MKL1888:Merīno
[494] Merīno (span.), geköperter Stoff aus feiner Kammwolle mit dreifädigem Köper, oft aber auch mit vierfädigem, der auf beiden Seiten recht ist, glatt oder gemustert, verschieden gefärbt, mit Glanz appretiert, kam ursprünglich aus England, wurde dann auch in Deutschland und Frankreich nachgeahmt und war lange zu Kleidern und Umschlagtüchern sehr beliebt. M. ohne Glanzappretur und daher weicher heißt Tibet. Halbmerino (halbwollener M.) hat einen Einschuß von Kammwollgarn und eine Kette von Baumwolle (Paramatta).
Merīno, Don Geronimo, span. Parteigänger, geb. 30. Sept. 1770 zu Villoviado in Altkastilien, hütete in seiner Jugend die Ziegen seines Dorfs, ward, obwohl ohne alle geistige Bildung, Priester daselbst, trat aber beim Ausbruch des spanischen Befreiungskampfs gegen die Franzosen im Mai 1808, durch erlittene Mißhandlung gereizt, unter die Guerillas und erwarb sich durch Tapferkeit und Grausamkeit bald einen gefürchteten Namen. Namentlich hauste er in den Wäldern von Burgos und Soria. Bei Beendigung des Kriegs Kommandant von Burgos, wurde er von Ferdinand VII. zum Kanonikus in Valencia ernannt; die Ausbrüche seiner Roheit machten ihn aber in Valencia unmöglich, und er kehrte mit Genuß seiner Pfründe in seine Heimat zurück. Nach Herstellung der Konstitution von 1820 erklärte er sich sogleich gegen dieselbe und bildete wieder eine eigne Guerilla. Dieselbe wurde aber zersprengt, und M. flüchtete sich in ein Nonnenkloster. Bei der Invasion der Franzosen 1823 erhob er sich wieder und erhielt das Kommando in Segovia. 1833, nach Ferdinands VII. Tod, erklärte er sich für Don Karlos, sammelte 11,000 Mann und drang bis in die Nähe von Madrid vor, mußte aber vor den königlichen Truppen nach Portugal flüchten. Im März 1834 aber erschien er wieder in Altkastilien und nahm bis 1838 als Guerillaführer am Karlistenkrieg teil. Er flüchtete darauf nach Frankreich, wo er in Montpellier 1847 starb.