 1331 schloß sich M. dem schwäbischen Städtebund an. In Gemeinschaft mit Straßburg, Konstanz und Lindau übergab die Stadt 1530 zu Augsburg die Confessio tetrapolitana, trat später zum Schmalkaldischen Bund über, mußte sich aber 1546 dem Kaiser unterwerfen und 1548 das Augsburger Interim annehmen. Im Dreißigjährigen Krieg war M. 1631 abwechselnd im Besitz der Kaiserlichen und Schweden, wurde von letztern 1647 den Bayern übergeben, die es 1648 wieder räumten, und war 1702–1704 von Bayern und Franzosen wieder gemeinschaftlich besetzt. Am 9. und 10. Mai 1800 erfochten hier die Franzosen unter Moreau einen Sieg über die Österreicher unter Kray. 1802 kam die Stadt an Bayern. Vgl. Kaner, Memminger Chronik (1805); Rohling, Die Reichsstadt M. in der Zeit der evangelischen Volksbewegung (Münch. 1864); Dobel, M. im Reformationszeitalter (Augsb. 1877).
