MKL1888:Mennige

[468] Mennige (rotes Bleioxyd, Minium) Pb3O4 findet sich bisweilen auf Bleierzlagerstätten, aber vielleicht nur durch künstliche Erhitzung aus andern Bleierzen entstanden; man erhält M. durch Erhitzen von Bleioxyd oder kohlensaurem Bleioxyd (Bleiweiß) an der Luft und beim Erhitzen von schwefelsaurem Bleioxyd mit Chilisalpeter und Soda. Im großen stellt man M. dar, indem man ungeschmolzenes Bleioxyd auf der gemauerten Sohle eines Flammofens vorsichtig unter Luftzutritt und Umrühren erhitzt; man kann an der heißesten Stelle des Ofens metallisches Blei in Oxyd und dieses an den weniger heißen Stellen in M. verwandeln. Die schönste M. (Orangemennige, Bleirot, Mineralorange, Saturnzinnober, Pariser Rot) erhält man bei sehr niedriger Temperatur aus Bleiweiß. M. ist ein gelblichrotes Pulver, wird beim Erhitzen dunkler, beim Erkalten wieder heller, zerfällt leicht in Bleioxyd und Sauerstoff und gibt beim Behandeln mit Salpetersäure salpetersaures Bleioxyd und Bleisuperoxyd. Man benutzt M. zur Darstellung von Bleiglas, Fayenceglasur, Porzellanfarben, Kitt, Wasser- und Ölfarbe, Pflastern, Bleisuperoxyd und in der Zündwarenfabrikation. In der letztern ist ein Präparat als oxydierte oder abgelöschte M. gebräuchlich, welches durch Übergießen von M. mit Salpetersäure und Eintrocknen des Gemisches erhalten wird.


[564] Mennige. Zur Prüfung der M. behandelt man sie mit zuckerhaltiger verdünnter Salpetersäure. Verfälschungen mit Ziegelmehl, Ocker, Thon, Sand, [565] Schwerspat, Bleisulfat bleiben ungelöst zurück. Entwickelt sich beim Behandeln von M. mit Salpetersäure Kohlensäure, so ist Blei-, Calcium- oder Baryumcarbonat zugegen. Reine M. gibt an verdünnte Schwefelsäure nichts ab; Kupfer oder Eisen gehen beim Erwärmen in Lösung, und wenn man dann filtriert und mit Ammoniak übersättigt, so färbt sich die Flüssigkeit bei Gegenwart von Kupfer blau, während Eisen als braunes Hydroxyd gefällt wird. Um Gips nachzuweisen, kocht man die M. mit Wasser, filtriert und prüft das Filtrat mit Chlorbaryum auf Schwefelsäure und mit oxalsaurem Ammoniak auf Kalk. Nimmt M. beim Reiben einen gelblichen Farbenton an, so ist das Bleioxyd nur oberflächlich in M. verwandelt, und es ist noch viel Bleioxyd zugegen. Glüht man eine gewogene Menge M. im bedeckten Porzellantiegel bei nicht zu hoher Temperatur, so entspricht der Gewichtsverlust derjenigen Menge Sauerstoff, welche in der M. mehr als im Bleioxyd enthalten ist. Der Gewichtsverlust beträgt 1,3–2,34 Proz. Diese Methode ist ungenau, wenn Blei- und Calciumcarbonat zugegen ist, man zersetzt deshalb besser die M. durch Kochen mit Salzsäure, leitet das entwickelte Chlor in eine Jodkaliumlösung und bestimmt das ausgeschiedene Jod mit einer titrierten Lösung von unterschwefligsaurem Natron.